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Vortragsreihe zur Vernetzung und Vertiefung

Symbolbild »mittwochs um vier«

Seit dem Sommersemester 2016 bietet die LeibnizWerkstatt eine neue Veranstaltungsreihe an. »mittwochs um vier« richtete sich an Interessierte und Engagierte innerhalb und außerhalb der Universität. Die Reihe fand im Raum 103 im Conti-Hochhaus (Gebäude 1502) am Königsworther Platz 1 statt.

Referent_innen aus folgenden Institutionen waren eingeladen: Arbeitsstelle DiversitAS, Deutsches Seminar, Institut für Sonderpädagogik, Institut für Soziologie, Verein kargah e.V., Refugee Law Clinic Hannover e.V. und Schweizer Institut für Psychotraumatologie. 

Diese Veranstaltung stand allen offen, denn die Teilnahme bedurfte keiner Anmeldung. Gelungen war ein Austausch unter Erfahrenen und Einsatzwilligen, die sich für Geflüchtete engagieren und sich rund um die Themen Zwangsmigration, Traumapädagogik und Sprachunterstützung informieren wollten.

Die Vortragsreihe erfreute sich großer Beliebtheit und wird fortgesetzt. Auf dieser Seite finden Sie die Resümees von allen Vorträgen. Informationen zu den Vortragenden sowie die Abstracts sind den Angaben zu Beitragenden zu entnehmen.

  • Teilnehmende der Vortragsreihe »mittwochs um vier«

    Teilnehmende der Vortragsreihe »mittwochs um vier«

  • Jun. Prof. David Zimmermann referiert zum Thema Trauma

    Jun. Prof. David Zimmermann

  • Mirko Widdascheck (Refugee Law Clinic Hannover e.V.): Einführung in das Asylrecht

    Mirko Widdascheck (Refugee Law Clinic Hannover e.V.): Einführung in das Asylrecht

  • Vortrag zu kargah e.V.

    Vortrag zu kargah e.V.

  • Marianne Herzog: Der ›sichere Ort‹

    Marianne Herzog: Der ›sichere Ort‹

  • Marianne Herzog: Der ›sichere Ort‹

    Marianne Herzog: Der ›sichere Ort‹

  • Irmhild Schrader: Bilder und Stereotypen

    Irmhild Schrader: Bilder und Stereotypen

  • Teilnehmende der Vortragsreihe »mittwochs um vier«

    Teilnehmende der Vortragsreihe »mittwochs um vier«

  • Prof. Dr. Hans Bickes: Durchgängige Sprachbildung

    Prof. Dr. Hans Bickes: Durchgängige Sprachbildung

  • Prof. Dr. Hans Bickes: Durchgängige Sprachbildung

    Prof. Dr. Hans Bickes: Durchgängige Sprachbildung

Termine

Universitätsinterne und -externe Gastvortragende

13.04.2016 Verstehen und Handeln - JProf. Dr. David Zimmermann

Verstehen und Handeln am Sicheren Ort.
Pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Jun. Prof. Dr. David Zimmermann (Institut für Sonderpädagogik)

Den Auftakt der Vortragsreihe »mittwochs um vier« machte Jun. Prof. Dr. David Zimmermann vom Institut für Sonderpädagogik mit seinem Vortrag zur Traumapädagogik.

Die Anwesenden wurden umfassend über Traumatisierung im Fluchtkontext informiert:

  • wie entsteht ein Trauma,
  • auf welche Weisen kann es sich äußern,
  • welche Probleme kann es mit sich bringen und
  • was ist wichtig im Umgang mit traumatisierten Menschen generell und insbesondere mit Kindern und Jugendlichen?

Zentral ist hierbei die Erkenntnis, dass Kern des Traumas eine gestörte Beziehungserfahrung ist, die es mit Empathie und Verlässlichkeit zu korrigieren gilt. Die Zeit nach dem Vortrag wurde für Nachfragen an den Vortragenden und für Vernetzung zwischen den Teilnehmenden genutzt.

20.04.2016 Asylrecht - Mirko Widdascheck

Einführung in das Asylrecht
Mirko Widdascheck (Refugee Law Clinic Hannover e.V.)

Die umfassende und auch für Nicht-Jurist_innen verständliche Einführung in das Asylrecht hatte insbesondere folgende Themen zum Fokus:

  • Aktuelle Zahlen und Fakten,
  • der konkrete Ablauf des Asylverfahrens von der Registrierung bis zur Anhörung,
  • und die verschiedenen möglichen Ergebnisse (Anerkennung, Ablehnung, Duldung u.a.). 

Besonderes Augenmerk lag auf der Frage, welche Fragen und Probleme uns bei der Flüchtlingsarbeit begegnen (können), und wie mit diesen umzugehen ist. Konkret wurde beispielsweise erläutert, wie auf eine Ablehnung des Asylgesuchs zu reagieren wäre.

Zudem wurden die RLC und ihre Angebote vorgestellt. Berichte aus der Praxis rundeten das Bild ab. Rege Nachfragen, Ergänzungen und Diskussionen während des Vortrags zeigten das große Interesse der Teilnehmenden an dieser Thematik.

27.04.2016 Flüchtlingswohnheime - Dr. Peyman Javaher-Haghighi

Ein Verein und sein Engagement: Sprachangebote in Flüchtlingswohnheimen
Dr. Peyman Javaher-Haghighi (kargah e.V.)

Selbst im Jahr 1984 als politisch Verfolgter aus dem Iran geflohen stellte Dr. Peyman Javaher-Haghighi den interkulturellen Verein kargah e.V. und dessen Arbeit vor:

  • Der Verein kargah ist auf vielfältige Weise in den Bereichen Bildung (insbesondere Sprachkurse), Beratung, Kultur und Begegnung und Stadtteilarbeit engagiert.
  • Anhand eines kurzen Crashkurses in Persisch demonstrierte ein Experiment aus der Praxis den Teilnehmenden anschaulich, wie sich ein einsprachiger Sprachkurs anfühlt.
  • Ein weiteres Thema war die aktuelle Situation in Flüchtlingsunterkünften und inwieweit Sprachunterricht in diesem Kontext möglich ist.
  • Der Vortrag wurde durch praktische Tipps für den Umgang mit Geflüchteten abgerundet. 

Die Kombination aus konkreten Informationen, Erfahrungsberichten und praktischen Tipps machte den Vortrag sehr interessant und fruchtbar für die Planung eigener Aktivitäten. Die intensive Erfahrung der kurzen Einheit in Persisch gab zudem wichtige Denkanstöße.

04.05.2016 Sprachunterricht planen - Tina Otten

Sprachunterricht planen
Tina Otten (Deutsches Seminar)

Tina Otten, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Deutschen Seminars, brachte den Zuhörenden übersichtlich und praxisbezogen nahe, wie man Sprachunterricht im Allgemeinen plant und welche Besonderheiten es bei der Planung von Unterricht mit Geflüchteten zu berücksichtigen gilt:

  • Neben allgemeinen Bedingungen wie der Ausstattung des Raumes ist bedeutsam, welche Vorkenntnisse und Interessen die Gruppe hat. Wichtig ist zudem ein Grundwissen über die Herkunftssprachen der Teilnehmenden.
  • Lernziele sind möglichst konkret zu halten, wichtig ist der Lebensweltbezug: Einkaufen und nach dem Weg fragen können sind wichtiger als ein umfassender Überblick über verschiedene Arten von Marmelade und wie man diese herstellt. 
  • Außerschulischer Unterricht hat großes Potenzial, sowohl für den Lerneffekt als auch für die Beziehungsebene.
  • Vorausplanung des Ablaufs ist hilfreich und wichtig – man muss aber auch flexibel und offen für die Bedürfnisse der Teilnehmenden sein.

Nach dem Vortrag entstand eine angeregte Diskussion zwischen Zuhörenden und der Vortragenden; es folgte ein Austausch über Praxiserfahrungen, Probleme und Lösungen.

25.05.2016 Der ›sichere Ort‹: Traumapädagogik - Marianne Herzog

Der ›sichere Ort: Traumapädagogik aus der Praxis für die Praxis
Marianne Herzog (Schweizer Institut für Psychotraumatologie)

Wenn die Echse regiert, ist die Vernunft ausgeschaltet

In einem außerordentlich interessanten, anschaulichen und praxisnahen Vortrag brachte uns Marianne Herzog Kernaspekte der Traumapädagogik nahe:

  • Was ist ein seelisches Trauma, wie entsteht es und was passiert dabei im Gehirn?
  • Wie entstehen Übertragungsphänomene, was passiert dabei konkret und wie kann ich ihnen entgegenwirken?
  • Der ›sichere Ort‹ als Hilfe, mit traumatischen Erlebnissen umzugehen – wie kann ich Sicherheit herstellen, vermitteln und dauerhaft aufrechterhalten?

Das Wissen darum, was im Gehirn passiert, wenn nicht mehr die Vernunft regiert, kann uns dabei helfen, Traumatisierte besser zu verstehen und ihnen angemessener zu begegnen. Hierbei ist wichtig, zu beachten, dass Traumatisierte sich aus ihrer Perspektive aus völlig »normal« verhalten und sie gar nicht anders können – Trauma, Angst und Panik sind kognitiven Zugängen versperrt. Daher ist in diesem Zusammenhang auch eine Verhaltenstherapie kontraproduktiv, da sie Scham auslösen und so verhindern kann, dass die traumatischen Ereignisse verarbeitet werden. Gleichzeitig müssen wir stets bemüht sein, Übertragungen zu meiden und in unserem Selbst zu ruhen. Nur so können wir uns sicher fühlen und nur so können wir unsererseits Anderen die nötige Sicherheit bieten.

Der Vortrag wurde durch Hinweise auf hilfreiches Material (Videos, Bücher, Musik) ergänzt und endete mit einem angeregten Austausch zwischen Vortragender und Teilnehmenden.

15.06.2016 Flucht und Vertreibung - PD Dr. Eva Kalny

Flucht und Vertreibung – eine intersektionale Perspektive
PD Dr. Eva Kalny (Institut für Soziologie)

Die Menschenrechtlerin und Ethnologin Eva Kalny beleuchtete die Themen Flucht und Vertreibung aus einer etwas anderen Perspektive heraus, als es derzeit üblicherweise geschieht: Sie brachte uns das Konzept der Intersektionalität anhand von Fallbeispielen aus Guatemala, Österreich und Deutschland nahe, um die Zuhörenden für strukturelle Probleme im Zusammenhang mit Diskriminierung zu sensibilisieren:

  • Der Begriff »Intersektionalität« ist vom englischen Wort »intersection« (Kreuzung) abgeleitet. Das Konzept ist in der feministischen Theorie beheimatet und wurde insbesondere durch die amerikanische Juristin Kimberlé Crenshaw propagiert. Es geht hierbei darum, dass in diskriminierenden Strukturen oft mehrere Einflussfaktoren eine Rolle spielen und ihre ganze Wirkungsmacht erst im Zusammenspiel entfalten. So können beispielsweise Geschlecht, Ethnizität und sozioökonomischer Status gemeinsam dafür sorgen, dass ein Mensch diskriminiert wird. Wenn nur eine dieser Dimensionen betrachtet wird, werden also bedeutsame Einflüsse ausgeblendet.
  • Im Anschluss an die theoretische Einleitung berichtete Frau Dr. Kalny von ihrer eigenen Forschungsarbeit in Guatemala, was insbesondere durch viele Fotos und Karten sehr anschaulich und eindrücklich war.
  • Den Abschluss des Vortrags bildeten Eindrücke und Erfahrungen der Vortragenden aus Österreich und Deutschland.

Nach dem Vortrag entstand (neben interessierten Nachfragen zum Thema Guatemala) eine angeregte Diskussion zwischen Vortragender und Teilnehmenden zu Fragen wie »Warum will man zurückkehren?« und »Was können wir für ‚unsere‘ Geflüchteten tun?«.

22.06.2016 Bilder und Stereotypen - Irmhild Schrader

Bilder und Stereotypen: Was weiß-denke-fühle ich eigentlich?
Irmhild Schrader (Arbeitsstelle DiversitAS Diversität-Migration-Bildung)

Thema der Werkstatt waren Bilder, Stereotypen und Motive der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit (kurz EFA).

  • Den theoretischen Rahmen bildeten die folgenden Grundsätze: Erstens: EFA ist politisch, und zwar auf zwischenmenschlicher sowie institutioneller Ebene und im gesellschaftlichen Diskurs. Zweitens: Jede_r hat eigene Motive und Bilder. Diese speisen sich aus unterschiedlichen Quellen und wirken sowohl auf uns als auch nach außen. Und drittens: Auch die Position der Geflüchteten ist wichtig; sie wird ebenfalls zwischenmenschlich, institutionell und im gesellschaftlichen Kontext wirksam.
  • Auf eine Vorstellungsrunde, in der die Tätigkeiten, Ansätze und (ggf. politischen) Motivationen der Teilnehmenden erfragt wurden, folgte die Vorstellung der Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Studie zur ehrenamtlichen Arbeit. Insbesondere ging es um die Fragen »Wer sind die Ehrenamtlichen?«, »Was tun sie?« und »Was treibt sie an?«. Zu letzterem wurden zunächst Ideen im Plenum gesammelt und anschließend mit den Ergebnissen der Studie verglichen; beides stellte sich als weitgehend deckungsgleich heraus.
  • Den zweiten Teil der Werkstatt bildete eine längere Reflexionsrunde, bei welcher die Teilnehmenden in Paaren ihre eigenen Erfahrungen und Gedanken diskutierten. Abschließend wurden die Ergebnisse im Plenum mit den anderen Teilnehmenden geteilt, wobei teils sehr persönliche Erfahrungen und Einsichten zu Tage traten.

Als Fazit der verschiedenen Diskussionen in der Runde kann man festhalten, dass Geflüchtete derzeit leider häufig als »Kristallisationspunkt für das, was sowieso schiefläuft« herhalten müssen und dass eine Politisierung der Debatte unausweichlich ist.

29.06.2016 Durchgängige Sprachbildung - Prof. Dr. Hans Bickes

Durchgängige Sprachbildung
Prof. Dr. Hans Bickes (Deutsches Seminar)

Zum Abschluss des Sommersemesters 2016 informierte uns Prof. Dr. Hans Bickes vom Deutschen Seminar über »durchgängige Sprachbildung«. Dieses Thema ist zwar nicht für den Anfangsunterricht bei Erwachsenen in Flüchtlingsunterkünften relevant, dafür aber umso wichtiger für Lehrkräfte in weiterführenden Schulen.

  • Den Einstieg in den Vortrag bildeten Ausführungen zum bildungspolitischen Hintergrund, zu Zahlen und Fakten und zu den Defiziten des deutschen Schulsystems, die eine große Chancenungleichheit bedingen.
  • Mit fortschreitender Schulzeit werden Kinder und Jugendliche vor eine neue Herausforderung gestellt: Zunehmend werden im Unterricht Bildungs- und Fachsprache verwendet, was sowohl Erstsprachler_innen als auch DaZ-Lernende vor große Herausforderungen stellt. So ist es oft nicht einfach zu erkennen, ob bei den Lernenden sprachliche oder fachliche Probleme vorliegen.
  • Bildungs- und Fachsprache zeichnen sich durch eine im Vergleich zur Alltagsprache erhöhte inhaltliche sowie sprachliche Komplexität und Abstraktheit aus. Informationen werden stark verdichtet dargestellt, und es werden vermehrt Fachtermini verwendet. So stellt die Bildungssprache eine Hürde für den Bildungserfolg dar, denn neben der Sache an sich muss stets auch die »Sprache zur Sache« gelernt werden.

Wichtig ist zudem, Lehrkräfte gerade auch in den weniger »sprachlastigen« Fächern wie Mathematik und Naturwissenschaften für diese Problematik zu sensibilisieren und ihnen Lösungsansätze an die Hand zu geben. Glücklicherweise wird die Thematik zunehmend nicht nur in der universitären Lehre, sondern auch in aktuellen Lehrwerken berücksichtigt. Abschließend wurde näher auf bislang bestehende Forschung und Projekte zu durchgängiger Sprachbildung und Bildungssprache eingegangen.

Universitätsinterne und -externe Gastvortragende

13.04.2016 Verstehen und Handeln - JProf. Dr. David Zimmermann

Verstehen und Handeln am Sicheren Ort.
Pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Jun. Prof. Dr. David Zimmermann (Institut für Sonderpädagogik)

Den Auftakt der Vortragsreihe »mittwochs um vier« machte Jun. Prof. Dr. David Zimmermann vom Institut für Sonderpädagogik mit seinem Vortrag zur Traumapädagogik.

Die Anwesenden wurden umfassend über Traumatisierung im Fluchtkontext informiert:

  • wie entsteht ein Trauma,
  • auf welche Weisen kann es sich äußern,
  • welche Probleme kann es mit sich bringen und
  • was ist wichtig im Umgang mit traumatisierten Menschen generell und insbesondere mit Kindern und Jugendlichen?

Zentral ist hierbei die Erkenntnis, dass Kern des Traumas eine gestörte Beziehungserfahrung ist, die es mit Empathie und Verlässlichkeit zu korrigieren gilt. Die Zeit nach dem Vortrag wurde für Nachfragen an den Vortragenden und für Vernetzung zwischen den Teilnehmenden genutzt.

20.04.2016 Asylrecht - Mirko Widdascheck

Einführung in das Asylrecht
Mirko Widdascheck (Refugee Law Clinic Hannover e.V.)

Die umfassende und auch für Nicht-Jurist_innen verständliche Einführung in das Asylrecht hatte insbesondere folgende Themen zum Fokus:

  • Aktuelle Zahlen und Fakten,
  • der konkrete Ablauf des Asylverfahrens von der Registrierung bis zur Anhörung,
  • und die verschiedenen möglichen Ergebnisse (Anerkennung, Ablehnung, Duldung u.a.). 

Besonderes Augenmerk lag auf der Frage, welche Fragen und Probleme uns bei der Flüchtlingsarbeit begegnen (können), und wie mit diesen umzugehen ist. Konkret wurde beispielsweise erläutert, wie auf eine Ablehnung des Asylgesuchs zu reagieren wäre.

Zudem wurden die RLC und ihre Angebote vorgestellt. Berichte aus der Praxis rundeten das Bild ab. Rege Nachfragen, Ergänzungen und Diskussionen während des Vortrags zeigten das große Interesse der Teilnehmenden an dieser Thematik.

27.04.2016 Flüchtlingswohnheime - Dr. Peyman Javaher-Haghighi

Ein Verein und sein Engagement: Sprachangebote in Flüchtlingswohnheimen
Dr. Peyman Javaher-Haghighi (kargah e.V.)

Selbst im Jahr 1984 als politisch Verfolgter aus dem Iran geflohen stellte Dr. Peyman Javaher-Haghighi den interkulturellen Verein kargah e.V. und dessen Arbeit vor:

  • Der Verein kargah ist auf vielfältige Weise in den Bereichen Bildung (insbesondere Sprachkurse), Beratung, Kultur und Begegnung und Stadtteilarbeit engagiert.
  • Anhand eines kurzen Crashkurses in Persisch demonstrierte ein Experiment aus der Praxis den Teilnehmenden anschaulich, wie sich ein einsprachiger Sprachkurs anfühlt.
  • Ein weiteres Thema war die aktuelle Situation in Flüchtlingsunterkünften und inwieweit Sprachunterricht in diesem Kontext möglich ist.
  • Der Vortrag wurde durch praktische Tipps für den Umgang mit Geflüchteten abgerundet. 

Die Kombination aus konkreten Informationen, Erfahrungsberichten und praktischen Tipps machte den Vortrag sehr interessant und fruchtbar für die Planung eigener Aktivitäten. Die intensive Erfahrung der kurzen Einheit in Persisch gab zudem wichtige Denkanstöße.

04.05.2016 Sprachunterricht planen - Tina Otten

Sprachunterricht planen
Tina Otten (Deutsches Seminar)

Tina Otten, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Deutschen Seminars, brachte den Zuhörenden übersichtlich und praxisbezogen nahe, wie man Sprachunterricht im Allgemeinen plant und welche Besonderheiten es bei der Planung von Unterricht mit Geflüchteten zu berücksichtigen gilt:

  • Neben allgemeinen Bedingungen wie der Ausstattung des Raumes ist bedeutsam, welche Vorkenntnisse und Interessen die Gruppe hat. Wichtig ist zudem ein Grundwissen über die Herkunftssprachen der Teilnehmenden.
  • Lernziele sind möglichst konkret zu halten, wichtig ist der Lebensweltbezug: Einkaufen und nach dem Weg fragen können sind wichtiger als ein umfassender Überblick über verschiedene Arten von Marmelade und wie man diese herstellt. 
  • Außerschulischer Unterricht hat großes Potenzial, sowohl für den Lerneffekt als auch für die Beziehungsebene.
  • Vorausplanung des Ablaufs ist hilfreich und wichtig – man muss aber auch flexibel und offen für die Bedürfnisse der Teilnehmenden sein.

Nach dem Vortrag entstand eine angeregte Diskussion zwischen Zuhörenden und der Vortragenden; es folgte ein Austausch über Praxiserfahrungen, Probleme und Lösungen.

25.05.2016 Der ›sichere Ort‹: Traumapädagogik - Marianne Herzog

Der ›sichere Ort: Traumapädagogik aus der Praxis für die Praxis
Marianne Herzog (Schweizer Institut für Psychotraumatologie)

Wenn die Echse regiert, ist die Vernunft ausgeschaltet

In einem außerordentlich interessanten, anschaulichen und praxisnahen Vortrag brachte uns Marianne Herzog Kernaspekte der Traumapädagogik nahe:

  • Was ist ein seelisches Trauma, wie entsteht es und was passiert dabei im Gehirn?
  • Wie entstehen Übertragungsphänomene, was passiert dabei konkret und wie kann ich ihnen entgegenwirken?
  • Der ›sichere Ort‹ als Hilfe, mit traumatischen Erlebnissen umzugehen – wie kann ich Sicherheit herstellen, vermitteln und dauerhaft aufrechterhalten?

Das Wissen darum, was im Gehirn passiert, wenn nicht mehr die Vernunft regiert, kann uns dabei helfen, Traumatisierte besser zu verstehen und ihnen angemessener zu begegnen. Hierbei ist wichtig, zu beachten, dass Traumatisierte sich aus ihrer Perspektive aus völlig »normal« verhalten und sie gar nicht anders können – Trauma, Angst und Panik sind kognitiven Zugängen versperrt. Daher ist in diesem Zusammenhang auch eine Verhaltenstherapie kontraproduktiv, da sie Scham auslösen und so verhindern kann, dass die traumatischen Ereignisse verarbeitet werden. Gleichzeitig müssen wir stets bemüht sein, Übertragungen zu meiden und in unserem Selbst zu ruhen. Nur so können wir uns sicher fühlen und nur so können wir unsererseits Anderen die nötige Sicherheit bieten.

Der Vortrag wurde durch Hinweise auf hilfreiches Material (Videos, Bücher, Musik) ergänzt und endete mit einem angeregten Austausch zwischen Vortragender und Teilnehmenden.

15.06.2016 Flucht und Vertreibung - PD Dr. Eva Kalny

Flucht und Vertreibung – eine intersektionale Perspektive
PD Dr. Eva Kalny (Institut für Soziologie)

Die Menschenrechtlerin und Ethnologin Eva Kalny beleuchtete die Themen Flucht und Vertreibung aus einer etwas anderen Perspektive heraus, als es derzeit üblicherweise geschieht: Sie brachte uns das Konzept der Intersektionalität anhand von Fallbeispielen aus Guatemala, Österreich und Deutschland nahe, um die Zuhörenden für strukturelle Probleme im Zusammenhang mit Diskriminierung zu sensibilisieren:

  • Der Begriff »Intersektionalität« ist vom englischen Wort »intersection« (Kreuzung) abgeleitet. Das Konzept ist in der feministischen Theorie beheimatet und wurde insbesondere durch die amerikanische Juristin Kimberlé Crenshaw propagiert. Es geht hierbei darum, dass in diskriminierenden Strukturen oft mehrere Einflussfaktoren eine Rolle spielen und ihre ganze Wirkungsmacht erst im Zusammenspiel entfalten. So können beispielsweise Geschlecht, Ethnizität und sozioökonomischer Status gemeinsam dafür sorgen, dass ein Mensch diskriminiert wird. Wenn nur eine dieser Dimensionen betrachtet wird, werden also bedeutsame Einflüsse ausgeblendet.
  • Im Anschluss an die theoretische Einleitung berichtete Frau Dr. Kalny von ihrer eigenen Forschungsarbeit in Guatemala, was insbesondere durch viele Fotos und Karten sehr anschaulich und eindrücklich war.
  • Den Abschluss des Vortrags bildeten Eindrücke und Erfahrungen der Vortragenden aus Österreich und Deutschland.

Nach dem Vortrag entstand (neben interessierten Nachfragen zum Thema Guatemala) eine angeregte Diskussion zwischen Vortragender und Teilnehmenden zu Fragen wie »Warum will man zurückkehren?« und »Was können wir für ‚unsere‘ Geflüchteten tun?«.

22.06.2016 Bilder und Stereotypen - Irmhild Schrader

Bilder und Stereotypen: Was weiß-denke-fühle ich eigentlich?
Irmhild Schrader (Arbeitsstelle DiversitAS Diversität-Migration-Bildung)

Thema der Werkstatt waren Bilder, Stereotypen und Motive der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit (kurz EFA).

  • Den theoretischen Rahmen bildeten die folgenden Grundsätze: Erstens: EFA ist politisch, und zwar auf zwischenmenschlicher sowie institutioneller Ebene und im gesellschaftlichen Diskurs. Zweitens: Jede_r hat eigene Motive und Bilder. Diese speisen sich aus unterschiedlichen Quellen und wirken sowohl auf uns als auch nach außen. Und drittens: Auch die Position der Geflüchteten ist wichtig; sie wird ebenfalls zwischenmenschlich, institutionell und im gesellschaftlichen Kontext wirksam.
  • Auf eine Vorstellungsrunde, in der die Tätigkeiten, Ansätze und (ggf. politischen) Motivationen der Teilnehmenden erfragt wurden, folgte die Vorstellung der Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Studie zur ehrenamtlichen Arbeit. Insbesondere ging es um die Fragen »Wer sind die Ehrenamtlichen?«, »Was tun sie?« und »Was treibt sie an?«. Zu letzterem wurden zunächst Ideen im Plenum gesammelt und anschließend mit den Ergebnissen der Studie verglichen; beides stellte sich als weitgehend deckungsgleich heraus.
  • Den zweiten Teil der Werkstatt bildete eine längere Reflexionsrunde, bei welcher die Teilnehmenden in Paaren ihre eigenen Erfahrungen und Gedanken diskutierten. Abschließend wurden die Ergebnisse im Plenum mit den anderen Teilnehmenden geteilt, wobei teils sehr persönliche Erfahrungen und Einsichten zu Tage traten.

Als Fazit der verschiedenen Diskussionen in der Runde kann man festhalten, dass Geflüchtete derzeit leider häufig als »Kristallisationspunkt für das, was sowieso schiefläuft« herhalten müssen und dass eine Politisierung der Debatte unausweichlich ist.

29.06.2016 Durchgängige Sprachbildung - Prof. Dr. Hans Bickes

Durchgängige Sprachbildung
Prof. Dr. Hans Bickes (Deutsches Seminar)

Zum Abschluss des Sommersemesters 2016 informierte uns Prof. Dr. Hans Bickes vom Deutschen Seminar über »durchgängige Sprachbildung«. Dieses Thema ist zwar nicht für den Anfangsunterricht bei Erwachsenen in Flüchtlingsunterkünften relevant, dafür aber umso wichtiger für Lehrkräfte in weiterführenden Schulen.

  • Den Einstieg in den Vortrag bildeten Ausführungen zum bildungspolitischen Hintergrund, zu Zahlen und Fakten und zu den Defiziten des deutschen Schulsystems, die eine große Chancenungleichheit bedingen.
  • Mit fortschreitender Schulzeit werden Kinder und Jugendliche vor eine neue Herausforderung gestellt: Zunehmend werden im Unterricht Bildungs- und Fachsprache verwendet, was sowohl Erstsprachler_innen als auch DaZ-Lernende vor große Herausforderungen stellt. So ist es oft nicht einfach zu erkennen, ob bei den Lernenden sprachliche oder fachliche Probleme vorliegen.
  • Bildungs- und Fachsprache zeichnen sich durch eine im Vergleich zur Alltagsprache erhöhte inhaltliche sowie sprachliche Komplexität und Abstraktheit aus. Informationen werden stark verdichtet dargestellt, und es werden vermehrt Fachtermini verwendet. So stellt die Bildungssprache eine Hürde für den Bildungserfolg dar, denn neben der Sache an sich muss stets auch die »Sprache zur Sache« gelernt werden.

Wichtig ist zudem, Lehrkräfte gerade auch in den weniger »sprachlastigen« Fächern wie Mathematik und Naturwissenschaften für diese Problematik zu sensibilisieren und ihnen Lösungsansätze an die Hand zu geben. Glücklicherweise wird die Thematik zunehmend nicht nur in der universitären Lehre, sondern auch in aktuellen Lehrwerken berücksichtigt. Abschließend wurde näher auf bislang bestehende Forschung und Projekte zu durchgängiger Sprachbildung und Bildungssprache eingegangen.