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»mittwochs um vier«

Das Publikum verfolgt aufmerksam den Vortrag zur Alphabetisierung

01. November 2017: Alphabetisierung in Deutsch als Zweitsprache
Dr. Alexis Feldmeier García (Westfälische Wilhelms-Universität Münster)

»Den Unterricht bitte von der Mündlichkeit aus gestalten!«

Am 01.11.2017 begrüßte die Vortragsreihe »mittwochs um vier« Herrn Dr. Alexis Feldmeier García, Experte für Sprachdidaktik von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, der den Anwesenden eine sehr praxisnahe und interessante Einführung in das Thema Alphabetisierung in der Zweitsprache Deutsch gab.

Unter der Überschrift »Theoretisches« beschäftigte sich der Vortrag zunächst mit Zahlen und Fakten rund um die Themen Analphabetismus, Zweitschriftlernen und Integrationskurse.

Das Publikum verfolgt Dr. Alexis Feldmeier Garcías Vortrag zur Alphabetisierung

Im Anschluss befasste sich der Abschnitt »Methodisches« näher mit Grundlagen zu den Themen Lesen und Lernen in einer fremden Sprache und der besonderen Herausforderung des Umgangs mit lernungewohnten Menschen, die keine oder wenig Schulerfahrung haben und zunächst das »Lernen lernen« müssen. Von besonderem Interesse waren zudem die verschiedenen Typen von Analphabetismus: Während primäre Analphabeten i.d.R. überhaupt nicht zur Schule gegangen sind und dementsprechend weder über Zugang zum Schriftsystem noch über Lernerfahrung verfügen, haben funktionale Analphabeten zwar eine Schule besucht, ihre schriftsprachlichen Kompetenzen sind jedoch nicht ausreichend, um den schriftsprachlichen Anforderungen ihrer Gesellschaft gerecht zu werden. So können sie etwa einzelne Wörter entziffern, das sinnentnehmende Lesen zusammenhängender Texte überfordert sie jedoch. Zweitschriftlernende schließlich sind bereits in einer anderen als der lateinischen Schrift alphabetisiert und benötigen theoretisch lediglich eine Einführung in die hiesige Schrift – in der Praxis kann aber auch unter diesen Menschen natürlich funktionaler Analphabetismus vorkommen, was wiederum einen umfassenderen Sprachunterricht nötig macht. Wichtige Ziele der Förderung sind, neben dem Erlernen des Deutschen als Zweitsprache und des Schriftsystems, auch der Erwerb von konzeptioneller Schriftlichkeit und Lernendenautonomie.

Dr. Alexis Feldmeier erläutert die Probleme der Buchstabiermethode

Weiterhin ging Herr Dr. Feldmeier García näher auf verschiedene Methoden zur Vermittlung der Schriftsprache ein. »Die« perfekte Methode gibt es hierbei nicht, vielmehr werden die verschiedenen Ansätze meist in Kombination verwendet und je nach Bedarf ausgewählt. Generell abzuraten ist jedoch von der Buchstabiermethode, d.h. die Namen der Buchstaben sollten im Unterricht tabu sein.

Beim Vortrag zur Alphabetisierung betrachten die Teilnehmenden einen Beispieltext zum Thema Lesekompetenz

Im Abschnitt »Praxisnahes« schließlich ging es um die Frage, was bei der Planung von konkretem Unterricht zu berücksichtigen ist. In diesem Zusammenhang wurden verschiedene Unterrichtsmethoden, mögliche Problematiken, der Komplex der Fach- und Bildungssprache, der Umgang mit Heterogenität und die damit verbundene Notwendigkeit von Differenzierung sowie die Progression in Bezug auf die Vermittlung mündlicher und schriftlicher Kompetenzen besprochen.

Als Fazit lässt sich festhalten, dass erfolgreicher Zweitsprachunterricht mit Alphabetisierung stets von der Mündlichkeit aus gedacht werden und auf dieser aufbauen muss, denn nur mit einem richtigen Zugang zur Sprache kann auch die Schrift angemessen erlernt werden. Gleichzeitig muss ressourcenorientiert vorgegangen werden, also aufbauend auf dem, was die Teilnehmenden bereits können, statt sich an dem zu orientieren, was sie noch nicht beherrschen.

Im Anschluss an den Vortrag war wie gewohnt Zeit für Nachfragen, Kommentare und Diskussionen. Es entstand eine lebhafte Diskussion über Themen wie die Zusammenhänge zwischen Lese- und Schreibkompetenz, Binnendifferenzierung, verschiedene Unterrichtsmethoden und Lehrwerke. Zudem wurde das Problem der systemischen Rahmenbedingungen diskutiert: So sind die Anforderungen, die von Politik und Öffentlichkeit an die Bildungsinstitutionen gestellt werden, schon allein aus Zeitmangel häufig illusorisch und nicht erfüllbar – ein großer Frustrationsfaktor, für Lernende und Lehrende gleichermaßen.

(tk)