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Vortragsreihe zu Sprache, Migration und Vielfalt

Symbolbild für die Vortragsreihe »mittwochs um vier« im Wintersemester 2016/2017

Kritische, historische und pädagogische Annäherungen

Die Vortragsreihe im Wintersemester 2016/17 bot zehn anregende Beiträge an, wobei der Hauptfokus auf Sprachen in ihrer Auffächerung und ihrer Mehrschichtigkeit lag.

Die Auftaktvorträge setzten sich kritisch mit den Bereichen Diversität und Differenzziehung auseinander, während sich die darauffolgenden Vorträge mit der rechtlichen wie der traumapädagogischen Komponente beschäftigten.

Die Beiträge zu Sprachbiographien und ›Papieridentitäten‹ zeigten die historische Dimension von Flucht, Migration und Sprachen auf, wohingegen weitere Vorträge jeweils unterschiedliche Aspekte der Deutschlernunterstützung kritisch und praxisnah behandelten.

Neben tätigkeitsbezogener Sprachförderung widmten sich Mitarbeitende in der neuen Rubrik »Beiträge aus der Werkstatt« dem Schreiben in der Fremd- bzw. Zweitsprache, Kommunikationsstörungen sowie körperbezogener indirekter Sprachvermittlung über Sport in verschiedenen Altersstufen.

Referent_innen aus folgenden Institutionen waren im Wintersemester 2016/2017 eingeladen: Arbeitsgemeinschaft Politische Psychologie, Arbeitsstelle DiversitAS, Deutsches Seminar, Englisches Seminar, Institut für Sonderpädagogik, Institut für Soziologie, Institut für Sportwissenschaft, Leibniz School of Education und Universitá di Bologna.

Auf dieser Seite finden Sie die Resümees von allen Vorträgen. Informationen zu den Vortragenden sowie die Abstracts sind den Angaben zu Beitragenden zu entnehmen.

  • »mittwochs um vier«-Poster

    »mittwochs um vier«-Poster

  • Dr. Isabel Sievers hält einen Vortrag über Diversität in der Schule

    16.11.2016: Diversitätssensible Bildungsarbeit - Dr. Isabel Sievers

  • Dr. Isabel Sievers hält einen Vortrag über Diversität in der Schule

    16.11.2016: Diversitätssensible Bildungsarbeit - Dr. Isabel Sievers

  • Prof. Dr. Rolf Pohl hält einen Vortrag über die Sozialpsychologie der Fremdenfeindlichkeit

    23.11.2016: Das ›Eigene‹ und das ›Andere‹ - Prof. Dr. Rolf Pohl

  • »mittwochs um vier«-Flyer

    »mittwochs um vier«-Flyer

  • Prof. Dr. Rolf Pohl hält einen Vortrag über die Sozialpsychologie der Fremdenfeindlichkeit

    23.11.2016: Das ›Eigene‹ und das ›Andere‹ - Prof. Dr. Rolf Pohl

  • Projektmitarbeiterin Radhika Natarajan und Sonderpädagoge Christoph Müller

    Radhika Natarajan und Christoph Müller

  • Teilnehmende bei Christoph Müllers Vortrag zur Traumapädagogik

    30.11.2016: Traumapädagogik - Beitrag aus der Werkstatt

  • Sonderpädagoge Christoph Müller hält einen Vortrag über Psychosoziale Aspekte im Kontext von Zwangsmigration

    30.11.2016: Traumapädagogik - Beitrag aus der Werkstatt

  • Menschenrechtsexpertin und Aktivistin PD Dr. Eva Kalny hält einen Vortrag über die Menschenrechte von Geflüchteten

    07.12.2016: 65 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention - PD Dr. Eva Kalny

  • Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte im Hosentaschenformat

    07.12.2016: 65 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention - PD Dr. Eva Kalny

  • Menschenrechtsexpertin und Aktivistin PD Dr. Eva Kalny hält einen Vortrag über die Menschenrechte von Geflüchteten

    07.12.2016: 65 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention - PD Dr. Eva Kalny

  • Projektmitarbeiterin Radhika Natarajan, Sonderpädagogin Hanna Ehlert und Teilnehmende

    14.12.2016: Kommunikationsstörungen - Beitrag aus der Werkstatt

  • Teilnehmende beim Vortrag von Hanna Ehlert zu Kommunikationsstörungen

    14.12.2016: Kommunikationsstörungen - Beitrag aus der Werkstatt

  • Flyer und Handout zu Kommunikationsstörungen

    Flyer und Handout zu Kommunikationsstörungen

  • Sonderpädagogin Hanna Ehlert hält einen Vortrag über Kommunikationsstörungen bei mehrsprachigen Kindern mit Fluchthintergrund

    14.12.2016: Kommunikationsstörungen - Beitrag aus der Werkstatt

  • Teilnehmende beim Vortrag von Hanna Ehlert zu Kommunikationsstörungen

    14.12.2016: Kommunikationsstörungen - Beitrag aus der Werkstatt

  • Prof. Dr. Eva-Maria Thüne und Teilnehmende bei Vortrag zu Sprachbiographien

    21.12.2016: Sprachbiographien - Prof. Dr. Eva-Maria Thüne

  • Teilnehmende bei Prof. Dr. Eva-Maria Thünes Vortrag zu Sprachbiographien

    21.12.2016: Sprachbiographien - Prof. Dr. Eva-Maria Thüne

  • Prof. Dr. Eva-Maria Thüne hält einen Vortrag über Flucht und Migration als Thema der angewandten Sprachwissenschaft

    21.12.2016: Sprachbiographien - Prof. Dr. Eva-Maria Thüne

  • Projektmitarbeiterin Radhika Natarajan im Gespräch mit Amerikanistin Prof. Dr. Ruth Mayer

    11.01.2017: ›Papieridentitäten‹ - Prof. Dr. Ruth Mayer

  • Veröffentlichungen von Prof. Dr. Ruth Mayer

    11.01.2017 ›Papieridentitäten‹ - Prof. Dr. Ruth Mayer

  • Prof. Dr. Ruth Mayer hält einen Vortrag zur chinesischen Immigrationsgeschichte in den USA

    11.01.2017: ›Papieridentitäten‹ - Prof. Dr. Ruth Mayer

  • Dr. Steffen Schiedek (Institut für Sportwissenschaft) hält einen Vortrag über Sportunterricht in Sprachlernklassen

    18.01.2017: Sprachlernklassen und Sport - Beitrag aus der Werkstatt

  • Teilnehmende bei Dr. Steffen Schiedeks Vortrag zum Sportunterricht in Sprachlernklassen

    18.01.2017: Sprachlernklassen und Sport - Beitrag aus der Werkstatt

  • Dr. Steffen Schiedek (Institut für Sportwissenschaft) hält einen Vortrag über Sportunterricht in Sprachlernklassen

    18.01.2017: Sprachlernklassen und Sport - Beitrag aus der Werkstatt

  • Teilnehmende bei Dr. Steffen Schiedeks Vortrag zum Sportunterricht in Sprachlernklassen

    18.01.2017: Sprachlernklassen und Sport - Beitrag aus der Werkstatt

  • Ariane Steuber stellt ihr Konzept einer tätigkeitsbezogenen Sprachförderung vor.

    25.01.2017: Tätigkeitsbezogene Sprachförderung - Ariane Steuber

  • Teilnehmende bei Ariane Steubers Vortrag zu tätigkeitsbezogener Sprachförderung

    25.01.2017: Tätigkeitsbezogene Sprachförderung - Ariane Steuber

  • Ariane Steuber stellt ihr Konzept einer tätigkeitsbezogenen Sprachförderung vor.

    25.01.2017: Tätigkeitsbezogene Sprachförderung - Ariane Steuber

  • Ketevan Zhorzholiani hält einen Vortrag über das Schreiben in der Fremdsprache bzw. Zweitsprache

    01.02.2017: Schreiben in der Fremdsprache - Beitrag aus der Werkstatt

  • Praxisbeispiel beim Vortrag zum Schreiben in der Fremdsprache bzw. Zweitsprache

    01.02.2017: Schreiben in der Fremdsprache - Beitrag aus der Werkstatt

  • Ketevan Zhorzholiani hält einen Vortrag über das Schreiben in der Fremdsprache bzw. Zweitsprache

    01.02.2017: Schreiben in der Fremdsprache - Beitrag aus der Werkstatt

Termine

Gastvortragende aus Universitätseinrichtungen und Beiträge aus der Werkstatt

16.11.2016 Diversitätssensible Bildungsarbeit - Dr. Isabel Sievers

Diversitätssensible Bildungsarbeit – Was bedeutet das eigentlich für (angehende) Lehrkräfte?
Dr. Isabel Sievers (Leibniz School of Education & Referentin für Diversity Management)

»Diversity ist not about the others – it is about you.«

Dr. Isabel Sievers, Migrations- und Interkulturalitätsforscherin und Referentin für Diversity Management, befasste sich in ihrem Vortrag mit aktuellen Begriffen und Diskursen um Diversität sowie der diversitätssensiblen Bildungsarbeit mit ihren Anwendungsfeldern und Konsequenzen.

  • Diversität ist ein vielschichtiges, sowohl analytisches als auch normatives, Konzept, dem eine Vielzahl von Begriffen zugeordnet werden kann und das zu einer Öffnung der Perspektive beitragen kann.
  • Anhand von aktuellen Beispielen wurde deutlich, dass Diversität auf vielen verschiedenen Ebenen anzutreffen ist, die in einem Verhältnis von wechselseitiger Abhängigkeit und Prägung stehen. Schule ist nie losgelöst von der Gesellschaft zu sehen.
    a) Auf der organisational-strukturellen Ebene sind bestehende Strukturen, Normalitätsvorstellungen u.a. mit einer sich verändernden Realität konfrontiert, wodurch sich wiederum die Strukturen verändern (können).
    b) Auf der sozial-interaktiven Ebene stellen sich die methodischen Fragen, wie Lehrende damit umzugehen hätten und wo die Anknüpfungspunkte in den einzelnen Fächern wären.
    c) Auf der individuellen Ebene ist es wichtig, auch sich selbst zu reflektieren.
  • Diversität als erweiterte Perspektive hat also drei Kernkomponenten: Fachkenntnisse, Methoden und eine reflexive Haltung, wobei die Reflexionsebene das Kernstück der diversitätssensiblen Bildungsarbeit darstellt.

Im Anschluss an den Vortrag war Raum für Nachfragen an die Vortragende; es entstand eine lebhafte Diskussion um Begrifflichkeiten, Kritik und Fallbeispiele.

23.11.2016 Das ›Eigene‹ und das ›Andere‹ - Prof. Dr. Rolf Pohl

Das ›Eigene‹ und das ›Andere‹. Zur Sozialpsychologie der Fremdenfeindlichkeit
Prof Dr. Rolf Pohl (Institut für Soziologie & Arbeitsgemeinschaft Politische Psychologie)

»Fremd ist der Fremde nur in der Fremde.« (Karl Valentin)

Prof. Dr. Rolf Pohl, seit vielen Jahren in Lehre und Forschung am Institut für Soziologie tätig und außerdem Koordinator der AG Politische Psychologie, referierte über die Sozialpsychologie der Fremdenfeindlichkeit, die er anhand der Kategorien des ›Eigenen‹ und des ›Anderen‹ erklärte.

  • Die Kernfragen des sehr interessanten und zum Denken anregenden Vortrags waren: »Wie fremd ist das Fremde?«, »Wie funktioniert Fremdenfeindlichkeit?« und »Welche Motive haben fremdenfeindliche Menschen?«
  • Diesen Fragen näherte sich Prof. Pohl an, indem er zuerst auf Fremdenfeindlichkeit in der ›Mitte der Gesellschaft‹ (PEGIDA, AfD etc.) einging.
  • Anschließend erläuterte er die Hauptpunkte des Vortrags:
    1. Identitätssehnsucht: Die unbewusste Logik von Fremdenangst und Fremdenfeindlichkeit
    2. Der Krieg im Kopf: völkische Paranoia und Fremdenhass
    3. Der Projektionsmechanismus
    4. Das ›Eigene‹ und die Konstruktion des ›Fremden‹
  • Der Vortrag endete mit einem Ausblick über den Umgang mit dem ›Eigenen‹ und dem/den ›Fremden‹.

Im Anschluss an den Vortrag entstand eine sehr lebhafte und ausführliche Diskussion im Plenum, in der auch politische, gesellschaftliche, mediale und pädagogische Aspekte der Problematik thematisiert wurden.

30.11.2016 Traumapädagogik - Beitrag aus der Werkstatt

Flucht. Trauma. PädagogikPsychosoziale Aspekte im Kontext von Zwangsmigration
Christoph Müller (Institut für Sonderpädagogik)

»Mit ein paar mehr DaF/DaZ-Stellen ist es nicht getan.«

Christoph Müller vom Institut für Sonderpädagogik informierte die Zuhörenden umfassend über psychosoziale Aspekte im Kontext von Zwangsmigration, wobei er verschiedene konkrete Beispiele (auch aus der eigenen Arbeit) in den theoretischen Vortrag einband, welcher sich im Kern mit zwei Themen beschäftigte:

  • Was ist ein Trauma und wie entsteht, verfestigt und äußert es sich?
  • Welche Lösungsansätze gibt es, um mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen umzugehen? Was können auch Lehrkräfte, die selbst keine ausgebildeten Therapeut_innen sind, tun, um ihre Schutzbefohlenen und auch sich selbst ein Stück weit zu entlasten?

Im Anschluss an den Vortrag war wie immer Raum für Kommentare und Fragen, den die Teilnehmenden nutzten, um sich in einer lebhaften Diskussionen zu Themen wie »Was kann der Kontakt mit traumatisierten geflüchteten Kindern und Jugendlichen bei Lehrkräften mit Flucht- oder Migrationserfahrung auslösen?« und »Wie viel von den vorgeschlagenen Maßnahmen können Lehrkräfte ohne institutionelle Unterstützung überhaupt umsetzen?« austauschten. Hierbei ist es wichtig, sich klarzumachen, welche Möglichkeiten man selbst in der aktuellen Situation hat. Die Bedeutung einzelner konkreter Bezugspersonen für die Kinder und Jugendlichen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Und auch eine veränderte Haltung und verstärkte Reflexion seitens der Lehrkräfte können von immenser Wichtigkeit sein – auch für die eigene Entlastung.

07.12.2016 65 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention - PD Dr. Eva Kalny

Menschenrechte von Geflüchteten: 65 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention
PD Dr. Eva Kalny (Institut für Soziologie)

Rechtsstaat - »Im Asylbereich funktioniert das einfach nicht.«

PD Dr. Eva Kalny vom Institut für Soziologie – Kulturanthropologin, Expertin für Menschenrechte, »alte Aktivistin« und frühere Mitarbeiterin u.a. beim UNHCR – informierte die Teilnehmenden anlässlich des nahenden Tages der Menschenrechte am 10. Dezember über die auf der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte beruhende Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) und deren Bedeutung für die aktuelle Situation – und über einen sehr aktuellen Fall von (nicht ganz) alltäglichem Behördenwahnsinn in Hannover.

  • Die Genfer Flüchtlingskonvention klärt, welche Menschen als Flüchtlinge gelten und betont, dass sie auf alle Menschen gleichermaßen anzuwenden ist. Zentrale Punkte sind die Religionsfreiheit, eine weitgehende Gleichstellung der Flüchtlinge mit der nationalen Bevölkerung im Aufnahmeland und wann eine Ausweisung nicht zulässig ist.
  • Weiterhin ging Frau Kalny auf den UNHCR und dessen Arbeit ein und präsentierte aktuelle Zahlen und Fakten zum Thema Flucht und Vertreibung.
  • Den zweiten Teil des Vortrags bildete ein Erfahrungsbericht aus dem eigenen privaten Umfeld, in welchem Frau Kalny sehr eindrücklich beschrieb, von welch massiven Problemen und Belastungen Geflüchtete betroffen sein können, wenn sie hier in Deutschland Kontakt mit den Behörden haben, und wie solche Erlebnisse zur Verfestigung von Traumata betragen können.

Der Vortrag wurde durch einen kurzen Gastbeitrag von Magdalena Wallbruch ergänzt, Teilnehmende der ersten ›Pilotwerkstatt‹ und Mitglied unserer neuen Kooperationspartnerin, der Hochschulgruppe Amnesty International, die uns von ihrer Arbeit berichtete. Während und nach dem Vortrag entstand eine Diskussion im Plenum, die sich in erster Linie um den Erfahrungsbericht drehte.

14.12.2016 Kommunikationsstörungen - Beitrag aus der Werkstatt

Kommunikationsstörungen bei mehrsprachigen Kindern mit Fluchthintergrund
Hanna Ehlert (LeibnizConnect, Institut für Sonderpädagogik & Hochschule Hildesheim [HAWK])

»Ist das noch normal oder nicht?«

Hanna Ehlert, Logopädin und Sonderpädagogin vom Projekt LeibnizConnect referierte in einem weiteren Beitrag aus der Werkstatt über Sprach- und Kommunikationsstörungen bei mehrsprachigen Kindern mit Fluchthintergrund. Nach einer kurzen Einführung über die Arbeit von LeibnizConnect ging sie näher auf den Spracherwerb im Allgemeinen, auf das Thema Mehrsprachigkeit, auf Sprachentwicklungsstörungen und auf die Zusammenhänge mit Fluchterlebnissen ein.

  • Spracherwerbsprozesse verlaufen sehr variantenreich und interindividuell unterschiedlich. Allen gemein ist das grundlegende Prinzip »vom Einfachen zum Komplexen«.
  •  Mehrsprachigkeit ist, das ist zu betonen, kein Risikofaktor für eine Sprachentwicklungsstörung. Sie kann jedoch auf vielfache Weisen deren Diagnose erschweren und so zu Fehleinschätzungen führen.
  • Von einer (Spezifischen) Sprachentwicklungsstörung (SSES) ist normalerweise »nur« die Sprache betroffen, die sonstige Entwicklung ist weitgehend unbeeinträchtigt. Die Folgen einer SSES können sehr schwerwiegend sein.
  • Bei Kindern mit Fluchthintergrund kommt zu dem ohnedies schon hoch komplexen multimodalen Bedingungsgefüge für Sprachentwicklungsstörungen die potenziell traumatische Fluchterfahrung als extremer Belastungsfaktor hinzu.
  • Abschließend ging Frau Ehlert exemplarisch auf zwei Störungen, deren Entstehen, Symptome und Therapiemöglichkeiten näher ein: den (selektiven) Mutismus und das Stottern. Außerdem gab sie Tipps, wie man im Schulunterricht mit betroffenen Kindern (generell, nicht spezifisch im Fluchtkontext) umgehen sollte, um die Therapie zu unterstützen.

Im Anschluss an den Vortrag war wie immer Raum für Nachfragen und Diskussionen. Es wurde hier etwa thematisiert, wie gut die genannten Tipps in der Unterrichtspraxis umsetzbar sind und inwieweit Mehrsprachigkeit in den Schulen angemessen berücksichtigt wird. Abschließend berichtete Frau Ehlert von Beispielen aus ihrer eigenen Tätigkeit als Logopädin und stand nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung noch für Einzelberatung zur Verfügung.

21.12.2016 Sprachbiographien - Prof. Dr. Eva-Maria Thüne

Flucht und Migration als Thema der angewandten Sprachwissenschaft.
Datenerhebung durch Sprachbiographien
Prof. Dr. Eva-Maria Thüne (Lingua e Linguistica Tedesca, Università di Bologna)
(Professur für Deutsche Sprache und Sprachwissenschaft, Universität Bologna)

»Es gibt keine Identität außerhalb von Sprache.«

Den letzten Vortrag des Jahres 2016 hielt Prof. Dr. Eva-Maria Thüne, Sprachwissenschaftlerin von der Neuphilologischen Fakultät der Universität Bologna. Unter dem Titel »Flucht und Migration als Thema der angewandten Sprachwissenschaft« präsentierte sie den Teilnehmenden Schlaglichter auf die vielgestaltigen Verknüpfungen von Emotion und Sprache, die durch authentische Audio-Aufnahmen illustriert wurden. Zentral war hierbei die Frage, wie Migration unter dem Gesichtspunkt der Sprache empfunden wird.

  • Zunächst erfolgte eine theoretische Einführung in das Thema Sprachbiographien. Bei diesem interdisziplinären Ansatz stehen narrative Interviews im Mittelpunkt, in welchen anhand von Erinnerungen, Emotionen und Einstellungen die symbolische Kraft von Sprache beleuchtet wird. Die Sprache wird hierbei als zentraler Identitätsfaktor verstanden.
  • Anschließend wurden Beispiele aus einem Korpus von Interviews mit deutschsprachigen Menschen jüdischen Glaubens besprochen, die vor dem zweiten Weltkrieg nach Israel ausgewandert waren. Bei all diesen Menschen drückt sich in ihrer Sprache, im Inhalt ihrer Aussagen, aber auch in ihren Metaphern, ein ambivalentes Verhältnis zur deutschen Sprache aus. Die Identität, ein an sich umkämpfter und umstrittener Begriff, ist eng mit der Sprache verknüpft, die sowohl als verletzend als auch als heilsam empfunden werden kann.
  • Das zweite besprochene Korpus beinhaltet Interviews mit Menschen, die in den 1960er Jahren aus Italien nach Deutschland gekommen waren. Es schlägt sich hier ein Konflikt in der Sprache nieder: Man wünscht sich, die deutsche Sprache perfekt zu beherrschen, um nicht mehr als Migrant_in erkannt zu werden, da man sich durch die Mehrheitsgesellschaft ausgegrenzt fühlt. Gleichzeitig wird die Unmöglichkeit, diese Perfektion zu erreichen, mit Resignation beantwortet.

An allen Beispielen kann man erkennen, wie Gruppenzugehörigkeiten durch Sprache(n) definiert werden und wie die verschiedenen Menschen mit Sprache im Spannungsfeld von Integration und Ausschluss umgehen. Im Anschluss an den äußerst interessanten Vortrag wurde sehr ausgiebig, engagiert und fruchtbar über Mehrsprachigkeit, Dialekte, Bildungssprache und vieles mehr diskutiert.

11.01.2017 ›Papieridentitäten‹ - Prof. Dr. Ruth Mayer

›Papieridentitäten‹. Zur chinesischen Immigrationsgeschichte in den USA, 1890-1930
Prof. Dr. Ruth Mayer (Englisches Seminar)

»Wie wird man in den USA zum Chinesen gemacht?«

Im ersten Vortrag des Jahres 2017 informierte Frau Prof. Dr. Ruth Mayer vom Englischen Seminar die Zuhörenden über ein Thema, das auf den ersten Blick nur relativ wenig mit der aktuellen Situation in Deutschland zu tun hat – bei näherem Hinsehen erweist es sich jedoch als hochgradig aktuell: Die Geschichte der (häufig illegalen) chinesischen Immigration in die Vereinigten Staaten um die Jahre 1890 bis 1930.

  • Der Vortrag beschäftigte sich mit dem Konzept der Identifizierung, einerseits als Selbstbild, andererseits aber auch als polizeiliche Feststellung der Identität über Ausweispapiere, Fingerabdrücke etc. Es wurden Kategorien von Zugehörigkeit und Ausschluss untersucht, anhand von Konzepten wie »domestic« (was sowohl die häusliche Sphäre als auch die Innenpolitik betreffen kann) und Schlüsselmetaphern wie der Nation als Familie, die ein Lagerdenken naturalisieren können.
  • Weiterhin ging Frau Prof. Mayer ausführlich auf die konkreten Geschehnisse in den USA ein, wie die Immigration der chinesischen Einwandernden vonstattenging, welche Probleme es dabei gab und welche Bilder in Amerika vorherrschten. Hierbei wurde deutlich, dass sowohl das Procedere (die Menschen – in erster Linie junge Männer –  zunächst in einem zentralen Lager unterbringen, versuchen, ihre Identität festzustellen und ihre Geschichten anhand von ausführlichen Interviews überprüfen; darauf aufbauend der Wunsch, nicht mehr auf die Sprache zur Überprüfung angewiesen zu sein) als auch die Ängste (Gefahren durch Einwandernde, mangelnde Hygiene, Kontamination durch Krankheiten, abweichende Moralvorstellungen, eine unnatürlich männlich dominierte Gesellschaft) sich heutzutage in Deutschland auf weiten Strecken wiederfinden lassen.
  • Den Vortrag beschloss eine literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit einer Kurzgeschichte einer chinesisch stämmigen Autorin, welche die Thematik auf eine andere Weise aufgreift und eine sehr bittere Perspektive auf Identitätsfindung, -zuschreibung und Verlust aufzeigt.

Im Anschluss an den Vortrag war wie immer Zeit für Fragen und Diskussionen, wobei u.a. der Wandel im Bild von asiatischen Einwanderern nach dem Zweiten Weltkrieg und die Relevanz der Thematik für unseren heutigen Kontext thematisiert wurden. Als Fazit lässt sich festhalten, dass die Diskurse aus der Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert (leider) bis heute sehr leicht aktivierbar sind.

18.01.2017 Sprachlernklassen und Sport - Beitrag aus der Werkstatt

Sprachlernklassen und Sport - gemeinsam oder getrennt?
Dr. Steffen Schiedek (Institut für Sportwissenschaft)

»Was passiert da im Sportunterricht und was müsste passieren?«

Dr. Steffen Schiedek vom Institut für Sportwissenschaft berichtete in einem weiteren Beitrag aus der Werkstatt von einer Lehrveranstaltung zu Spracherwerb und Integration durch Sportunterricht, die im Rahmen der LeibnizWerkstatt für Lehramtsstudierende des Faches Sport angeboten und in Kooperation mit verschiedenen Schulen der Region durchgeführt wird.

  • Zunächst wurden Sprachlernklassen besprochen:  Was genau ist das eigentlich, wie viele gibt es und wie sieht der Unterricht in ihnen aus? Eine besondere Herausforderung stellt die extreme Heterogenität dar, die insbesondere die Dimensionen Alter, Herkunft, Verweildauer in Deutschland, Vorkenntnisse und Schulerfahrung betrifft.
  • Eine große Hilfe kann hier die Verwendung digitaler Medien zur Visualisierung und Kommunikationsförderung sein, die ein intensiveres schülerzentriertes Arbeiten ermöglicht. In diesem Bereich könnten alle Fächer gute Anregungen finden.
  • Anschließend wurden verschiedene inklusive Konzepte vorgestellt und diskutiert, die insbesondere im Sportunterricht Anwendung finden, aber auch gut auf andere Fächer übertragbar sind.
  • Den Vortrag beschloss eine Betrachtung des Seminars »Spracherwerb und Integration durch Sprachunterricht?«, dessen Ziele, Ablauf und Ergebnisse. Das Seminar beinhaltet umfangreiche theoretische und praktische Anteile und konnte am Ende einen Katalog von Qualitätsmerkmalen für einen den Spracherwerb und die Integration fördernden (Sport-)Unterricht zusammenstellen, wobei eine zentrale Grundvoraussetzung stets eine offene und positive Einstellung der Lehrkraft ist.

Im Anschluss an den Vortrag war wie immer Zeit für Fragen und Diskussionen. Thema waren hier u.a. das (durchweg positive) Feedback der beteiligten Lehrkräfte und weitere konkrete Anknüpfungspunkte für die vorgestellten Qualitätsmerkmale.

25.01.2017 Tätigkeitsbezogene Sprachförderung - Ariane Steuber

Konzeptionelle Überlegungen zur tätigkeitsbezogenen Sprachförderung
Ariane Steuber (Leibniz School of Education & Projekt Leibniz-Prinzip)

»Die Alltagssprache ist der Ausgangspunkt für die weitere Sprachförderung.«

Ariane Steuber vom Projekt Leibniz-Prinzip stellte den Zuhörenden ihr noch im Werden begriffenes didaktisches Konzept einer tätigkeitsbezogenen Sprachförderung für Berufsschulen vor.

  • Grundsätzlich geht es Frau Steuber bei ihrer Arbeit darum, wie sich eine inklusive Sprachförderung gestalten lässt, wie die Lernausgangslagen der Lernenden ressourcen- statt defizitorientiert  beschrieben werden können, wie man praxisorientiertes berufliches Lernen und Sprachenlernen verbinden kann und wie eine möglichst individuelle Förderung ermöglicht werden kann.
  • Nach einem Überblick über die verschiedenen schulischen und außerschulischen Formen der Berufsvorbereitung in Niedersachen stellte die Referentin eine Sprachförderklasse vor, die sie im Rahmen eines Seminars mit Studierenden besucht und begleitet hat.
  • Eine besondere Herausforderung in der Arbeit mit jungen Lernenden ist die Vermittlung der für Schule und Beruf notwendigen Bildungs- und Fachsprache. Die Berufspädagogin erläuterte in diesem Zusammenhang die Grundlagen dieses Konzepts anhand eines Beispieltexts aus einem Schulbuch und weiterer berufsbezogener Beispiele.
  • Im Anschluss wurde näher auf Möglichkeiten der Förderung eingegangen und die Umsetzung des Prinzips im Seminar vorgestellt.
  • Abschließend warf die Vortragende einen erweiterten Blick auf Sprachkompetenzen und Möglichkeiten der Sprachförderung, wobei sie sich mit dem (Sprach-)Lernen in Praxisgemeinschaften, einem arbeits- bzw. tätigkeitsbezogenen (Sprach-)Lernen und sprachpsychologischen Aspekten befasste und verschiedene theoretische Ansätze vorstellte.

Nach dem Vortrag war wieder Zeit für Fragen, Kommentare und Ideen. Es wurde lange und angeregt diskutiert, u.a. über die bislang unzureichende DaZ-Ausbildung von Berufsschullehrkräften, den ressourcenorientierten Umgang mit heterogenen Gruppen, die Rolle des Frontalunterrichts und Kernaspekte der Alphabetisierung, die auch bei vielen Lernenden in Berufsvorbereitungsklassen ein wichtiges Thema ist.

01.02.2017 Schreiben in der Fremdsprache - Beitrag aus der Werkstatt

Schreiben in der Fremdsprache bzw. Zweitsprache 
Ketevan Zhorzholiani (Projekt LeibnizWerkstatt & ISK Hannover)

»Was in der Erstsprache nicht ausgebildet ist, ist schwierig in der Zweitsprache auszubilden.«

Ketevan Zhorzholiani, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt LeibnizWerkstatt, gab den Zuhörenden einen detaillierten Einblick in Theorie und Praxis einer besonderen Herausforderung beim Erlernen einer Zweit- oder Fremdsprache: Das selbstständige Verfassen zusammenhängender Texte.

  • Zunächst wurde der theoretische Rahmen eröffnet: Frau Zhorzholiani erläuterte die jeweiligen Charakteristika von Erstsprache, Zweitsprache und Fremdsprache, die vier Grundfertigkeiten von Sprache (das Hören, das Sprechen, das Lesen und das Schreiben), sowie die medialen und konzeptionellen Unterschiede von Mündlichkeit und Schriftlichkeit.
  • Anschließend wurde ein Modell des Schreibprozesses in der Erstsprache vorgestellt und dieses auf die Zweitsprache übertragen. Der Schreibprozess gliedert sich generell in die Phasen der Planung, Formulierung und Überarbeitung. In der Fremd- oder Zweitsprache kommt hier als besondere Herausforderung hinzu, dass die in der Erstsprache gemachten Überlegungen adäquat in die Zielsprache überführt werden müssen.
  • Weiterhin wurde besprochen, in welchen Teilschritten sich die Schreibkompetenz aufbaut. In einem mehrgliedrigen Entwicklungsprozess entwickelt sich die Sprache weg von einer Ich-Zentrierung über Orientierung an Thema und Text bis hin zu adressatenorientiertem Schreiben.
  • Abschließend wurde ein authentisches Beispiel aus einer TestDaF-Prüfungssimulation untersucht und besprochen, was den Zuhörenden die große Herausforderung des Schreibens noch einmal deutlich vor Augen führte.

Der Vortrag mündete in eine angeregte Diskussion, u.a. über den untersuchten Text, Alphabetisierung und Schreibunterricht im Allgemeinen und die Frage, was eigentlich in den verschiedenen Ländern als »guter Text« gilt. Zudem hatte Frau Zhorzholiani wie immer viele praktische Tipps für die Teilnehmenden auf Lager.

Gastvortragende aus Universitätseinrichtungen und Beiträge aus der Werkstatt

16.11.2016 Diversitätssensible Bildungsarbeit - Dr. Isabel Sievers

Diversitätssensible Bildungsarbeit – Was bedeutet das eigentlich für (angehende) Lehrkräfte?
Dr. Isabel Sievers (Leibniz School of Education & Referentin für Diversity Management)

»Diversity ist not about the others – it is about you.«

Dr. Isabel Sievers, Migrations- und Interkulturalitätsforscherin und Referentin für Diversity Management, befasste sich in ihrem Vortrag mit aktuellen Begriffen und Diskursen um Diversität sowie der diversitätssensiblen Bildungsarbeit mit ihren Anwendungsfeldern und Konsequenzen.

  • Diversität ist ein vielschichtiges, sowohl analytisches als auch normatives, Konzept, dem eine Vielzahl von Begriffen zugeordnet werden kann und das zu einer Öffnung der Perspektive beitragen kann.
  • Anhand von aktuellen Beispielen wurde deutlich, dass Diversität auf vielen verschiedenen Ebenen anzutreffen ist, die in einem Verhältnis von wechselseitiger Abhängigkeit und Prägung stehen. Schule ist nie losgelöst von der Gesellschaft zu sehen.
    a) Auf der organisational-strukturellen Ebene sind bestehende Strukturen, Normalitätsvorstellungen u.a. mit einer sich verändernden Realität konfrontiert, wodurch sich wiederum die Strukturen verändern (können).
    b) Auf der sozial-interaktiven Ebene stellen sich die methodischen Fragen, wie Lehrende damit umzugehen hätten und wo die Anknüpfungspunkte in den einzelnen Fächern wären.
    c) Auf der individuellen Ebene ist es wichtig, auch sich selbst zu reflektieren.
  • Diversität als erweiterte Perspektive hat also drei Kernkomponenten: Fachkenntnisse, Methoden und eine reflexive Haltung, wobei die Reflexionsebene das Kernstück der diversitätssensiblen Bildungsarbeit darstellt.

Im Anschluss an den Vortrag war Raum für Nachfragen an die Vortragende; es entstand eine lebhafte Diskussion um Begrifflichkeiten, Kritik und Fallbeispiele.

23.11.2016 Das ›Eigene‹ und das ›Andere‹ - Prof. Dr. Rolf Pohl

Das ›Eigene‹ und das ›Andere‹. Zur Sozialpsychologie der Fremdenfeindlichkeit
Prof Dr. Rolf Pohl (Institut für Soziologie & Arbeitsgemeinschaft Politische Psychologie)

»Fremd ist der Fremde nur in der Fremde.« (Karl Valentin)

Prof. Dr. Rolf Pohl, seit vielen Jahren in Lehre und Forschung am Institut für Soziologie tätig und außerdem Koordinator der AG Politische Psychologie, referierte über die Sozialpsychologie der Fremdenfeindlichkeit, die er anhand der Kategorien des ›Eigenen‹ und des ›Anderen‹ erklärte.

  • Die Kernfragen des sehr interessanten und zum Denken anregenden Vortrags waren: »Wie fremd ist das Fremde?«, »Wie funktioniert Fremdenfeindlichkeit?« und »Welche Motive haben fremdenfeindliche Menschen?«
  • Diesen Fragen näherte sich Prof. Pohl an, indem er zuerst auf Fremdenfeindlichkeit in der ›Mitte der Gesellschaft‹ (PEGIDA, AfD etc.) einging.
  • Anschließend erläuterte er die Hauptpunkte des Vortrags:
    1. Identitätssehnsucht: Die unbewusste Logik von Fremdenangst und Fremdenfeindlichkeit
    2. Der Krieg im Kopf: völkische Paranoia und Fremdenhass
    3. Der Projektionsmechanismus
    4. Das ›Eigene‹ und die Konstruktion des ›Fremden‹
  • Der Vortrag endete mit einem Ausblick über den Umgang mit dem ›Eigenen‹ und dem/den ›Fremden‹.

Im Anschluss an den Vortrag entstand eine sehr lebhafte und ausführliche Diskussion im Plenum, in der auch politische, gesellschaftliche, mediale und pädagogische Aspekte der Problematik thematisiert wurden.

30.11.2016 Traumapädagogik - Beitrag aus der Werkstatt

Flucht. Trauma. PädagogikPsychosoziale Aspekte im Kontext von Zwangsmigration
Christoph Müller (Institut für Sonderpädagogik)

»Mit ein paar mehr DaF/DaZ-Stellen ist es nicht getan.«

Christoph Müller vom Institut für Sonderpädagogik informierte die Zuhörenden umfassend über psychosoziale Aspekte im Kontext von Zwangsmigration, wobei er verschiedene konkrete Beispiele (auch aus der eigenen Arbeit) in den theoretischen Vortrag einband, welcher sich im Kern mit zwei Themen beschäftigte:

  • Was ist ein Trauma und wie entsteht, verfestigt und äußert es sich?
  • Welche Lösungsansätze gibt es, um mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen umzugehen? Was können auch Lehrkräfte, die selbst keine ausgebildeten Therapeut_innen sind, tun, um ihre Schutzbefohlenen und auch sich selbst ein Stück weit zu entlasten?

Im Anschluss an den Vortrag war wie immer Raum für Kommentare und Fragen, den die Teilnehmenden nutzten, um sich in einer lebhaften Diskussionen zu Themen wie »Was kann der Kontakt mit traumatisierten geflüchteten Kindern und Jugendlichen bei Lehrkräften mit Flucht- oder Migrationserfahrung auslösen?« und »Wie viel von den vorgeschlagenen Maßnahmen können Lehrkräfte ohne institutionelle Unterstützung überhaupt umsetzen?« austauschten. Hierbei ist es wichtig, sich klarzumachen, welche Möglichkeiten man selbst in der aktuellen Situation hat. Die Bedeutung einzelner konkreter Bezugspersonen für die Kinder und Jugendlichen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Und auch eine veränderte Haltung und verstärkte Reflexion seitens der Lehrkräfte können von immenser Wichtigkeit sein – auch für die eigene Entlastung.

07.12.2016 65 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention - PD Dr. Eva Kalny

Menschenrechte von Geflüchteten: 65 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention
PD Dr. Eva Kalny (Institut für Soziologie)

Rechtsstaat - »Im Asylbereich funktioniert das einfach nicht.«

PD Dr. Eva Kalny vom Institut für Soziologie – Kulturanthropologin, Expertin für Menschenrechte, »alte Aktivistin« und frühere Mitarbeiterin u.a. beim UNHCR – informierte die Teilnehmenden anlässlich des nahenden Tages der Menschenrechte am 10. Dezember über die auf der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte beruhende Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) und deren Bedeutung für die aktuelle Situation – und über einen sehr aktuellen Fall von (nicht ganz) alltäglichem Behördenwahnsinn in Hannover.

  • Die Genfer Flüchtlingskonvention klärt, welche Menschen als Flüchtlinge gelten und betont, dass sie auf alle Menschen gleichermaßen anzuwenden ist. Zentrale Punkte sind die Religionsfreiheit, eine weitgehende Gleichstellung der Flüchtlinge mit der nationalen Bevölkerung im Aufnahmeland und wann eine Ausweisung nicht zulässig ist.
  • Weiterhin ging Frau Kalny auf den UNHCR und dessen Arbeit ein und präsentierte aktuelle Zahlen und Fakten zum Thema Flucht und Vertreibung.
  • Den zweiten Teil des Vortrags bildete ein Erfahrungsbericht aus dem eigenen privaten Umfeld, in welchem Frau Kalny sehr eindrücklich beschrieb, von welch massiven Problemen und Belastungen Geflüchtete betroffen sein können, wenn sie hier in Deutschland Kontakt mit den Behörden haben, und wie solche Erlebnisse zur Verfestigung von Traumata betragen können.

Der Vortrag wurde durch einen kurzen Gastbeitrag von Magdalena Wallbruch ergänzt, Teilnehmende der ersten ›Pilotwerkstatt‹ und Mitglied unserer neuen Kooperationspartnerin, der Hochschulgruppe Amnesty International, die uns von ihrer Arbeit berichtete. Während und nach dem Vortrag entstand eine Diskussion im Plenum, die sich in erster Linie um den Erfahrungsbericht drehte.

14.12.2016 Kommunikationsstörungen - Beitrag aus der Werkstatt

Kommunikationsstörungen bei mehrsprachigen Kindern mit Fluchthintergrund
Hanna Ehlert (LeibnizConnect, Institut für Sonderpädagogik & Hochschule Hildesheim [HAWK])

»Ist das noch normal oder nicht?«

Hanna Ehlert, Logopädin und Sonderpädagogin vom Projekt LeibnizConnect referierte in einem weiteren Beitrag aus der Werkstatt über Sprach- und Kommunikationsstörungen bei mehrsprachigen Kindern mit Fluchthintergrund. Nach einer kurzen Einführung über die Arbeit von LeibnizConnect ging sie näher auf den Spracherwerb im Allgemeinen, auf das Thema Mehrsprachigkeit, auf Sprachentwicklungsstörungen und auf die Zusammenhänge mit Fluchterlebnissen ein.

  • Spracherwerbsprozesse verlaufen sehr variantenreich und interindividuell unterschiedlich. Allen gemein ist das grundlegende Prinzip »vom Einfachen zum Komplexen«.
  •  Mehrsprachigkeit ist, das ist zu betonen, kein Risikofaktor für eine Sprachentwicklungsstörung. Sie kann jedoch auf vielfache Weisen deren Diagnose erschweren und so zu Fehleinschätzungen führen.
  • Von einer (Spezifischen) Sprachentwicklungsstörung (SSES) ist normalerweise »nur« die Sprache betroffen, die sonstige Entwicklung ist weitgehend unbeeinträchtigt. Die Folgen einer SSES können sehr schwerwiegend sein.
  • Bei Kindern mit Fluchthintergrund kommt zu dem ohnedies schon hoch komplexen multimodalen Bedingungsgefüge für Sprachentwicklungsstörungen die potenziell traumatische Fluchterfahrung als extremer Belastungsfaktor hinzu.
  • Abschließend ging Frau Ehlert exemplarisch auf zwei Störungen, deren Entstehen, Symptome und Therapiemöglichkeiten näher ein: den (selektiven) Mutismus und das Stottern. Außerdem gab sie Tipps, wie man im Schulunterricht mit betroffenen Kindern (generell, nicht spezifisch im Fluchtkontext) umgehen sollte, um die Therapie zu unterstützen.

Im Anschluss an den Vortrag war wie immer Raum für Nachfragen und Diskussionen. Es wurde hier etwa thematisiert, wie gut die genannten Tipps in der Unterrichtspraxis umsetzbar sind und inwieweit Mehrsprachigkeit in den Schulen angemessen berücksichtigt wird. Abschließend berichtete Frau Ehlert von Beispielen aus ihrer eigenen Tätigkeit als Logopädin und stand nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung noch für Einzelberatung zur Verfügung.

21.12.2016 Sprachbiographien - Prof. Dr. Eva-Maria Thüne

Flucht und Migration als Thema der angewandten Sprachwissenschaft.
Datenerhebung durch Sprachbiographien
Prof. Dr. Eva-Maria Thüne (Lingua e Linguistica Tedesca, Università di Bologna)
(Professur für Deutsche Sprache und Sprachwissenschaft, Universität Bologna)

»Es gibt keine Identität außerhalb von Sprache.«

Den letzten Vortrag des Jahres 2016 hielt Prof. Dr. Eva-Maria Thüne, Sprachwissenschaftlerin von der Neuphilologischen Fakultät der Universität Bologna. Unter dem Titel »Flucht und Migration als Thema der angewandten Sprachwissenschaft« präsentierte sie den Teilnehmenden Schlaglichter auf die vielgestaltigen Verknüpfungen von Emotion und Sprache, die durch authentische Audio-Aufnahmen illustriert wurden. Zentral war hierbei die Frage, wie Migration unter dem Gesichtspunkt der Sprache empfunden wird.

  • Zunächst erfolgte eine theoretische Einführung in das Thema Sprachbiographien. Bei diesem interdisziplinären Ansatz stehen narrative Interviews im Mittelpunkt, in welchen anhand von Erinnerungen, Emotionen und Einstellungen die symbolische Kraft von Sprache beleuchtet wird. Die Sprache wird hierbei als zentraler Identitätsfaktor verstanden.
  • Anschließend wurden Beispiele aus einem Korpus von Interviews mit deutschsprachigen Menschen jüdischen Glaubens besprochen, die vor dem zweiten Weltkrieg nach Israel ausgewandert waren. Bei all diesen Menschen drückt sich in ihrer Sprache, im Inhalt ihrer Aussagen, aber auch in ihren Metaphern, ein ambivalentes Verhältnis zur deutschen Sprache aus. Die Identität, ein an sich umkämpfter und umstrittener Begriff, ist eng mit der Sprache verknüpft, die sowohl als verletzend als auch als heilsam empfunden werden kann.
  • Das zweite besprochene Korpus beinhaltet Interviews mit Menschen, die in den 1960er Jahren aus Italien nach Deutschland gekommen waren. Es schlägt sich hier ein Konflikt in der Sprache nieder: Man wünscht sich, die deutsche Sprache perfekt zu beherrschen, um nicht mehr als Migrant_in erkannt zu werden, da man sich durch die Mehrheitsgesellschaft ausgegrenzt fühlt. Gleichzeitig wird die Unmöglichkeit, diese Perfektion zu erreichen, mit Resignation beantwortet.

An allen Beispielen kann man erkennen, wie Gruppenzugehörigkeiten durch Sprache(n) definiert werden und wie die verschiedenen Menschen mit Sprache im Spannungsfeld von Integration und Ausschluss umgehen. Im Anschluss an den äußerst interessanten Vortrag wurde sehr ausgiebig, engagiert und fruchtbar über Mehrsprachigkeit, Dialekte, Bildungssprache und vieles mehr diskutiert.

11.01.2017 ›Papieridentitäten‹ - Prof. Dr. Ruth Mayer

›Papieridentitäten‹. Zur chinesischen Immigrationsgeschichte in den USA, 1890-1930
Prof. Dr. Ruth Mayer (Englisches Seminar)

»Wie wird man in den USA zum Chinesen gemacht?«

Im ersten Vortrag des Jahres 2017 informierte Frau Prof. Dr. Ruth Mayer vom Englischen Seminar die Zuhörenden über ein Thema, das auf den ersten Blick nur relativ wenig mit der aktuellen Situation in Deutschland zu tun hat – bei näherem Hinsehen erweist es sich jedoch als hochgradig aktuell: Die Geschichte der (häufig illegalen) chinesischen Immigration in die Vereinigten Staaten um die Jahre 1890 bis 1930.

  • Der Vortrag beschäftigte sich mit dem Konzept der Identifizierung, einerseits als Selbstbild, andererseits aber auch als polizeiliche Feststellung der Identität über Ausweispapiere, Fingerabdrücke etc. Es wurden Kategorien von Zugehörigkeit und Ausschluss untersucht, anhand von Konzepten wie »domestic« (was sowohl die häusliche Sphäre als auch die Innenpolitik betreffen kann) und Schlüsselmetaphern wie der Nation als Familie, die ein Lagerdenken naturalisieren können.
  • Weiterhin ging Frau Prof. Mayer ausführlich auf die konkreten Geschehnisse in den USA ein, wie die Immigration der chinesischen Einwandernden vonstattenging, welche Probleme es dabei gab und welche Bilder in Amerika vorherrschten. Hierbei wurde deutlich, dass sowohl das Procedere (die Menschen – in erster Linie junge Männer –  zunächst in einem zentralen Lager unterbringen, versuchen, ihre Identität festzustellen und ihre Geschichten anhand von ausführlichen Interviews überprüfen; darauf aufbauend der Wunsch, nicht mehr auf die Sprache zur Überprüfung angewiesen zu sein) als auch die Ängste (Gefahren durch Einwandernde, mangelnde Hygiene, Kontamination durch Krankheiten, abweichende Moralvorstellungen, eine unnatürlich männlich dominierte Gesellschaft) sich heutzutage in Deutschland auf weiten Strecken wiederfinden lassen.
  • Den Vortrag beschloss eine literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit einer Kurzgeschichte einer chinesisch stämmigen Autorin, welche die Thematik auf eine andere Weise aufgreift und eine sehr bittere Perspektive auf Identitätsfindung, -zuschreibung und Verlust aufzeigt.

Im Anschluss an den Vortrag war wie immer Zeit für Fragen und Diskussionen, wobei u.a. der Wandel im Bild von asiatischen Einwanderern nach dem Zweiten Weltkrieg und die Relevanz der Thematik für unseren heutigen Kontext thematisiert wurden. Als Fazit lässt sich festhalten, dass die Diskurse aus der Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert (leider) bis heute sehr leicht aktivierbar sind.

18.01.2017 Sprachlernklassen und Sport - Beitrag aus der Werkstatt

Sprachlernklassen und Sport - gemeinsam oder getrennt?
Dr. Steffen Schiedek (Institut für Sportwissenschaft)

»Was passiert da im Sportunterricht und was müsste passieren?«

Dr. Steffen Schiedek vom Institut für Sportwissenschaft berichtete in einem weiteren Beitrag aus der Werkstatt von einer Lehrveranstaltung zu Spracherwerb und Integration durch Sportunterricht, die im Rahmen der LeibnizWerkstatt für Lehramtsstudierende des Faches Sport angeboten und in Kooperation mit verschiedenen Schulen der Region durchgeführt wird.

  • Zunächst wurden Sprachlernklassen besprochen:  Was genau ist das eigentlich, wie viele gibt es und wie sieht der Unterricht in ihnen aus? Eine besondere Herausforderung stellt die extreme Heterogenität dar, die insbesondere die Dimensionen Alter, Herkunft, Verweildauer in Deutschland, Vorkenntnisse und Schulerfahrung betrifft.
  • Eine große Hilfe kann hier die Verwendung digitaler Medien zur Visualisierung und Kommunikationsförderung sein, die ein intensiveres schülerzentriertes Arbeiten ermöglicht. In diesem Bereich könnten alle Fächer gute Anregungen finden.
  • Anschließend wurden verschiedene inklusive Konzepte vorgestellt und diskutiert, die insbesondere im Sportunterricht Anwendung finden, aber auch gut auf andere Fächer übertragbar sind.
  • Den Vortrag beschloss eine Betrachtung des Seminars »Spracherwerb und Integration durch Sprachunterricht?«, dessen Ziele, Ablauf und Ergebnisse. Das Seminar beinhaltet umfangreiche theoretische und praktische Anteile und konnte am Ende einen Katalog von Qualitätsmerkmalen für einen den Spracherwerb und die Integration fördernden (Sport-)Unterricht zusammenstellen, wobei eine zentrale Grundvoraussetzung stets eine offene und positive Einstellung der Lehrkraft ist.

Im Anschluss an den Vortrag war wie immer Zeit für Fragen und Diskussionen. Thema waren hier u.a. das (durchweg positive) Feedback der beteiligten Lehrkräfte und weitere konkrete Anknüpfungspunkte für die vorgestellten Qualitätsmerkmale.

25.01.2017 Tätigkeitsbezogene Sprachförderung - Ariane Steuber

Konzeptionelle Überlegungen zur tätigkeitsbezogenen Sprachförderung
Ariane Steuber (Leibniz School of Education & Projekt Leibniz-Prinzip)

»Die Alltagssprache ist der Ausgangspunkt für die weitere Sprachförderung.«

Ariane Steuber vom Projekt Leibniz-Prinzip stellte den Zuhörenden ihr noch im Werden begriffenes didaktisches Konzept einer tätigkeitsbezogenen Sprachförderung für Berufsschulen vor.

  • Grundsätzlich geht es Frau Steuber bei ihrer Arbeit darum, wie sich eine inklusive Sprachförderung gestalten lässt, wie die Lernausgangslagen der Lernenden ressourcen- statt defizitorientiert  beschrieben werden können, wie man praxisorientiertes berufliches Lernen und Sprachenlernen verbinden kann und wie eine möglichst individuelle Förderung ermöglicht werden kann.
  • Nach einem Überblick über die verschiedenen schulischen und außerschulischen Formen der Berufsvorbereitung in Niedersachen stellte die Referentin eine Sprachförderklasse vor, die sie im Rahmen eines Seminars mit Studierenden besucht und begleitet hat.
  • Eine besondere Herausforderung in der Arbeit mit jungen Lernenden ist die Vermittlung der für Schule und Beruf notwendigen Bildungs- und Fachsprache. Die Berufspädagogin erläuterte in diesem Zusammenhang die Grundlagen dieses Konzepts anhand eines Beispieltexts aus einem Schulbuch und weiterer berufsbezogener Beispiele.
  • Im Anschluss wurde näher auf Möglichkeiten der Förderung eingegangen und die Umsetzung des Prinzips im Seminar vorgestellt.
  • Abschließend warf die Vortragende einen erweiterten Blick auf Sprachkompetenzen und Möglichkeiten der Sprachförderung, wobei sie sich mit dem (Sprach-)Lernen in Praxisgemeinschaften, einem arbeits- bzw. tätigkeitsbezogenen (Sprach-)Lernen und sprachpsychologischen Aspekten befasste und verschiedene theoretische Ansätze vorstellte.

Nach dem Vortrag war wieder Zeit für Fragen, Kommentare und Ideen. Es wurde lange und angeregt diskutiert, u.a. über die bislang unzureichende DaZ-Ausbildung von Berufsschullehrkräften, den ressourcenorientierten Umgang mit heterogenen Gruppen, die Rolle des Frontalunterrichts und Kernaspekte der Alphabetisierung, die auch bei vielen Lernenden in Berufsvorbereitungsklassen ein wichtiges Thema ist.

01.02.2017 Schreiben in der Fremdsprache - Beitrag aus der Werkstatt

Schreiben in der Fremdsprache bzw. Zweitsprache 
Ketevan Zhorzholiani (Projekt LeibnizWerkstatt & ISK Hannover)

»Was in der Erstsprache nicht ausgebildet ist, ist schwierig in der Zweitsprache auszubilden.«

Ketevan Zhorzholiani, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt LeibnizWerkstatt, gab den Zuhörenden einen detaillierten Einblick in Theorie und Praxis einer besonderen Herausforderung beim Erlernen einer Zweit- oder Fremdsprache: Das selbstständige Verfassen zusammenhängender Texte.

  • Zunächst wurde der theoretische Rahmen eröffnet: Frau Zhorzholiani erläuterte die jeweiligen Charakteristika von Erstsprache, Zweitsprache und Fremdsprache, die vier Grundfertigkeiten von Sprache (das Hören, das Sprechen, das Lesen und das Schreiben), sowie die medialen und konzeptionellen Unterschiede von Mündlichkeit und Schriftlichkeit.
  • Anschließend wurde ein Modell des Schreibprozesses in der Erstsprache vorgestellt und dieses auf die Zweitsprache übertragen. Der Schreibprozess gliedert sich generell in die Phasen der Planung, Formulierung und Überarbeitung. In der Fremd- oder Zweitsprache kommt hier als besondere Herausforderung hinzu, dass die in der Erstsprache gemachten Überlegungen adäquat in die Zielsprache überführt werden müssen.
  • Weiterhin wurde besprochen, in welchen Teilschritten sich die Schreibkompetenz aufbaut. In einem mehrgliedrigen Entwicklungsprozess entwickelt sich die Sprache weg von einer Ich-Zentrierung über Orientierung an Thema und Text bis hin zu adressatenorientiertem Schreiben.
  • Abschließend wurde ein authentisches Beispiel aus einer TestDaF-Prüfungssimulation untersucht und besprochen, was den Zuhörenden die große Herausforderung des Schreibens noch einmal deutlich vor Augen führte.

Der Vortrag mündete in eine angeregte Diskussion, u.a. über den untersuchten Text, Alphabetisierung und Schreibunterricht im Allgemeinen und die Frage, was eigentlich in den verschiedenen Ländern als »guter Text« gilt. Zudem hatte Frau Zhorzholiani wie immer viele praktische Tipps für die Teilnehmenden auf Lager.