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»mittwochs um vier«

Dr. Christine Bickes begrüßt die Anwesenden zu ihrem Vortrag über sprachsensiblen Unterricht

22. November 2017: Sprachliche Hürden im deutschen Schulsystem - die Bedeutung sprachsensiblen Unterrichts
Dr. Christine Bickes (Deutsches Seminar)

»In jedem Unterricht geht es auch um Sprache«

Am 22.11.2017 befasste sich Dr. Christine Bickes vom Deutschen Seminar mit sprachlichen Hürden im deutschen Schulsystem, wobei sie sich insbesondere auf die Bedeutung sprachsensiblen Unterrichts konzentrierte.

Nach einer Übersicht über aktuelle Zahlen zum Thema Mehrsprachigkeit an deutschen Schulen ging Frau Dr. Bickes zunächst näher auf sprachliche Register ein. Es ging hierbei vor allem um konzeptionelle Mündlichkeit als Sprache der Nähe im Kontrast zu konzeptioneller Schriftlichkeit als Sprache der Distanz und die generellen Unterschiede zwischen gesprochener und geschriebener Sprache. Darüber hinaus führte der Vortrag anhand eines Beispiels aus dem Segelsport in den Themenbereich der Fachsprachen ein, wobei den Anwesenden veranschaulicht wurde, dass das Nichtbeherrschen eine Fachsprache zu einem Nichtverstehen führt und Laien aus der jeweiligen Diskussion komplett ausschließt.

Bei der Vortragsreihe »mittwochs um vier« wird fleißig mitgeschrieben

Anschließend beschäftigte sich Frau Dr. Bickes mit den Funktionen von Fach- und Bildungssprache. Auf der Makroebene erfüllen diese drei Funktionen: In ihrer kommunikativen Funktion sichern Fach- und Bildungssprache den Wissenstransfer, in ihrer epistemischen Funktion sind sie mit Begriffsbildung und Wissenskonstruktion verbunden und in der sozialsymbolischen Funktion dient das bildungssprachliche Register der (Selbst-)Identifikation als Mitglied einer bildungsnahen Gesellschaft. Auf der Mikroebene dienen Fach- und Bildungssprache u.a. Dingen wie der Differenzierung und Präzisierung, der Verdichtung von Informationen und der argumentativen Klarheit.

Dr. Christine Bickes erläutert anhand eines Beispiels die Charakteristika von Fachsprache

Anhand von Beispielen wurden im Anschluss sprachliche Merkmale von Fach- und Bildungssprache thematisiert. Hierzu gehören natürlich Fachtermini, es finden sich aber auch häufig bestimmte grammatische Konstruktionen, wie etwa Attribute, Passivkonstruktionen oder Konditionalsätze sowie, auf Textebene, die häufige Verwendung etwa von Konnektoren und Wiederholungen zur Sicherstellung der Textkohärenz. All diese Phänomene sorgen dafür, dass Fach- und Bildungssprache schwieriger zu beherrschen sind als die Alltagssprache und dementsprechend in der Schule zu Schwierigkeiten führen können – gerade, aber nicht ausschließlich, bei Schülerinnen und Schülern mit einer anderen Erstsprache als Deutsch und/oder einem bildungsfernen Elternhaus. Hier scheitert das Verständnis von Texten und Aufgaben häufig an der Komplexität der sprachlichen Formulierungen, wie Frau Dr. Bickes anhand von Aufgabenbeispielen anschaulich darlegte.

Das Thema sprachsensibler Unterricht ist für viele Menschen interessant

Schülerinnen und Schüler sind in der Schule mit einer Vielzahl von sprachlichen Anforderungen konfrontiert, die zu den fachlichen Anforderungen hinzukommen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, benötigen wir einen sprachsensiblen Unterricht, der Sprachbildung zur Sache aller Fächer und Jahrgangsstufen macht und Fach- und Bildungssprache thematisiert und vermittelt.

Im Anschluss an den Vortrag wurde wieder einmal angeregt diskutiert, etwa über die Mehrsprachigkeitssituation in Deutschland, ein oft verwirrendes Nebeneinander von Fach- und Alltagssprache und die Tatsache, dass es sehr hilfreich sein kann, etwas über die Herkunftssprachen der Schülerinnen und Schüler zu wissen, um sprachbedingte Herausforderungen zu antizipieren.

(tk)