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»mittwochs um vier«

Startseite von Prof. Dr. Peter Schnecks Präsentation

05. Dezember 2017: Das Recht der Entrechteten: Literatur und die Erfindung der Menschenrechte
Prof. Dr. Peter Schneck (Universität Osnabrück)

»Mit-Gefühl«: Imaginierte Empathie als Grundlage für universale Rechte

Thema des Vortrags am 05.12.2017 waren die Menschenrechte und welche Rolle literarische Texte bei deren »Erfindung« gespielt haben. Unter dem Titel »Das Recht der Entrechteten« beleuchtete Prof. Dr. Peter Schneck, Amerikanist von der Universität Osnabrück, diesen Themenkomplex näher.

Herr Professor Schneck befasste sich in seinem Vortrag mit zwei Grundfragen: »Wo kommt unser Verständnis von Menschenrechten her?« und »Was hat Literatur damit zu tun?« Interessant ist, dass viele Menschen ein instinktives Wissen von dieser speziellen Kategorie von Rechten haben, ohne es explizit äußern zu können.

Prof. Dr. Peter Schneck befasst sich mit der Ideengeschichte der Menschenrechte

Zunächst beleuchtete der Vortrag den internationalen Kontext und die Geschichte der Menschenrechte. Die unmittelbare Beschäftigung mit »Human Rights« begann mit dem Ersten Weltkrieg und gipfelte im Jahr 1948 in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen. Weiterhin wurden die Rolle von Politik und Philosophie auf dem langen Weg bis 1948 besprochen, also die ideengeschichtlichen Hintergründe. Hier sind etwa Texte von John Locke (1690) und Jean-Jacques Rousseau (1762) sowie die amerikanische Declaration of Independece (1776) und die französische Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen von zentraler Bedeutung.

Beim Vortrag über Menschenrechte wird fleißig mitgeschrieben

Anschließend ging Herr Prof. Schneck näher auf den Themenkomplex »Rechtsgefühle« und Literatur ein. Zentrales Muster ist hier ein durch literarische Texte erzeugtes universelles, klassen- und geschlechterübergreifendes »Mit-Gefühl« und die Identifikation mit dargestellten Menschen, deren Autonomie und Rechte eingeschränkt sind und eine damit zusammenhängende Emotionalisierung »natürlicher« Rechte. Diese Identifikation bildet die Grundlage für eine allgemeine Definition von Menschlichkeit. Allerdings, so ein anderer dargestellter Ansatz, vernachlässigt diese Perspektive die Tatsache, dass Individuen immer in eine rechtsstaatliche Ordnung eingebunden seien, was die Grundlage für die Existenz ihrer Rechte sei. Menschenrecht sei demnach das Recht auf die Entwicklung hin zu einer voll ausgebildeten Persönlichkeit, was ohne Kollektive nicht denkbar sei: »Ohne Staaten keine Menschenrechte und keine Personen.«

Konzentriert verfolgt das Publikum den Vortrag von Prof. Dr. Peter Schneck

Im postkolonialen Diskurs schließlich brechen die bisherigen Ideale zunehmend auf und es zeigt sich, dass unsere Vorstellung von Menschenrecht oft völlig leer ist: »Das Recht als Menschenrecht existiert ja offensichtlich gar nicht mehr.«

Ein grundlegendes Problem, das bislang auch nicht endgültig geklärt ist, ist die mangelhafte Repräsentation von »Rechtlosen«, insbesondere von Staatenlosen. »Wir brauchen Brücken«, damit auch diese endlich angemessen berücksichtigt werden, so Herrn Professor Schnecks Fazit.

Im Anschluss an den Vortrag wurde ausgiebig diskutiert, etwa über die Repräsentation der Rechte von Menschen mit Behinderungen in der Literatur, über die Entwicklung und den selektiven Charakter von Empathie und über die formalen Aspekte, welche die Textgattung Roman zur Bearbeitung dieses Themenkomplexes so fruchtbar machen.

(tk)