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Sprachen und Migration

Das Team der LeibnizWerkstatt
Das multilinguale Team mit Sprachen- und Migrationserfahrung

Die erste Säule der LeibnizWerkstatt ist die Schnittstelle Sprachen und Migration sowie Sprachen in der Migration. Es geht auf der Ebene der Theorie und der Haltung um den Umgang mit Sprachen, den Erwerb der (neuen) Umgebungssprache Deutsch, die Wertschätzung, die Aufbewahrung und gegebenenfalls den Verlust der mitgebrachten Sprachen.

In ihren vielfältigen Angeboten liegt der praxisnahe Schwerpunkt des Projektes auf der Vermittlung von Grundlagen des Deutschen als Fremd- bzw. Zweitsprache unter Berücksichtigung von Mehrsprachigkeit und Mehrschriftlichkeit. Neben Vorträgen und Workshops zu Mehrsprachigkeit, Sprachkursen und Sprachunterricht im Allgemeinen sowie zur konkreten Unterrichtsplanung werden in diesem Block auch verschiedene Lehrwerke vorgestellt und besprochen.

Beitragende

Die Beitragenden zur Schnittstelle Sprache und Migration sind:

  • Dr. Ina Baumann, Niedersächsische Landesschulbehörde
  • Dr. Christine Bickes, Deutsches Seminar
  • Prof. Dr. Hans Bickes, Deutsches Seminar
  • Petra Brandes, kargah e.V.
  • Dr. Alexis Feldmeier García, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
  • Prof. Dr. Joachim Grabowski, Institut für Pädagogische Psychologie
  • Dr. Peyman Javaher-Hagighi, kargah e.V.
  • Prof. Dr. Marijana Kresić, Universität Zadar, Kroatien
  • Prof. Dr. Ruth Mayer, Englisches Seminar
  • Wolfgang Mennecke, Fachsprachenzentrum
  • Radhika Natarajan, Projekt LeibnizWerkstatt
  • Tina Otten, Deutsches Seminar
  • Prof. Dr. John Peterson, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
  • Söhnke Post, Hannah-Arendt-Gymnasium Barsinghausen & Deutsches Seminar
  • Dr. Steffen Schiedek, Institut für Sportwissenschaft
  • Ariane Steuber, Projekt Leibniz-Prinzip
  • Prof. Dr. Eva-Maria Thüne, Univeristät Bologna, Italien
  • Ketevan Zhorzholiani, Projekt LeibnizWerkstatt
  • Beiträge aus der Werkstatt: Anna-Katharina Dehmann, Marie Hoch, Tina Krohn, Marius Müller, Melanie Schiemann, Siham Schotemeier

Alphabetisierung in Deutsch als Zweitsprache - Dr. Alexis Feldmeier García

Alphabetisierung in Deutsch als Zweitsprache

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, WiSe 2017/2018

Im Vortrag werden grundlegende Überlegungen zur Förderung schriftsprachlicher Kompetenzen neu zugewanderter Lernenden besprochen. Es wird auf die Arbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen eingegangen. Ein kurzer Einblick in methodische Zugänge zur Schrift wird gegeben und anhand Lehrwerksbeispiele veranschaulicht.

Zur Person

Dr. Alexis Feldmeier García studierte und promovierte im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache an der Universität Bielefeld. Seit 2011 ist er an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in der Deutschlehrerausbildung (Sprachdidaktik) tätig. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Didaktik zur Alphabetisierung von Menschen mit Migrationshintergrund und in der Förderung von Lernendenautonomie.

Anerkennende Sichtbarkeit & unterstützende Sprachangebote - Radhika Natarajan

(a) Anerkennende Sichtbarkeit: Flüchtlingsfrauen als ehrenamtlich Handelnde

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, SoSe 2017

Der einseitige Blick auf die mehrfache Unterdrückung einer Flüchtlingsfrau verschleiert unwillentlich deren Handlungsfähigkeit. Ihre Bemühungen und die Aushandlungsprozesse mit ihrem sozialen Umfeld in der je konkreten Situation bleiben oft verdeckt. Wahrgenommen werden Fluchtmigrierte als Empfänger_innen von Sozialarbeit und -leistungen doch kaum als Initiative Ergreifende. Laut eigener Interviewerhebungen können etliche Frauen durch ehrenamtliches Engagement offenbar neue Handlungsräume schaffen und gestalten. Die damit verbundene Erfahrung einer sichtbaren Anerkennung und einer anerkennenden Sichtbarkeit trägt als ein wichtiger Ansporn zum fortwährenden freiwilligen Engagement bei. Diesen in der Forschung oft übersehenen Aspekt von Flüchtlingsfrauen als Handelnden und zwar ehrenamtlich Handelnden erstrebt der Vortrag mit Fokus auf Sprachen sichtbar zu machen. 

(b) Deutsch für und mit Geflüchteten: Lehrwerke und Ehrenamt

Workshop und Austausch in den Blockveranstaltungen

(c) Ehrenamtliches Engagement und Fluchtforschung
Vortrag und Diskussion in den Blockveranstaltungen

(d) Unterstützende Sprachangebote: Lehrwerke, Improvisation und mehr
Workshop und Austausch in den Blockveranstaltungen

(e) Roter Faden
Zusammenhänge erkennen, Verbindungen herstellen

Die Projektmitarbeiterin Radhika Natarajan bietet mehrere Blöcke in den einführenden und Überblick verschaffenden Werkstätten an und gestaltet sie teilnehmendenorientiert und interessengeleitet. Je nach Gruppenzusammensetzung und vorhandenen Vorkenntnissen werden die ersten Grundlagen für das Deutsche als Fremdsprache vermittelt, Hypothesen anhand der Fremdsprachlern- sowie -lehrerfahrung der Teilnehmenden aufgestellt und verglichen, und gängige Lehrwerke unterschiedlicher Verlage vorgestellt und analysiert. Zudem wird für eine Verknüpfung der unterschiedlichen Blöcke gesorgt.

Zur Person

Radhika Natarajan, Germanistin und Ausbilderin für Deutsch als Fremdsprache (DaF), ist im Projekt LeibnizWerkstatt für die Konzeption und Durchführung des Projekts zur Sprachlernunterstützung von Geflüchteten zuständig. Seit 2010 ist sie Lehrbeauftragte am Deutschen Seminar für die Module Mehrsprachigkeit und Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Zuvor hat sie mehr als ein Jahrzehnt am Goethe Institut Mumbai, Indien und darauf acht Jahre an der Tierärztlichen Hochschule Hannover als Dozentin für DaF gearbeitet. Zurzeit promoviert sie zur Schnittstelle Sprachenkenntnis, Alltagsbewältigung und Gender bei Flüchtlingsfrauen an der Leibniz Universität Hannover. 

Aufgaben in einer Sprachlernklasse - Söhnke Post

Aufgaben einer Lehrperson in einer Sprachlernklasse

Vortrag und Diskussion in der Juniwerkstatt

Die niedersächsischen Schulen standen vor einem Jahr der Herausforderung gegenüber, sich der schulischen und sozialen Integration geflüchteter Jugendlicher zu widmen. Insbesondere die Gymnasien sind von der Problematik, ein leistungsorientiertes System für pädagogische Betreuung und Spracherwerb zu öffnen, betroffen. Hierbei kam es zur Eröffnung sogenannter Sprachlernklassen, deren Klassenleitung für eine Vielzahl von Aufgaben Verantwortung zeichnet:

  • Unterricht
  • Diagnostik
  • Schaffung von Förderangeboten
  • Koordination mit Jugendeinrichtungen
  • Implementierung eines psychologischen Hilfsangebotes
  • Berufsorientierung und Vernetzung mit außerschulischen Kompetenzträgern

Der Vortrag soll die zahlreichen Facetten der Aufgaben einer Lehrperson in einer Sprachlernklasse und die Unterrichtsgestaltung im schulischen DAZ-Unterricht beleuchten. Neben einer allgemeinen Einführung werden die Strukturen des Hannah-Arendt-Gymnasiums Barsinghausen exemplarisch vorgestellt. Dessen Schulleitung und die verantwortlichen Lehrkräfte haben ein System implementiert, das sich, sowohl bei Betreuenden als auch bei jugendlichen Geflüchteten, einer großen Beliebtheit erfreut.

Zur Person

Söhnke Post ist Studienrat am Hannah-Arendt-Gymnasium Barsinghausen und Lehrer für besondere Aufgaben am Deutschen Seminar der Leibniz Universität Hannover. In seiner schulischen Arbeit ist er mit der didaktischen Ausgestaltung des Unterrichts für Sprachlernklassen betreut. Dazu kommt die Mitarbeit innerhalb der konzeptionellen Gestaltung bezüglich der sprachlichen und sozialen Integration geflüchteter Jugendlicher an der Schule. Am Deutschen Seminar betreut und begleitet er Studierende im Master of Education in ihren Fachpraktika.

Die Bedeutung sprachsensiblen Unterrichts - Dr. Christine Bickes

Sprachliche Hürden im deutschen Schulsystem - die Bedeutung sprachsensiblen Unterrichts

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, WiSe 2017/2018

Ergebnisse aus internationalen Schulleistungsstudien wie PISA deuten darauf hin, dass Schüler_innen mit Zuwanderungsgeschichte und/oder aus bildungsfernen Familien im deutschen Schulsystem be­nach­teiligt sind. Ein wichtiger Grund dafür scheint zu sein, dass sie in geringerem Maß über das in der Schule geforderte Register der Fach- und Bildungssprache verfügen. Dieses Register im Unterricht durch ›leichte‹ Sprache zu ersetzen, ist keine Option, denn es ist untrennbar mit Begriffsbildung und der Konstruktion von Wissen verbunden. Darüber hinaus ermöglicht es den Austausch komplexer In­formationen und dient der interdisziplinären Kommunikation zwischen Wissenschaftler_innen. Will man Schüler_innen beim Erwerb von Fach- und Bildungssprache unterstützen, empfiehlt es sich, das Thema Sprachförderung nicht allein Sache des Sprachunterrichts sein zu lassen. Vielmehr sollten in allen Fächern grundsätzlich sowohl die fachlichen als auch die sprachlichen Anforderungen berück­sichtigt werden.

Zur Person

Dr. Christine Bickes ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Seminar der Leibniz Universität Han­nover. Ihre Hauptarbeitsgebiete sind: Sprachwissenschaft, Sprachvergleich, fe­mi­nistische Sprach­kritik, Deutsch als Fremd-, Zweit- und Bil­dungssprache, sprachsensibler Un­terricht. Seit 2014 hat sie im Rahmen des Projekts Umbrüche gestalten (einem Projekt von neun lehramts­ausbildenden niedersäch­sischen Hochschulen) an der Konzeption eines Qualifizierungsan­ge­bots im Bereich Sprach­förderung und Deutsch als Zweitsprache mitgewirkt. Ziel war es, Grundlagen für einen sprachsensiblen Unterricht in heterogenen Klassen für alle Fächerverbindungen zu erarbeiten.

Dinge als Gefährten & Sprachbiographien & Sprachwandelnde - Prof. Dr. Eva-Maria Thüne

(a) Flucht und Migration als Thema der angewandten Sprachwissenschaft.
Datenerhebung durch Sprachbiographien

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, WiSe 2016/17

Flucht und Migration ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts - vor allem im deutschsprachigen Raum. Die dadurch entstehende individuelle Mehrsprachigkeit wird oft nicht als Ressource, sondern als Hindernis gesehen. Mithilfe von sprachbiographischen Erhebungen kann das sprachliche Repertoire in den Blick genommen werden und Sprachbewusstheit entstehen, die die persönliche Mehrsprachigkeit stützt. In diesem Vortrag sollen Beispiele von israelischen und italienischen Informant_innen das verdeutlichen.

(b) Dinge als Gefährten. Die Bedeutung von Objekten und Erinnerungsgegenständen bei Flucht und Migration

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, SoSe 2017

Dinge sind nicht nur Gebrauchsgegenstände, sie haben auch identitätswirksame Funktionen. Dies kann besonders in Situationen geschehen, in denen sich große Veränderungen im Leben einer Person ergeben, beispielsweise bei Flucht und Migration. In Interviews und Texten kann verfolgt werden, wie Dinge in der Erinnerung Spuren hinterlassen, die Bedeutungsmuster bilden.

(c) Sprachwandelnde: Überlegungen zur sogenannten Migrationsliteratur

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, WiSe 2017/2018

Die stete Zunahme von Texten mehrsprachiger Autor_innen gehört zu den innovativen Tendenzen der deutschen Gegenwartsliteratur. Hierfür hat sich der Begriff Migrationsliteratur eingebürgert. Zur Problematik des Begriffs gehört, dass er sich vor allem auf die erste Generation von Migrant_innen bezieht und ein Ankommen von außen meint. Das trifft für spätere Generationen nicht mehr zu. Autor_innen verschiedener Generationen machen sprachlich-kulturelle Divergenzen und Kontraste produktiv, wobei das Dynamische und Prozesshafte von Sprachgebrauch und -reflexion an verschiedenen Texten mit verschiedenen sprachlichen Verfahren gezeigt wird. Thematisch geht es u.a. um translokale Biographien, Mehrsprachigkeit und neue Perspektivierungen.

Zur Person

Eva-Maria Thüne ist Professorin für Deutsche Sprache und Sprachwissenschaft an der Universität Bologna, Italien. Ihre Forschungsinteressen sind Deutsch als Fremdsprache, Soziolinguistik, Gesprächsanalyse und Literatursprache. In ihrem kürzlich gemeinsam mit Simona Leonardi und Anne Betten herausgegebenen Band »Emotionsausdruck und Erzählstrategien in narrativen Interviews. Analysen zu Gesprächsaufnahmen mit jüdischen Migranten.« setzt sie sich mit dem Tod der Eltern im Israel-Korpus auseinander.

Durchgängige Sprachbildung - Prof. Dr. Hans Bickes

Durchgängige Sprachbildung

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, SoSe 2016

Angesichts der außerordentlich hohen Zuwanderungszahlen in den letzten beiden Jahren liegt derzeit ein bildungspolitischer Schwerpunkt auf Anfangsunterricht und Sprachlernunterstützung von geflüchteten Migrant_innen, die in großer Zahl mit oft sehr geringen Deutschkenntnissen einreisen. Mittelfristig wird es jedoch eine besondere Herausforderung sein, Kindern und Jugendlichen aus dieser Gruppe auch den Zugang zu einem gehobenen, bildungssprachlichen Sprachgebrauch zu erleichtern, der für eine erfolgreiche Schullaufbahn unverzichtbar ist. Konzepte der sogenannten »durchgängigen Sprachbildung«, die Sprachbildung zur schulischen Aufgabe aller Fächer machen, werden derzeit flächendeckend als geeignetes Instrument hierfür entwickelt.

Zur Person

Hans Bickes ist Professor für Linguistik und Deutsch als Fremd- und Zweitsprache am Deutschen Seminar der Leibniz Universität Hannover. Nach Studium und Promotion an der Universität Heidelberg war er mehrere Jahre als DAAD-Lektor in Thessaloniki (Griechenland) tätig, anschließend für fünf Jahre Geschäftsführer der Gesellschaft für Deutsche Sprache in Wiesbaden. Nach weiteren drei Jahren auf einer kommunikationswissenschaftlichen Professur an der Hochschule Darmstadt führte ihn sein Weg 1996 nach Hannover.

Handlungsorientierter Unterricht - Wolfgang Mennecke

Handlungsorientierter Unterricht: Ein museumspädagogischer Zugang

Workshop und Diskussion in der Augustwerkstatt, 2017

Das Thema dieses Workshops ist die Umsetzung des Handlungsorientierten Ansatzes im Alltag des DaF-Unterrichts. Es wird ein Unterrichtsprojekt exemplarisch vorgestellt und erläutert. Die methodische Praxis der Vermittlung von Inhalten steht hierbei im Vordergrund. 

Zur Person

Wolfgang Mennecke studierte auf dem Zweiten Bildungsweg Sportwissenschaft und Germanistik in Hannover und Braunschweig. Seit 1989 ist er in der Erwachsenenbildung mit Deutsch als Fremdsprache (DaF) sowie Coaching in verschiedenen Bereichen tätig, Aktuell ist er Lehrkraft für besondere Aufgaben am Fachsprachenzentrum der Leibniz Universität Hannover und arbeitet im Projekt D-intensiv.

Informationen zu Projekt D-intensiv

Seit April 2016 arbeitet das Fachsprachenzentrum mit einem neuen Konzept, das differenziert auf die Ausgangskenntnisse der Teilnehmenden abgestimmt ist und die universitäre Umgebung in die Kursorganisation einbezieht. Geflüchtete werden von Anfang an in die Kurse integriert. Die Leibniz Universität hat sich vorgenommen, den Status »Flüchtling« möglichst schnell aus dem Fokus zu rücken. Daher lernen Geflüchtete aus Syrien, dem Südsudan, Irak und Iran an der Universität mit internationalen angehenden Studierenden z.B. aus Argentinien, Ägypten, China, Indien, Japan, Polen und Russland gemeinsam. Insbesondere diese Internationalität wird von den geflüchteten Studieninteressierten geschätzt.

Der Unterricht stützt sich auf einen handlungsorientierten Zugang zur deutschen Sprache und nutzt sowohl gängige Lehrwerke als auch selbst entwickeltes Material. Ziel der Kurse ist eine erfolgreiche Teilnahme an der Deutschen Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH). Neben dem Sprachunterricht ›an sich‹ beinhalten die Kurse auch Besuche von Vorlesungen und universitären Veranstaltungen, den Zugang zur Mensa, den Bibliotheken und dem Unisport, ›Mentoring‹ durch akademische Senior_innen sowie die Inszenierung von Probe-DSH-Prüfungen am Ende jedes Moduls.

Migration und Sprachkontakt - Prof. Dr. Marijana Kresić

Migration und Sprachkontakt am Beispiel kroatischstämmiger Sprecher_innen in Hannover

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, SoSe 2017

Tiefgreifende politische Umwälzungen, damit einhergehende Repressionen, wirtschaftliche Krisen und kriegerische Auseinandersetzungen kennzeichneten die gesellschaftliche Wirklichkeit im ehemaligen Jugoslawien und seinen Nachfolgestaaten seit dem Ende des zweiten Weltkriegs. In diesem Kontext kam es zu einer Auswanderung und Flucht von Kroat_innen aus ihrer Heimat u.a. in die USA, nach Südamerika, Australien sowie in den Nordwesten Europas, und dort insbesondere in die Bundesrepublik Deutschland. 

Der Vortrag berichtet über die Ergebnisse eines Forschungsprojekts, das den Sprachgebrauch und damit einhergehende Sprachkontaktphänomene unter ausgewanderten Kroatischsprecher_innen weltweit in verschiedenen Ländern untersucht. Im Fokus des Vortrags ist das auf Deutschland bezogene Teilprojekt, für das die folgenden Arten von Sprachdaten in Hannover erhoben wurden: Beobachtungen des herkunftssprachlichen Unterrichts für kroatische Schüler_innen, Diskussionsgruppen sowie halbstrukturierte Interviews mit erwachsenen Kroatischsprechenden zu Themen wie Spracherwerb und Sprachbewahrung, zur individuellen Migrationsbiographie und zu Fragen des Sprachgebrauchs und Sprachkontakts. Die Daten wurden soziolinguistisch im Hinblick auf Spracheinstellungen sowie die Selbstwahrnehmung und -positionierung als mehsprachige_r Sprecher_in analysiert. Zudem wurde das Material hinsichtlich kontaktlinguistischer Phänomene in den Bereichen Wortschatz, Morphologie und Syntax untersucht. Die so gewonnenen Einsichten lassen sich mitunter auch auf andere Fälle von Migration und Sprachkontakt übertragen.

Zur Person

Marijana Kresić studierte deutsche und englische Sprache und Literatur an der Leibniz Universität Hannover, wo sie im Jahr 2005 zum Thema «Sprache, Sprechen und Identität» im Fach Germanistische Sprachwissenschaft promovierte. Seit 2009 ist sie am Institut für Linguistik der Universität Zadar tätig, zunächst als Assistenzprofessorin und seit 2014 als außerordentliche Professorin. Von 2010 bis 2013 wurde unter ihrer Leitung das Forschungsprojekt «Transfer als Strategie beim Fremdsprachenlernen» durchgeführt, das von der Kroatischen Stiftung für Wissenschaft (HrZZ) und von der Universität Zadar finanziert wurde. Derzeit ist sie als Partnerin am Forschungsprojekt «Coordinated Research in the Experimental Morphosyntax of South Slavic Languages (EMSS)», (Projektleiter Andrew Nevins, University College London) sowie am internationalen Projekt «Croatian in Contact with other Languages» (Projektleiter: Jim Hlavač, Monash University, Australien) beteiligt. Marijana Kresić forscht und veröffentlicht zu den Themen Zweit- und Tertiärspracherwerb, Mehrsprachigkeit, Deutsch als Fremdsprache, Sprache und Identität sowie zur Kontrastiven Linguistik


Mythen der Mehrsprachigkeit - Prof. Dr. John Peterson

Mehrsprachigkeit als Hindernis? Mehrsprachigkeit als Ressource!
Mythen vs. Fakten zum Thema »Sprache und Migration«

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, WiSe 2017/2018

Um kaum ein anderes Thema ranken sich so viele Mythen wie um die Mehrsprachigkeit, d.h. um das Beherrschen zweier oder mehrerer Sprachen. Da aber das Thema Sprache und Migration – und damit auch Mehrsprachigkeit – inzwischen eine zentrale Rolle in der Diskussion um die Integration hier lebender Menschen mit Migrationshintergrund spielt, ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihm zwingend notwendig geworden: Unser Verständnis der Mehrsprachigkeit bildet die Basis für alle bildungspolitischen Entscheidungen zu diesem Thema, Entscheidungen, die oft weitreichende Folgen haben.

In seinem Vortrag setzt sich Herr Peterson mit einigen dieser Mythen auseinander wie etwa »doppelter Halbsprachigkeit« oder angeblichen »Sprachen ohne Grammatik« und zeigt, warum uns »der gesunde Menschenverstand« oft zu Schlussfolgerungen führt, die aus wissenschaftlicher Sicht unhaltbar und mitunter sogar schädlich sind. Schließlich zeigt er ein Beispiel dafür, wie man Mehrsprachigkeit auch im Klassenzimmer nicht als Hindernis, sondern als Ressource einsetzen kann, um Schülerinnen und Schüler – sowohl mehrsprachige als auch einsprachige – zu motivieren und sprachliche Strukturen zu erläutern.

Zur Person

John Peterson ist Professor für Allgemeine Sprachwissenschaft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Seine Hauptforschungsgebiete sind vor allem Mehrsprachigkeit, Sprachkontaktphänomene sowie die Erforschung der Sprachen Indiens aus verschiedenen Sprachfamilien, die seit Jahrtausenden miteinander in engem Kontakt stehen.

›Papieridentitäten‹ - Prof. Dr. Ruth Mayer

›Papieridentitäten‹. Zur chinesischen Immigrationsgeschichte in den USA, 1890-1930
Prof. Dr. Ruth Mayer (Englisches Seminar)

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, WiSe 2016/17

In diesem Vortrag geht es um Strategien der Identifikation im Kontext von Immigrationsprozessen. Identifikation meint dabei sowohl die Selbstverortung in einer bestimmten Gruppe (also einer Familie, einer community, einem Staat), als auch Techniken der polizeilichen oder legalen Identifizierung (also die Registrierung von Staatsbürgern, die Ausstellung von Pässen oder anderen ›Identitätspapieren‹ etc.). Beide Facetten des Konzepts sind eng miteinander verbunden, wenngleich alles andere als deckungsgleich, und sie sind darüber hinaus komplex mit den Begriffen Geschlecht und Sexualität verknüpft. 

Als ›Fallstudie‹, um die Vielschichtigkeit des Phänomens und seine theoretischen Implikationen in den Griff zu bekommen, dient die Geschichte der chinesischen Immigration in die USA und hier insbesondere die Periode der sogenannten ›Chinese Exclusion‹ (1882-1943). In dieser Phase der amerikanischen Immigrationsgeschichte wurden Fragen der Zugehörigkeit und des Ausschlusses, aber auch der ›Normalität‹ und ›Devianz‹ besonders hitzig debattiert. Gegen die chinesische Immigration wurde dabei prominent der Verdacht ins Feld geführt, chinesische Einwanderer_innen seien unfähig, sich der bürgerlichen Werteordnung der amerikanischen Gesellschaft zu erschließen. Der Vortrag lotet die Parameter dieser historischen Debatte mit Bezug auf ihre unterschiedlichen - literarischen, politischen, sozialen - Resonanzen aus.

Zur Person

Ruth Mayer ist Professorin für American Studies an der Leibniz Universität Hannover. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Globalisierungs- und Transnationalisierungsbewegungen, populäre Serialität sowie Massenkultur und Modernität. Ihre Publikationen umfassen Diaspora (transcript, 2005), die Herausgaben Trans-Pacific Interactions: The United States and China, 1880-1950 (mit Vanessa Künnemann, Palgrave Macmillan, 2009) und Chinatowns in a Transnational World (mit Vanessa Künnemann, Routledge, 2011) sowie Serial Fu Manchu: The Chinese Super-Villain and the Spread of Yellow Peril Ideology (Temple UP 2014).

Schulische Sprachbildung - Dr. Ina Baumann

Schulische Sprachbildung - Organisation, Ziele und Inhalte 

Vortrag und Diskussion in der Pfingstwerkstatt

Schwerpunkte des Vortrages zum Sprachunterricht für geflüchtete Kinder und Jugendliche in Schulen sind die Niedersächsische Landesschulbehörde, ihre Angebote und ihr Verständnis von »Durchgängiger Sprachbildung« sowie die konkrete Organisation von Sprachbildung in Schulen. Weiterhin geht es um die Unterschiede zwischen Deutsch als Fremdsprache und Deutsch als Zweitsprache und um das Thema Mehrsprachigkeit. Der Vortrag wird durch konkrete Tipps und Hinweise zur Unterrichtsplanung ergänzt.

Zur Person

Dr. Ina Baumann hat als Studienrätin 13 Jahre lang in Hannover Deutsch und Englisch unterrichtet, bevor sie im September 2015 die Koordination des neu gegründeten Sprachbildungszentrums Hannover-Stadt (NLSchB) übernahm. Schon von Beginn ihrer Lehrtätigkeit an war sie über Abordnungen an das NLQ und an die Projekte DaZNet und Umbrüche gestalten im Bereich sprachlicher und interkultureller Bildung tätig. Die Promotion erfolgte im Jahre 2015 am Deutschen Seminar der Leibniz Universität Hannover zum Thema interkulturelle Schulentwicklung. 

Sprachkurs als Sprungbrett - Petra Brandes

Der Sprachkurs als Sprungbrett zum Arbeitsmarkt

Werkstatt und Diskussion in der Frühlingswerkstatt

Im Fokus der Werkstatt steht das Projekt AZF3 (Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge), an welchem auch kargah e.V. beteiligt ist. Das Projekt möchte Asylbewerber_innen und Geflüchteten den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern und ihre Perspektiven verbessern. Zu diesem Zweck werden berufsbezogene Sprachkurse und Praktika durchgeführt. In diesem Zusammenhang wird die Arbeitsmarktsituation von Geflüchteten besprochen: Welche Zugänge aber auch Einstiegshürden gibt es? Ab welchem Zeitpunkt darf überhaupt gearbeitet werden? Und welche sprachlichen Eingangsvoraussetzungen müssen erfüllt sein? Außerdem befasst sich die Werkstatt mit dem Verein kargah e.V. und seinen Angeboten im Allgemeinen; ein weiteres Thema ist die Situation in Sprach- und Integrationskursen. Die Veranstaltung wird durch viele praktische Tipps zu Sprachunterricht und Alphabetisierung sowie durch Hinweise zu Lehrwerken abgerundet.

Zum Verein

kargah e.V. auf dem Faustgelände in Linden Nord, Hannover ist ein Verein von und für Migrant_innen aus aller Welt. Seit Gründung im Jahr 1980 ist kargah mit ihren mittlerweile über hundert haupt- und ehrenamtlichen Tätigen zu einem der wichtigsten Bindeglieder in der Stadt und Region gewachsen. Der Verein ist in mehreren Bereichen aktiv, nicht zuletzt hat er umfangreiche Erfahrung in Sprachangeboten für Geflüchtete, neuerdings auch in Flüchtlingswohnheimen.

Zur Person

Petra Maria Brandes, psychosoziale Beraterin mit Zusatzausbildung als pädagogische Mitarbeiterin für alle Schulformen, hat mehrere Jahre in einem Schulzentrum (Haupt- und Realschule) verhaltensauffällige Kinder mit und ohne Migrationshintergrund während des Unterrichts beaufsichtigt und teilweise einzeln in den Fächern Mathe, Deutsch und Englisch beschult sowie Sprachförderkurse gehalten. Seit Herbst 2011 ist sie bei kargah e.V. in verschiedenen Projekten beschäftigt, u.a. im Bereich Nachhilfe und Deutsch als Fremdsprache mit niederschwefligen Sprachkursen und neuerdings im Projekt AZF3 »Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge« tätig.

Sprachlernklassen und Sport - Dr. Steffen Schiedek

Sprachlernklassen und Sport - gemeinsam oder getrennt?

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, WiSe 2016/17

Zu Beginn des Schuljahres 2016/17 existieren in Niedersachsen mehr als 600 Sprachlernklassen. Diese erweitern die bestehende Heterogenität von Lernenden um zusätzliche Dimensionen wie z.B. Sprachkompetenz, Alter und bisherige Schulsozialisation. Der Vortrag soll die Chancen und Grenzen der Integrations- und Spracherwerbsförderung innerhalb eines inklusiven Sportunterrichts aufzeigen. Dazu werden Inhalte und Ergebnisse eines Projektes am Institut für Sportwissenschaft präsentiert:

  • Beschreibung von Projekt und Lehrveranstaltung »Spracherwerb im Sportunterricht von Sprachlernklassen«
  • Erlasslage und Umsetzungsmodelle des Sportunterrichts von Sprachlernklassen in der Stadt Hannover - eine Analyse
  • Qualitätsmerkmale eines spracherwerbsunterstützenden Sportunterrichts
  • Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Unterrichtsfächer

Zur Person

Dr. Steffen Schiedek ist Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Sportwissenschaft. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören digitale Medien und der Umgang mit Heterogenität im Sportunterricht.

Sprachprüfungen & Schreiben - Ketevan Zhorzholiani

(a) Sprachprüfungen für den Hochschulzugang

Informationsbeitrag in der Spätsommerwerkstatt

Eine vorläufige Analyse des Bildungshintergrunds von Asylbeantragenden fördert einen hohen Anteil an Personen zutage, die angeben, vor ihrer Flucht ein Gymnasium oder eine Hochschule besucht zu haben. Dass diese Personen ihre Bildungsbiographien an deutschen Hochschulen fortsetzen, ist durchaus annehmbar und wünschenswert. Doch welche Hürden müssen überwunden und welche sprachlichen Voraussetzungen erfüllt werden, bevor man als Bildungsausländer_in an deutschen Hochschulen zugelassen wird? Die Formate und Niveaustufen der Sprachprüfungen, die für den Hochschulzugang erforderlich sind, werden in diesem Vortrag vorgestellt.

(b) Schreiben in der Fremdsprache bzw. Zweitsprache 

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, WiSe 2016/17

Die Fähigkeit zur selbstständigen Textproduktion stellt für Zweit- und Fremdsprachenlernende eine besonders große Hürde dar, da es neben dem sicheren Umgang mit sprachlichen und grammatischen Mitteln ein hohes Maß an Planung, Elaboriertheit, Kompaktheit und Explizitheit erfordert. Der Schreibprozess umfasst Phasen des Planens, Formulierens und Überprüfens und setzt darüber hinaus Ausdrucks-, Kontextualisierungs-, Antizipations-und Textgestaltungskompetenzen voraus. Die Entwicklung der Schreibkompetenz verläuft dabei vom inhaltsbezogenen, über leserorientierten bis hin zum epistemischen Schreiben. Zu berücksichtigen ist hierbei die Spezifik einzelner Operatoren und Unterschiede zwischen schriftlichem Erzählen, Beschreiben, Argumentieren usw. Für Zweit- und Fremdsprachenlernende ist das selbstständige Produzieren ganzer Texte daher mit doppelter Belastung verbunden, da zu den oben genannten Phasen des Schreibprozesses das Übersetzen hinzukommt. Ein sensibler Umgang mit formalen Fehlern sowie erstsprachenbasierten Textmustern seitens der Lehrkräfte ist für die Ausbildung und Entwicklung der Schreibkompetenz genauso maßgeblich wie methodisch-didaktische Kenntnisse.

Zur Person

Ketevan Zhorzholiani war nach ihrem Germanistikstudium in Kutaissi, Georgien, zunächst als Deutschlehrerin und Lektorin für deutsche Sprache in Kutaissi tätig. Nach ihrer Auswanderung nahm sie ein Promotionsstudium an der Leibniz Universität Hannover auf. Acht Jahre lang war sie Lehrbeauftragte für Deutschkurse an der Universität Hildesheim. Seit fast einem Jahrzehnt wirkt sie als Beraterin für Sprachkurse, Dozentin für DaF/DaZ sowie als Prüfungsbeauftragte für TestDaF und lizenzierte Prüferin für telc B1/B2 an der Volkshochschule Hildesheim. Aktuell konzipiert und führt sie im Projekt LeibnizWerkstatt das Zusatzqualifizierungsangebot DaF/DaZ Werkstatt Plus durch.

Sprachunterricht planen - Tina Otten

Sprachunterricht planen

Vortrag und Workshop in der Reihe »mittwochs um vier«, SoSe 2016

Jemandem etwas beizubringen ist eine ganz schön komplexe Aufgabe: Lehrkräfte legen Lernziel und Unterrichtsinhalte fest, konzipieren und wählen geeignete Materialien (Texte, Arbeitsblätter etc.) aus, definieren passende Methoden und Medien... Das Ziel dieses Blocks ist es, die grundlegenden Schritte bei der Planung von Sprachunterricht kennenzulernen. Dazu setzen wir uns möglichst praxisnah und anwendungsorientiert mit der Frage auseinander, wie sprachliche Lerninhalte vorbereitet, vermittelt und geübt werden können.

Zur Person

Tina Otten hat die Fächer Deutsch, Englisch und Biologie an der Leibniz Universität Hannover studiert und anschließend ihr Referendariat für das Lehramt an Gymnasien absolviert. Seit 2013 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik am Deutschen Seminar der Leibniz Universität Hannover. Seit 2014 arbeitet sie zudem im niedersächsischen Projekt „UMBRÜCHE GESTALTEN. Sprachenförderung und -bildung als integrale Bestandteile innovativer Lehrerbildung in Niedersachsen“.

Sprechen und Schreiben - Prof. Dr. Joachim Grabowski

Sprechen und Schreiben aus psychologischer Sicht

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, SoSe 2017

Der Umgang des Menschen mit der Sprache ist unter anderem eine psychische Fähigkeit, die kognitiven und gedächtnisbezogenen Bedingungen unterliegt. Wie bei allen Fähigkeiten spielen Übung und Automatisierung eine wichtige Rolle für die individuelle Leistungsfähigkeit; das zeigt sich beispielsweise in der Geschwindigkeit oder Störbarkeit der beteiligten Prozesse. Das Erlernen einer neuen Sprache macht uns unter vielen Aspekten wieder zu Anfängern  - mit typischen Konsequenzen. In dem Vortrag werden allgemeine psychologische Prinzipien der menschlichen Sprachproduktion erläutert; anhand aktueller sprachdidaktischer Forschungsergebnisse wird dann für das Schreiben von Texten gezeigt, bei welchen sprachbezogenen Fähigkeiten Jugendliche mit sprachlichem Migrationshintergrund Nachteile haben und bei welchen nicht.

Zur Person

Joachim Grabowski ist Professor für Pädagogische Psychologie und Privatdozent für Germanistische Linguistik an der Leibniz Universität Hannover. Seine aktuellen Forschungsprojekte betreffen die Diagnose und Förderung der Schreibkompetenz in der Sekundarstufe und die Theorie der Sprachproduktion. Zu seinen früheren Arbeitsfeldern gehören u.a. die Raumauffassung des Menschen und das Populärwissen in Quizshows.

Tätigkeitsbezogene Sprachförderung - Ariane Steuber

(a) Sprachförderung an berufsbildenden Schulen 

Vortrag und Diskussion in der Spätsommerwerkstatt

Der Beitrag widmet sich dem Thema Sprachförderung an berufsbildenden Schulen und gibt u.a. einen Einblick in die pädagogische Arbeit in einer Sprachförderklasse. Dabei werden vor allem die Themen Umgang mit heterogenen Lernvoraussetzungen und didaktische Gestaltungsmöglichkeiten für eine handlungs- bzw. tätigkeitsbezogene Sprachförderung näher betrachtet. 

(b) Konzeptionelle Überlegungen zur tätigkeitsbezogenen Sprachförderung

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, WiSe 2016/17

Für Lernende, die aus verschiedenen Gründen keinen guten Zugang zur Schriftsprache haben, ist es erforderlich, ressourcenorientierte Zugänge zum Sprachlernen zu schaffen. Sie sollten das kommunikative Bewältigungshandeln in konkreten (beruflichen) Anforderungssituationen zum Ausgangspunkt nehmen und sich schrittweise an die Bildungssprache annähern. Im Vortrag werden theoretisch-konzeptionelle Überlegungen für ein solches Konzept einer tätigkeitsbezogenen Sprachförderung dargestellt und anhand von praktischen Beispielen illustriert.

Zur Person

Ariane Steuber ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Leibniz-Prinzip der Leibniz School of Education in der Maßnahme »Diversitätssensibilität in der inklusiven Schule« und Lehrbeauftragte am Deutschen Seminar für das Modul Spracherwerb und Sprachpsychologie. Von 2009-2016 war sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung, Abteilung Sozialpädagogik, der Leibniz Universität Hannover. Zuvor hat sie das erste und zweite Staatsexamen für das Lehramt an berufsbildenden Schulen in der beruflichen Fachrichtung Bautechnik und im Unterrichtsfach Deutsch abgelegt.

Verein und Engagement - Dr. Peyman Javaher-Haghighi

Ein Verein und sein Engagement für Migrations- und Flüchtlingsarbeit:
Niederschwellige Sprachangebote für Geflüchtete

Workshop in Blockveranstaltungen und Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, SoSe 2016

Der Vortrag mit Werkstattcharakter teilt sich in theoretische und praktische Teile: Er befasst sich zum einen mit dem Verein kargah e.V., dessen Geschichte, der Arbeit und seinen diversen Angeboten und geht zum anderen auf die aktuelle Situation in Flüchtlingsunterkünften ein. Dabei wird interaktiv ausgelotet, inwieweit Sprachunterricht in diesem Kontext überhaupt möglich ist. Herausgearbeitet wird außerdem, was für eine große Herausforderung das Erlernen einer fremden Sprache im fremden Land für die Geflüchteten bedeutet. Der Vortrag wird durch praktische Tipps für den Umgang mit Geflüchteten abgerundet.

Zur Person

Dr. Peyman Javaher-Haghighi ist beim interkulturellen Verein kargah e.V. für den Bereich Bildung und Qualifizierung zuständig. Er arbeitet seit über 25 Jahren in verschiedenen interkulturellen Projekten, sieben Jahre davon als Lehrbeauftragter und Wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Hannover und Hildesheim. Seine Schwerpunkte sind interkulturelle Arbeit und internationale Beziehungen.

Zum Verein

kargah e.V. auf dem Faustgelände in Linden Nord, Hannover ist ein Verein von und für Migrant_innen aus aller Welt. Seit Gründung im Jahr 1980 ist kargah mit ihren mittlerweile über hundert haupt- und ehrenamtlichen Tätigen zu einem der wichtigsten Bindeglieder in der Stadt und Region gewachsen. Der Verein ist in mehreren Bereichen aktiv, nicht zuletzt hat er umfangreiche Erfahrung in Sprachangeboten für Geflüchtete, neuerdings auch in Flüchtlingswohnheimen.

Beitragende

Die Beitragenden zur Schnittstelle Sprache und Migration sind:

  • Dr. Ina Baumann, Niedersächsische Landesschulbehörde
  • Dr. Christine Bickes, Deutsches Seminar
  • Prof. Dr. Hans Bickes, Deutsches Seminar
  • Petra Brandes, kargah e.V.
  • Dr. Alexis Feldmeier García, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
  • Prof. Dr. Joachim Grabowski, Institut für Pädagogische Psychologie
  • Dr. Peyman Javaher-Hagighi, kargah e.V.
  • Prof. Dr. Marijana Kresić, Universität Zadar, Kroatien
  • Prof. Dr. Ruth Mayer, Englisches Seminar
  • Wolfgang Mennecke, Fachsprachenzentrum
  • Radhika Natarajan, Projekt LeibnizWerkstatt
  • Tina Otten, Deutsches Seminar
  • Prof. Dr. John Peterson, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
  • Söhnke Post, Hannah-Arendt-Gymnasium Barsinghausen & Deutsches Seminar
  • Dr. Steffen Schiedek, Institut für Sportwissenschaft
  • Ariane Steuber, Projekt Leibniz-Prinzip
  • Prof. Dr. Eva-Maria Thüne, Univeristät Bologna, Italien
  • Ketevan Zhorzholiani, Projekt LeibnizWerkstatt
  • Beiträge aus der Werkstatt: Anna-Katharina Dehmann, Marie Hoch, Tina Krohn, Marius Müller, Melanie Schiemann, Siham Schotemeier

Alphabetisierung in Deutsch als Zweitsprache - Dr. Alexis Feldmeier García

Alphabetisierung in Deutsch als Zweitsprache

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, WiSe 2017/2018

Im Vortrag werden grundlegende Überlegungen zur Förderung schriftsprachlicher Kompetenzen neu zugewanderter Lernenden besprochen. Es wird auf die Arbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen eingegangen. Ein kurzer Einblick in methodische Zugänge zur Schrift wird gegeben und anhand Lehrwerksbeispiele veranschaulicht.

Zur Person

Dr. Alexis Feldmeier García studierte und promovierte im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache an der Universität Bielefeld. Seit 2011 ist er an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in der Deutschlehrerausbildung (Sprachdidaktik) tätig. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Didaktik zur Alphabetisierung von Menschen mit Migrationshintergrund und in der Förderung von Lernendenautonomie.

Anerkennende Sichtbarkeit & unterstützende Sprachangebote - Radhika Natarajan

(a) Anerkennende Sichtbarkeit: Flüchtlingsfrauen als ehrenamtlich Handelnde

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, SoSe 2017

Der einseitige Blick auf die mehrfache Unterdrückung einer Flüchtlingsfrau verschleiert unwillentlich deren Handlungsfähigkeit. Ihre Bemühungen und die Aushandlungsprozesse mit ihrem sozialen Umfeld in der je konkreten Situation bleiben oft verdeckt. Wahrgenommen werden Fluchtmigrierte als Empfänger_innen von Sozialarbeit und -leistungen doch kaum als Initiative Ergreifende. Laut eigener Interviewerhebungen können etliche Frauen durch ehrenamtliches Engagement offenbar neue Handlungsräume schaffen und gestalten. Die damit verbundene Erfahrung einer sichtbaren Anerkennung und einer anerkennenden Sichtbarkeit trägt als ein wichtiger Ansporn zum fortwährenden freiwilligen Engagement bei. Diesen in der Forschung oft übersehenen Aspekt von Flüchtlingsfrauen als Handelnden und zwar ehrenamtlich Handelnden erstrebt der Vortrag mit Fokus auf Sprachen sichtbar zu machen. 

(b) Deutsch für und mit Geflüchteten: Lehrwerke und Ehrenamt

Workshop und Austausch in den Blockveranstaltungen

(c) Ehrenamtliches Engagement und Fluchtforschung
Vortrag und Diskussion in den Blockveranstaltungen

(d) Unterstützende Sprachangebote: Lehrwerke, Improvisation und mehr
Workshop und Austausch in den Blockveranstaltungen

(e) Roter Faden
Zusammenhänge erkennen, Verbindungen herstellen

Die Projektmitarbeiterin Radhika Natarajan bietet mehrere Blöcke in den einführenden und Überblick verschaffenden Werkstätten an und gestaltet sie teilnehmendenorientiert und interessengeleitet. Je nach Gruppenzusammensetzung und vorhandenen Vorkenntnissen werden die ersten Grundlagen für das Deutsche als Fremdsprache vermittelt, Hypothesen anhand der Fremdsprachlern- sowie -lehrerfahrung der Teilnehmenden aufgestellt und verglichen, und gängige Lehrwerke unterschiedlicher Verlage vorgestellt und analysiert. Zudem wird für eine Verknüpfung der unterschiedlichen Blöcke gesorgt.

Zur Person

Radhika Natarajan, Germanistin und Ausbilderin für Deutsch als Fremdsprache (DaF), ist im Projekt LeibnizWerkstatt für die Konzeption und Durchführung des Projekts zur Sprachlernunterstützung von Geflüchteten zuständig. Seit 2010 ist sie Lehrbeauftragte am Deutschen Seminar für die Module Mehrsprachigkeit und Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Zuvor hat sie mehr als ein Jahrzehnt am Goethe Institut Mumbai, Indien und darauf acht Jahre an der Tierärztlichen Hochschule Hannover als Dozentin für DaF gearbeitet. Zurzeit promoviert sie zur Schnittstelle Sprachenkenntnis, Alltagsbewältigung und Gender bei Flüchtlingsfrauen an der Leibniz Universität Hannover. 

Aufgaben in einer Sprachlernklasse - Söhnke Post

Aufgaben einer Lehrperson in einer Sprachlernklasse

Vortrag und Diskussion in der Juniwerkstatt

Die niedersächsischen Schulen standen vor einem Jahr der Herausforderung gegenüber, sich der schulischen und sozialen Integration geflüchteter Jugendlicher zu widmen. Insbesondere die Gymnasien sind von der Problematik, ein leistungsorientiertes System für pädagogische Betreuung und Spracherwerb zu öffnen, betroffen. Hierbei kam es zur Eröffnung sogenannter Sprachlernklassen, deren Klassenleitung für eine Vielzahl von Aufgaben Verantwortung zeichnet:

  • Unterricht
  • Diagnostik
  • Schaffung von Förderangeboten
  • Koordination mit Jugendeinrichtungen
  • Implementierung eines psychologischen Hilfsangebotes
  • Berufsorientierung und Vernetzung mit außerschulischen Kompetenzträgern

Der Vortrag soll die zahlreichen Facetten der Aufgaben einer Lehrperson in einer Sprachlernklasse und die Unterrichtsgestaltung im schulischen DAZ-Unterricht beleuchten. Neben einer allgemeinen Einführung werden die Strukturen des Hannah-Arendt-Gymnasiums Barsinghausen exemplarisch vorgestellt. Dessen Schulleitung und die verantwortlichen Lehrkräfte haben ein System implementiert, das sich, sowohl bei Betreuenden als auch bei jugendlichen Geflüchteten, einer großen Beliebtheit erfreut.

Zur Person

Söhnke Post ist Studienrat am Hannah-Arendt-Gymnasium Barsinghausen und Lehrer für besondere Aufgaben am Deutschen Seminar der Leibniz Universität Hannover. In seiner schulischen Arbeit ist er mit der didaktischen Ausgestaltung des Unterrichts für Sprachlernklassen betreut. Dazu kommt die Mitarbeit innerhalb der konzeptionellen Gestaltung bezüglich der sprachlichen und sozialen Integration geflüchteter Jugendlicher an der Schule. Am Deutschen Seminar betreut und begleitet er Studierende im Master of Education in ihren Fachpraktika.

Die Bedeutung sprachsensiblen Unterrichts - Dr. Christine Bickes

Sprachliche Hürden im deutschen Schulsystem - die Bedeutung sprachsensiblen Unterrichts

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, WiSe 2017/2018

Ergebnisse aus internationalen Schulleistungsstudien wie PISA deuten darauf hin, dass Schüler_innen mit Zuwanderungsgeschichte und/oder aus bildungsfernen Familien im deutschen Schulsystem be­nach­teiligt sind. Ein wichtiger Grund dafür scheint zu sein, dass sie in geringerem Maß über das in der Schule geforderte Register der Fach- und Bildungssprache verfügen. Dieses Register im Unterricht durch ›leichte‹ Sprache zu ersetzen, ist keine Option, denn es ist untrennbar mit Begriffsbildung und der Konstruktion von Wissen verbunden. Darüber hinaus ermöglicht es den Austausch komplexer In­formationen und dient der interdisziplinären Kommunikation zwischen Wissenschaftler_innen. Will man Schüler_innen beim Erwerb von Fach- und Bildungssprache unterstützen, empfiehlt es sich, das Thema Sprachförderung nicht allein Sache des Sprachunterrichts sein zu lassen. Vielmehr sollten in allen Fächern grundsätzlich sowohl die fachlichen als auch die sprachlichen Anforderungen berück­sichtigt werden.

Zur Person

Dr. Christine Bickes ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Seminar der Leibniz Universität Han­nover. Ihre Hauptarbeitsgebiete sind: Sprachwissenschaft, Sprachvergleich, fe­mi­nistische Sprach­kritik, Deutsch als Fremd-, Zweit- und Bil­dungssprache, sprachsensibler Un­terricht. Seit 2014 hat sie im Rahmen des Projekts Umbrüche gestalten (einem Projekt von neun lehramts­ausbildenden niedersäch­sischen Hochschulen) an der Konzeption eines Qualifizierungsan­ge­bots im Bereich Sprach­förderung und Deutsch als Zweitsprache mitgewirkt. Ziel war es, Grundlagen für einen sprachsensiblen Unterricht in heterogenen Klassen für alle Fächerverbindungen zu erarbeiten.

Dinge als Gefährten & Sprachbiographien & Sprachwandelnde - Prof. Dr. Eva-Maria Thüne

(a) Flucht und Migration als Thema der angewandten Sprachwissenschaft.
Datenerhebung durch Sprachbiographien

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, WiSe 2016/17

Flucht und Migration ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts - vor allem im deutschsprachigen Raum. Die dadurch entstehende individuelle Mehrsprachigkeit wird oft nicht als Ressource, sondern als Hindernis gesehen. Mithilfe von sprachbiographischen Erhebungen kann das sprachliche Repertoire in den Blick genommen werden und Sprachbewusstheit entstehen, die die persönliche Mehrsprachigkeit stützt. In diesem Vortrag sollen Beispiele von israelischen und italienischen Informant_innen das verdeutlichen.

(b) Dinge als Gefährten. Die Bedeutung von Objekten und Erinnerungsgegenständen bei Flucht und Migration

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, SoSe 2017

Dinge sind nicht nur Gebrauchsgegenstände, sie haben auch identitätswirksame Funktionen. Dies kann besonders in Situationen geschehen, in denen sich große Veränderungen im Leben einer Person ergeben, beispielsweise bei Flucht und Migration. In Interviews und Texten kann verfolgt werden, wie Dinge in der Erinnerung Spuren hinterlassen, die Bedeutungsmuster bilden.

(c) Sprachwandelnde: Überlegungen zur sogenannten Migrationsliteratur

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, WiSe 2017/2018

Die stete Zunahme von Texten mehrsprachiger Autor_innen gehört zu den innovativen Tendenzen der deutschen Gegenwartsliteratur. Hierfür hat sich der Begriff Migrationsliteratur eingebürgert. Zur Problematik des Begriffs gehört, dass er sich vor allem auf die erste Generation von Migrant_innen bezieht und ein Ankommen von außen meint. Das trifft für spätere Generationen nicht mehr zu. Autor_innen verschiedener Generationen machen sprachlich-kulturelle Divergenzen und Kontraste produktiv, wobei das Dynamische und Prozesshafte von Sprachgebrauch und -reflexion an verschiedenen Texten mit verschiedenen sprachlichen Verfahren gezeigt wird. Thematisch geht es u.a. um translokale Biographien, Mehrsprachigkeit und neue Perspektivierungen.

Zur Person

Eva-Maria Thüne ist Professorin für Deutsche Sprache und Sprachwissenschaft an der Universität Bologna, Italien. Ihre Forschungsinteressen sind Deutsch als Fremdsprache, Soziolinguistik, Gesprächsanalyse und Literatursprache. In ihrem kürzlich gemeinsam mit Simona Leonardi und Anne Betten herausgegebenen Band »Emotionsausdruck und Erzählstrategien in narrativen Interviews. Analysen zu Gesprächsaufnahmen mit jüdischen Migranten.« setzt sie sich mit dem Tod der Eltern im Israel-Korpus auseinander.

Durchgängige Sprachbildung - Prof. Dr. Hans Bickes

Durchgängige Sprachbildung

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, SoSe 2016

Angesichts der außerordentlich hohen Zuwanderungszahlen in den letzten beiden Jahren liegt derzeit ein bildungspolitischer Schwerpunkt auf Anfangsunterricht und Sprachlernunterstützung von geflüchteten Migrant_innen, die in großer Zahl mit oft sehr geringen Deutschkenntnissen einreisen. Mittelfristig wird es jedoch eine besondere Herausforderung sein, Kindern und Jugendlichen aus dieser Gruppe auch den Zugang zu einem gehobenen, bildungssprachlichen Sprachgebrauch zu erleichtern, der für eine erfolgreiche Schullaufbahn unverzichtbar ist. Konzepte der sogenannten »durchgängigen Sprachbildung«, die Sprachbildung zur schulischen Aufgabe aller Fächer machen, werden derzeit flächendeckend als geeignetes Instrument hierfür entwickelt.

Zur Person

Hans Bickes ist Professor für Linguistik und Deutsch als Fremd- und Zweitsprache am Deutschen Seminar der Leibniz Universität Hannover. Nach Studium und Promotion an der Universität Heidelberg war er mehrere Jahre als DAAD-Lektor in Thessaloniki (Griechenland) tätig, anschließend für fünf Jahre Geschäftsführer der Gesellschaft für Deutsche Sprache in Wiesbaden. Nach weiteren drei Jahren auf einer kommunikationswissenschaftlichen Professur an der Hochschule Darmstadt führte ihn sein Weg 1996 nach Hannover.

Handlungsorientierter Unterricht - Wolfgang Mennecke

Handlungsorientierter Unterricht: Ein museumspädagogischer Zugang

Workshop und Diskussion in der Augustwerkstatt, 2017

Das Thema dieses Workshops ist die Umsetzung des Handlungsorientierten Ansatzes im Alltag des DaF-Unterrichts. Es wird ein Unterrichtsprojekt exemplarisch vorgestellt und erläutert. Die methodische Praxis der Vermittlung von Inhalten steht hierbei im Vordergrund. 

Zur Person

Wolfgang Mennecke studierte auf dem Zweiten Bildungsweg Sportwissenschaft und Germanistik in Hannover und Braunschweig. Seit 1989 ist er in der Erwachsenenbildung mit Deutsch als Fremdsprache (DaF) sowie Coaching in verschiedenen Bereichen tätig, Aktuell ist er Lehrkraft für besondere Aufgaben am Fachsprachenzentrum der Leibniz Universität Hannover und arbeitet im Projekt D-intensiv.

Informationen zu Projekt D-intensiv

Seit April 2016 arbeitet das Fachsprachenzentrum mit einem neuen Konzept, das differenziert auf die Ausgangskenntnisse der Teilnehmenden abgestimmt ist und die universitäre Umgebung in die Kursorganisation einbezieht. Geflüchtete werden von Anfang an in die Kurse integriert. Die Leibniz Universität hat sich vorgenommen, den Status »Flüchtling« möglichst schnell aus dem Fokus zu rücken. Daher lernen Geflüchtete aus Syrien, dem Südsudan, Irak und Iran an der Universität mit internationalen angehenden Studierenden z.B. aus Argentinien, Ägypten, China, Indien, Japan, Polen und Russland gemeinsam. Insbesondere diese Internationalität wird von den geflüchteten Studieninteressierten geschätzt.

Der Unterricht stützt sich auf einen handlungsorientierten Zugang zur deutschen Sprache und nutzt sowohl gängige Lehrwerke als auch selbst entwickeltes Material. Ziel der Kurse ist eine erfolgreiche Teilnahme an der Deutschen Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH). Neben dem Sprachunterricht ›an sich‹ beinhalten die Kurse auch Besuche von Vorlesungen und universitären Veranstaltungen, den Zugang zur Mensa, den Bibliotheken und dem Unisport, ›Mentoring‹ durch akademische Senior_innen sowie die Inszenierung von Probe-DSH-Prüfungen am Ende jedes Moduls.

Migration und Sprachkontakt - Prof. Dr. Marijana Kresić

Migration und Sprachkontakt am Beispiel kroatischstämmiger Sprecher_innen in Hannover

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, SoSe 2017

Tiefgreifende politische Umwälzungen, damit einhergehende Repressionen, wirtschaftliche Krisen und kriegerische Auseinandersetzungen kennzeichneten die gesellschaftliche Wirklichkeit im ehemaligen Jugoslawien und seinen Nachfolgestaaten seit dem Ende des zweiten Weltkriegs. In diesem Kontext kam es zu einer Auswanderung und Flucht von Kroat_innen aus ihrer Heimat u.a. in die USA, nach Südamerika, Australien sowie in den Nordwesten Europas, und dort insbesondere in die Bundesrepublik Deutschland. 

Der Vortrag berichtet über die Ergebnisse eines Forschungsprojekts, das den Sprachgebrauch und damit einhergehende Sprachkontaktphänomene unter ausgewanderten Kroatischsprecher_innen weltweit in verschiedenen Ländern untersucht. Im Fokus des Vortrags ist das auf Deutschland bezogene Teilprojekt, für das die folgenden Arten von Sprachdaten in Hannover erhoben wurden: Beobachtungen des herkunftssprachlichen Unterrichts für kroatische Schüler_innen, Diskussionsgruppen sowie halbstrukturierte Interviews mit erwachsenen Kroatischsprechenden zu Themen wie Spracherwerb und Sprachbewahrung, zur individuellen Migrationsbiographie und zu Fragen des Sprachgebrauchs und Sprachkontakts. Die Daten wurden soziolinguistisch im Hinblick auf Spracheinstellungen sowie die Selbstwahrnehmung und -positionierung als mehsprachige_r Sprecher_in analysiert. Zudem wurde das Material hinsichtlich kontaktlinguistischer Phänomene in den Bereichen Wortschatz, Morphologie und Syntax untersucht. Die so gewonnenen Einsichten lassen sich mitunter auch auf andere Fälle von Migration und Sprachkontakt übertragen.

Zur Person

Marijana Kresić studierte deutsche und englische Sprache und Literatur an der Leibniz Universität Hannover, wo sie im Jahr 2005 zum Thema «Sprache, Sprechen und Identität» im Fach Germanistische Sprachwissenschaft promovierte. Seit 2009 ist sie am Institut für Linguistik der Universität Zadar tätig, zunächst als Assistenzprofessorin und seit 2014 als außerordentliche Professorin. Von 2010 bis 2013 wurde unter ihrer Leitung das Forschungsprojekt «Transfer als Strategie beim Fremdsprachenlernen» durchgeführt, das von der Kroatischen Stiftung für Wissenschaft (HrZZ) und von der Universität Zadar finanziert wurde. Derzeit ist sie als Partnerin am Forschungsprojekt «Coordinated Research in the Experimental Morphosyntax of South Slavic Languages (EMSS)», (Projektleiter Andrew Nevins, University College London) sowie am internationalen Projekt «Croatian in Contact with other Languages» (Projektleiter: Jim Hlavač, Monash University, Australien) beteiligt. Marijana Kresić forscht und veröffentlicht zu den Themen Zweit- und Tertiärspracherwerb, Mehrsprachigkeit, Deutsch als Fremdsprache, Sprache und Identität sowie zur Kontrastiven Linguistik


Mythen der Mehrsprachigkeit - Prof. Dr. John Peterson

Mehrsprachigkeit als Hindernis? Mehrsprachigkeit als Ressource!
Mythen vs. Fakten zum Thema »Sprache und Migration«

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, WiSe 2017/2018

Um kaum ein anderes Thema ranken sich so viele Mythen wie um die Mehrsprachigkeit, d.h. um das Beherrschen zweier oder mehrerer Sprachen. Da aber das Thema Sprache und Migration – und damit auch Mehrsprachigkeit – inzwischen eine zentrale Rolle in der Diskussion um die Integration hier lebender Menschen mit Migrationshintergrund spielt, ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihm zwingend notwendig geworden: Unser Verständnis der Mehrsprachigkeit bildet die Basis für alle bildungspolitischen Entscheidungen zu diesem Thema, Entscheidungen, die oft weitreichende Folgen haben.

In seinem Vortrag setzt sich Herr Peterson mit einigen dieser Mythen auseinander wie etwa »doppelter Halbsprachigkeit« oder angeblichen »Sprachen ohne Grammatik« und zeigt, warum uns »der gesunde Menschenverstand« oft zu Schlussfolgerungen führt, die aus wissenschaftlicher Sicht unhaltbar und mitunter sogar schädlich sind. Schließlich zeigt er ein Beispiel dafür, wie man Mehrsprachigkeit auch im Klassenzimmer nicht als Hindernis, sondern als Ressource einsetzen kann, um Schülerinnen und Schüler – sowohl mehrsprachige als auch einsprachige – zu motivieren und sprachliche Strukturen zu erläutern.

Zur Person

John Peterson ist Professor für Allgemeine Sprachwissenschaft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Seine Hauptforschungsgebiete sind vor allem Mehrsprachigkeit, Sprachkontaktphänomene sowie die Erforschung der Sprachen Indiens aus verschiedenen Sprachfamilien, die seit Jahrtausenden miteinander in engem Kontakt stehen.

›Papieridentitäten‹ - Prof. Dr. Ruth Mayer

›Papieridentitäten‹. Zur chinesischen Immigrationsgeschichte in den USA, 1890-1930
Prof. Dr. Ruth Mayer (Englisches Seminar)

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, WiSe 2016/17

In diesem Vortrag geht es um Strategien der Identifikation im Kontext von Immigrationsprozessen. Identifikation meint dabei sowohl die Selbstverortung in einer bestimmten Gruppe (also einer Familie, einer community, einem Staat), als auch Techniken der polizeilichen oder legalen Identifizierung (also die Registrierung von Staatsbürgern, die Ausstellung von Pässen oder anderen ›Identitätspapieren‹ etc.). Beide Facetten des Konzepts sind eng miteinander verbunden, wenngleich alles andere als deckungsgleich, und sie sind darüber hinaus komplex mit den Begriffen Geschlecht und Sexualität verknüpft. 

Als ›Fallstudie‹, um die Vielschichtigkeit des Phänomens und seine theoretischen Implikationen in den Griff zu bekommen, dient die Geschichte der chinesischen Immigration in die USA und hier insbesondere die Periode der sogenannten ›Chinese Exclusion‹ (1882-1943). In dieser Phase der amerikanischen Immigrationsgeschichte wurden Fragen der Zugehörigkeit und des Ausschlusses, aber auch der ›Normalität‹ und ›Devianz‹ besonders hitzig debattiert. Gegen die chinesische Immigration wurde dabei prominent der Verdacht ins Feld geführt, chinesische Einwanderer_innen seien unfähig, sich der bürgerlichen Werteordnung der amerikanischen Gesellschaft zu erschließen. Der Vortrag lotet die Parameter dieser historischen Debatte mit Bezug auf ihre unterschiedlichen - literarischen, politischen, sozialen - Resonanzen aus.

Zur Person

Ruth Mayer ist Professorin für American Studies an der Leibniz Universität Hannover. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Globalisierungs- und Transnationalisierungsbewegungen, populäre Serialität sowie Massenkultur und Modernität. Ihre Publikationen umfassen Diaspora (transcript, 2005), die Herausgaben Trans-Pacific Interactions: The United States and China, 1880-1950 (mit Vanessa Künnemann, Palgrave Macmillan, 2009) und Chinatowns in a Transnational World (mit Vanessa Künnemann, Routledge, 2011) sowie Serial Fu Manchu: The Chinese Super-Villain and the Spread of Yellow Peril Ideology (Temple UP 2014).

Schulische Sprachbildung - Dr. Ina Baumann

Schulische Sprachbildung - Organisation, Ziele und Inhalte 

Vortrag und Diskussion in der Pfingstwerkstatt

Schwerpunkte des Vortrages zum Sprachunterricht für geflüchtete Kinder und Jugendliche in Schulen sind die Niedersächsische Landesschulbehörde, ihre Angebote und ihr Verständnis von »Durchgängiger Sprachbildung« sowie die konkrete Organisation von Sprachbildung in Schulen. Weiterhin geht es um die Unterschiede zwischen Deutsch als Fremdsprache und Deutsch als Zweitsprache und um das Thema Mehrsprachigkeit. Der Vortrag wird durch konkrete Tipps und Hinweise zur Unterrichtsplanung ergänzt.

Zur Person

Dr. Ina Baumann hat als Studienrätin 13 Jahre lang in Hannover Deutsch und Englisch unterrichtet, bevor sie im September 2015 die Koordination des neu gegründeten Sprachbildungszentrums Hannover-Stadt (NLSchB) übernahm. Schon von Beginn ihrer Lehrtätigkeit an war sie über Abordnungen an das NLQ und an die Projekte DaZNet und Umbrüche gestalten im Bereich sprachlicher und interkultureller Bildung tätig. Die Promotion erfolgte im Jahre 2015 am Deutschen Seminar der Leibniz Universität Hannover zum Thema interkulturelle Schulentwicklung. 

Sprachkurs als Sprungbrett - Petra Brandes

Der Sprachkurs als Sprungbrett zum Arbeitsmarkt

Werkstatt und Diskussion in der Frühlingswerkstatt

Im Fokus der Werkstatt steht das Projekt AZF3 (Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge), an welchem auch kargah e.V. beteiligt ist. Das Projekt möchte Asylbewerber_innen und Geflüchteten den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern und ihre Perspektiven verbessern. Zu diesem Zweck werden berufsbezogene Sprachkurse und Praktika durchgeführt. In diesem Zusammenhang wird die Arbeitsmarktsituation von Geflüchteten besprochen: Welche Zugänge aber auch Einstiegshürden gibt es? Ab welchem Zeitpunkt darf überhaupt gearbeitet werden? Und welche sprachlichen Eingangsvoraussetzungen müssen erfüllt sein? Außerdem befasst sich die Werkstatt mit dem Verein kargah e.V. und seinen Angeboten im Allgemeinen; ein weiteres Thema ist die Situation in Sprach- und Integrationskursen. Die Veranstaltung wird durch viele praktische Tipps zu Sprachunterricht und Alphabetisierung sowie durch Hinweise zu Lehrwerken abgerundet.

Zum Verein

kargah e.V. auf dem Faustgelände in Linden Nord, Hannover ist ein Verein von und für Migrant_innen aus aller Welt. Seit Gründung im Jahr 1980 ist kargah mit ihren mittlerweile über hundert haupt- und ehrenamtlichen Tätigen zu einem der wichtigsten Bindeglieder in der Stadt und Region gewachsen. Der Verein ist in mehreren Bereichen aktiv, nicht zuletzt hat er umfangreiche Erfahrung in Sprachangeboten für Geflüchtete, neuerdings auch in Flüchtlingswohnheimen.

Zur Person

Petra Maria Brandes, psychosoziale Beraterin mit Zusatzausbildung als pädagogische Mitarbeiterin für alle Schulformen, hat mehrere Jahre in einem Schulzentrum (Haupt- und Realschule) verhaltensauffällige Kinder mit und ohne Migrationshintergrund während des Unterrichts beaufsichtigt und teilweise einzeln in den Fächern Mathe, Deutsch und Englisch beschult sowie Sprachförderkurse gehalten. Seit Herbst 2011 ist sie bei kargah e.V. in verschiedenen Projekten beschäftigt, u.a. im Bereich Nachhilfe und Deutsch als Fremdsprache mit niederschwefligen Sprachkursen und neuerdings im Projekt AZF3 »Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge« tätig.

Sprachlernklassen und Sport - Dr. Steffen Schiedek

Sprachlernklassen und Sport - gemeinsam oder getrennt?

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, WiSe 2016/17

Zu Beginn des Schuljahres 2016/17 existieren in Niedersachsen mehr als 600 Sprachlernklassen. Diese erweitern die bestehende Heterogenität von Lernenden um zusätzliche Dimensionen wie z.B. Sprachkompetenz, Alter und bisherige Schulsozialisation. Der Vortrag soll die Chancen und Grenzen der Integrations- und Spracherwerbsförderung innerhalb eines inklusiven Sportunterrichts aufzeigen. Dazu werden Inhalte und Ergebnisse eines Projektes am Institut für Sportwissenschaft präsentiert:

  • Beschreibung von Projekt und Lehrveranstaltung »Spracherwerb im Sportunterricht von Sprachlernklassen«
  • Erlasslage und Umsetzungsmodelle des Sportunterrichts von Sprachlernklassen in der Stadt Hannover - eine Analyse
  • Qualitätsmerkmale eines spracherwerbsunterstützenden Sportunterrichts
  • Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Unterrichtsfächer

Zur Person

Dr. Steffen Schiedek ist Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Sportwissenschaft. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören digitale Medien und der Umgang mit Heterogenität im Sportunterricht.

Sprachprüfungen & Schreiben - Ketevan Zhorzholiani

(a) Sprachprüfungen für den Hochschulzugang

Informationsbeitrag in der Spätsommerwerkstatt

Eine vorläufige Analyse des Bildungshintergrunds von Asylbeantragenden fördert einen hohen Anteil an Personen zutage, die angeben, vor ihrer Flucht ein Gymnasium oder eine Hochschule besucht zu haben. Dass diese Personen ihre Bildungsbiographien an deutschen Hochschulen fortsetzen, ist durchaus annehmbar und wünschenswert. Doch welche Hürden müssen überwunden und welche sprachlichen Voraussetzungen erfüllt werden, bevor man als Bildungsausländer_in an deutschen Hochschulen zugelassen wird? Die Formate und Niveaustufen der Sprachprüfungen, die für den Hochschulzugang erforderlich sind, werden in diesem Vortrag vorgestellt.

(b) Schreiben in der Fremdsprache bzw. Zweitsprache 

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, WiSe 2016/17

Die Fähigkeit zur selbstständigen Textproduktion stellt für Zweit- und Fremdsprachenlernende eine besonders große Hürde dar, da es neben dem sicheren Umgang mit sprachlichen und grammatischen Mitteln ein hohes Maß an Planung, Elaboriertheit, Kompaktheit und Explizitheit erfordert. Der Schreibprozess umfasst Phasen des Planens, Formulierens und Überprüfens und setzt darüber hinaus Ausdrucks-, Kontextualisierungs-, Antizipations-und Textgestaltungskompetenzen voraus. Die Entwicklung der Schreibkompetenz verläuft dabei vom inhaltsbezogenen, über leserorientierten bis hin zum epistemischen Schreiben. Zu berücksichtigen ist hierbei die Spezifik einzelner Operatoren und Unterschiede zwischen schriftlichem Erzählen, Beschreiben, Argumentieren usw. Für Zweit- und Fremdsprachenlernende ist das selbstständige Produzieren ganzer Texte daher mit doppelter Belastung verbunden, da zu den oben genannten Phasen des Schreibprozesses das Übersetzen hinzukommt. Ein sensibler Umgang mit formalen Fehlern sowie erstsprachenbasierten Textmustern seitens der Lehrkräfte ist für die Ausbildung und Entwicklung der Schreibkompetenz genauso maßgeblich wie methodisch-didaktische Kenntnisse.

Zur Person

Ketevan Zhorzholiani war nach ihrem Germanistikstudium in Kutaissi, Georgien, zunächst als Deutschlehrerin und Lektorin für deutsche Sprache in Kutaissi tätig. Nach ihrer Auswanderung nahm sie ein Promotionsstudium an der Leibniz Universität Hannover auf. Acht Jahre lang war sie Lehrbeauftragte für Deutschkurse an der Universität Hildesheim. Seit fast einem Jahrzehnt wirkt sie als Beraterin für Sprachkurse, Dozentin für DaF/DaZ sowie als Prüfungsbeauftragte für TestDaF und lizenzierte Prüferin für telc B1/B2 an der Volkshochschule Hildesheim. Aktuell konzipiert und führt sie im Projekt LeibnizWerkstatt das Zusatzqualifizierungsangebot DaF/DaZ Werkstatt Plus durch.

Sprachunterricht planen - Tina Otten

Sprachunterricht planen

Vortrag und Workshop in der Reihe »mittwochs um vier«, SoSe 2016

Jemandem etwas beizubringen ist eine ganz schön komplexe Aufgabe: Lehrkräfte legen Lernziel und Unterrichtsinhalte fest, konzipieren und wählen geeignete Materialien (Texte, Arbeitsblätter etc.) aus, definieren passende Methoden und Medien... Das Ziel dieses Blocks ist es, die grundlegenden Schritte bei der Planung von Sprachunterricht kennenzulernen. Dazu setzen wir uns möglichst praxisnah und anwendungsorientiert mit der Frage auseinander, wie sprachliche Lerninhalte vorbereitet, vermittelt und geübt werden können.

Zur Person

Tina Otten hat die Fächer Deutsch, Englisch und Biologie an der Leibniz Universität Hannover studiert und anschließend ihr Referendariat für das Lehramt an Gymnasien absolviert. Seit 2013 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik am Deutschen Seminar der Leibniz Universität Hannover. Seit 2014 arbeitet sie zudem im niedersächsischen Projekt „UMBRÜCHE GESTALTEN. Sprachenförderung und -bildung als integrale Bestandteile innovativer Lehrerbildung in Niedersachsen“.

Sprechen und Schreiben - Prof. Dr. Joachim Grabowski

Sprechen und Schreiben aus psychologischer Sicht

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, SoSe 2017

Der Umgang des Menschen mit der Sprache ist unter anderem eine psychische Fähigkeit, die kognitiven und gedächtnisbezogenen Bedingungen unterliegt. Wie bei allen Fähigkeiten spielen Übung und Automatisierung eine wichtige Rolle für die individuelle Leistungsfähigkeit; das zeigt sich beispielsweise in der Geschwindigkeit oder Störbarkeit der beteiligten Prozesse. Das Erlernen einer neuen Sprache macht uns unter vielen Aspekten wieder zu Anfängern  - mit typischen Konsequenzen. In dem Vortrag werden allgemeine psychologische Prinzipien der menschlichen Sprachproduktion erläutert; anhand aktueller sprachdidaktischer Forschungsergebnisse wird dann für das Schreiben von Texten gezeigt, bei welchen sprachbezogenen Fähigkeiten Jugendliche mit sprachlichem Migrationshintergrund Nachteile haben und bei welchen nicht.

Zur Person

Joachim Grabowski ist Professor für Pädagogische Psychologie und Privatdozent für Germanistische Linguistik an der Leibniz Universität Hannover. Seine aktuellen Forschungsprojekte betreffen die Diagnose und Förderung der Schreibkompetenz in der Sekundarstufe und die Theorie der Sprachproduktion. Zu seinen früheren Arbeitsfeldern gehören u.a. die Raumauffassung des Menschen und das Populärwissen in Quizshows.

Tätigkeitsbezogene Sprachförderung - Ariane Steuber

(a) Sprachförderung an berufsbildenden Schulen 

Vortrag und Diskussion in der Spätsommerwerkstatt

Der Beitrag widmet sich dem Thema Sprachförderung an berufsbildenden Schulen und gibt u.a. einen Einblick in die pädagogische Arbeit in einer Sprachförderklasse. Dabei werden vor allem die Themen Umgang mit heterogenen Lernvoraussetzungen und didaktische Gestaltungsmöglichkeiten für eine handlungs- bzw. tätigkeitsbezogene Sprachförderung näher betrachtet. 

(b) Konzeptionelle Überlegungen zur tätigkeitsbezogenen Sprachförderung

Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, WiSe 2016/17

Für Lernende, die aus verschiedenen Gründen keinen guten Zugang zur Schriftsprache haben, ist es erforderlich, ressourcenorientierte Zugänge zum Sprachlernen zu schaffen. Sie sollten das kommunikative Bewältigungshandeln in konkreten (beruflichen) Anforderungssituationen zum Ausgangspunkt nehmen und sich schrittweise an die Bildungssprache annähern. Im Vortrag werden theoretisch-konzeptionelle Überlegungen für ein solches Konzept einer tätigkeitsbezogenen Sprachförderung dargestellt und anhand von praktischen Beispielen illustriert.

Zur Person

Ariane Steuber ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Leibniz-Prinzip der Leibniz School of Education in der Maßnahme »Diversitätssensibilität in der inklusiven Schule« und Lehrbeauftragte am Deutschen Seminar für das Modul Spracherwerb und Sprachpsychologie. Von 2009-2016 war sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung, Abteilung Sozialpädagogik, der Leibniz Universität Hannover. Zuvor hat sie das erste und zweite Staatsexamen für das Lehramt an berufsbildenden Schulen in der beruflichen Fachrichtung Bautechnik und im Unterrichtsfach Deutsch abgelegt.

Verein und Engagement - Dr. Peyman Javaher-Haghighi

Ein Verein und sein Engagement für Migrations- und Flüchtlingsarbeit:
Niederschwellige Sprachangebote für Geflüchtete

Workshop in Blockveranstaltungen und Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier«, SoSe 2016

Der Vortrag mit Werkstattcharakter teilt sich in theoretische und praktische Teile: Er befasst sich zum einen mit dem Verein kargah e.V., dessen Geschichte, der Arbeit und seinen diversen Angeboten und geht zum anderen auf die aktuelle Situation in Flüchtlingsunterkünften ein. Dabei wird interaktiv ausgelotet, inwieweit Sprachunterricht in diesem Kontext überhaupt möglich ist. Herausgearbeitet wird außerdem, was für eine große Herausforderung das Erlernen einer fremden Sprache im fremden Land für die Geflüchteten bedeutet. Der Vortrag wird durch praktische Tipps für den Umgang mit Geflüchteten abgerundet.

Zur Person

Dr. Peyman Javaher-Haghighi ist beim interkulturellen Verein kargah e.V. für den Bereich Bildung und Qualifizierung zuständig. Er arbeitet seit über 25 Jahren in verschiedenen interkulturellen Projekten, sieben Jahre davon als Lehrbeauftragter und Wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Hannover und Hildesheim. Seine Schwerpunkte sind interkulturelle Arbeit und internationale Beziehungen.

Zum Verein

kargah e.V. auf dem Faustgelände in Linden Nord, Hannover ist ein Verein von und für Migrant_innen aus aller Welt. Seit Gründung im Jahr 1980 ist kargah mit ihren mittlerweile über hundert haupt- und ehrenamtlichen Tätigen zu einem der wichtigsten Bindeglieder in der Stadt und Region gewachsen. Der Verein ist in mehreren Bereichen aktiv, nicht zuletzt hat er umfangreiche Erfahrung in Sprachangeboten für Geflüchtete, neuerdings auch in Flüchtlingswohnheimen.

  • Prof. Dr. Hans Bickes: Durchgängige Sprachbildung

    Prof. Dr. Hans Bickes: Durchgängige Sprachbildung

  • Prof. Dr. Eva-Maria Thüne referiert über Erinnerungsgegenstände

    Prof. Dr. Eva-Maria Thüne - Dinge als Gefährten & Sprachbiographien

  • Vernetzung vor dem Vortrag

    Radhika Natarajan - Anerkennende Sichtbarkeit und unterstützende Sprachangebote

  • Prof. Dr. Marijana Kresić referiert über Migration und Sprachkontakt

    Prof. Dr. Marijana Kresić - Migration und Sprachkontakt

  • Projektmitarbeiterin Radhika Natarajan im Gespräch mit Amerikanistin Prof. Dr. Ruth Mayer

    Prof. Dr. Ruth Mayer - ›Papieridentitäten‹

  • Prof. Dr. Joachim Grabowski und Publikum

    Prof. Dr. Joachim Graboswki - Sprechen und Schreiben aus psychologischer Sicht

  • Dr. Steffen Schiedek (Institut für Sportwissenschaft) hält einen Vortrag über Sportunterricht in Sprachlernklassen

    Dr. Steffen Schiedek - Sprachlernklassen und Sport

  • Ketevan Zhorzholiani hält einen Vortrag über das Schreiben in der Fremdsprache bzw. Zweitsprache

    Ketevan Zhorzholiani - Schreiben in der Fremdsprache

  • Ariane Steuber stellt ihr Konzept einer tätigkeitsbezogenen Sprachförderung vor.

    Ariane Steuber - Tätigkeitsbezogene Sprachförderung

  • Vortrag zu kargah e.V. in der Aprilwerkstatt

    Dr. Peyman Javaher-Haghighi - kargah e.V. - Verein und Engagement

  • Vortrag zum Hochschulzugang für Geflüchtete in der Aprilwerkstatt

    Ludolf von Dassel: Hochschulzugang für Geflüchtete

  • Vortrag zur Alphabetisierung in der Aprilwerkstatt

    Tina Krohn: Alphabetisierung für Anfangende (Beitrag aus der Werkstatt)

  • Oksana Kulikova: Heterogenität und Möglichkeiten der Binnendifferenzierung

    Oksana Kulikova: Heterogenität und Möglichkeiten der Binnendifferenzierung

  • Jana Stoklasa, Hubert Fleddermann und Ulrike Diepenbrock-Akdemir vom Fachsprachenzentrum

    Jana Stoklasa, Hubert Fleddermann und Ulrike Diepenbrock-Akdemir vom Fachsprachenzentrum

  • Wolfgang Mennecke vom Fachsprachenzentrum stellt ein Beispiel für handlungsorientierten Unterricht vor

    Wolfgang Mennecke vom Fachsprachenzentrum stellt ein Beispiel für handlungsorientierten Unterricht vor

  • Söhnke Post: Aufgaben einer Lehrperson in einer Sprachlernklasse

    Söhnke Post: Aufgaben einer Lehrperson in einer Sprachlernklasse

  • Vortrag zu Sprachförderung und Integration durch Sportunterricht in der Spätsommerwerkstatt

    Anna Dehmann & Marius Müller - Sprachförderung und Integration durch Sportunterricht

  • Elvira Koop: Gedanken aus einem Migrant_innenverein

    Elvira Koop: Gedanken aus einem Migrant_innenverein

  • Marie Hoch: Reflexionsbericht Sprachunterricht

    Marie Hoch: Reflexionsbericht Sprachunterricht

  • Siham Schotemeier: Alphabetisierungskurse im Oststadtkrankenhaus

    Siham Schotemeier: Alphabetisierungskurse im Oststadtkrankenhaus

Quicklinks