Logo Leibniz Universität Hannover
Logo: Leibniz School of Education
Logo Leibniz Universität Hannover
Logo: Leibniz School of Education
  • Zielgruppen
  • Suche
 

»mittwochs um vier«

Prof. Dr. Kirsten Twelbeck: Koreanisch-amerikanische Literatur

09. Mai 2018: Wem nützt Koreanisch-Amerikanische Literatur?
Prof. Dr. Kirsten Twelbeck (Universität Augsburg)

»Lesen als interkulturelles Erlebnis«

Thema des Vortrags am 09.05.2018 war die Bedeutsamkeit des Lesens, in diesem Fall explizit des Lesens von interkultureller Literatur, was Prof. Dr. Kirsten Twelbeck von der Universität Augsburg anhand des Beispiels der koreanisch-amerikanischen Literatur und ihrer eigenen Forschungen zu diesem Thema besprach.

Der Vortrag verstand sich als »Verteidigung der Geisteswissenschaften« und als Plädoyer für den Wert »abseitiger« Themen. Auf eine Einleitung ins Thema, in deren Rahmen die Vortragende auch auf thematisch passende Ausstellungen in der Bundesrepublik einging, folgte ein Erfahrungsbericht, in dessen Rahmen wir einen intensiven Einblick in Frau Prof. Twelbecks Forschung erhielten.

Aufmerksames Publikum beim Vortrag zu koreanisch-amerikanischer Literatur

Unter der Überschrift »Akademische Moden und Märkte« ging es um die Tatsache, dass Forschungsthemen gewissen Modeströmungen unterworfen sind und nicht unbedingt zu jeder Zeit gleichermaßen auf Gegenliebe, Unterstützung oder auch nur Verständnis stoßen. So war die Vortragende ihrer Zeit damals gewissermaßen ein Stück weit voraus; auch heute sind die von ihr untersuchten Bücher keinem allzu breiten Publikum bekannt, die entsprechende Literatur stellt eine Art »Parallelwelt« dar. Wichtig wäre, sich stärker der Mehrsprachigkeit zu öffnen und der Verengung des wissenschaftlichen Blicks durch den »Ethnic Market« entgegenzuwirken.

Abstract zum Vortrag von Prof. Dr. Kirsten Twelbeck im Flyer der Vortragsreihe

Sogenannte »Ursprungskatastrophen« (wie etwa Rassenunruhen) und Minority Literature können den betroffenen Minderheiten eine Stimme verleihen, fiktionale Literatur kann auch Nuancen aufzeigen, die den westlichen Diskursen verborgen bleiben. Journalisten müssten in diesem Zusammenhang allerdings auch das Perspektivenspektrum der Wissenschaft einbeziehen, statt sich nur auf einzelne, schlimmstenfalls selbsternannte, sogenannte »Experten« zu verlassen. Auch die Ethnisierung durch die Mainstream-Medien ist nicht unproblematisch, sorgt aber immerhin für Sichtbarkeit. Aus Autor_innenperspektive stellt sich die Frage nach dem Stellenwert von »ethnischen Markern«: Wie viel kulturfremdes Material kann ich dem Publikum zumuten?

Prof. Dr. Kirsten Twelbeck: Koreanisch-amerikanische Literatur

Mit Verstehensgrenzen befasste sich der Vortrag unter der Überschrift »Wem nützt Literatur?« In diesem Zusammenhang thematisierte die Vortragende (literaturwissenschaftliche) Forschung als Beitrag zu einer größeren Debatte: Auch bei einem reflektierten Dialog mit Texten, die ihre eigene Andersartigkeit zum Thema machen, bleibt immer ein »unübersetzbarer Rest«. Problematisch ist dies, wenn das Gegenüber von vornherein als »anders« zugrunde gelegt wird – dort, wo uns die Literatur die Grenzen des Verstehens aufzeigt, wird Lesen zur Gemeinschaftsaufgabe. Dies erlebte die auch Vortragende, als ihre Recherchen sie in Kontakt mit koreanischen Migrant_innen in Deutschland brachten. So kann die Literatur ein Anlass für neue Erfahrungen und Begegnungen sein.

Publikum bei Prof. Dr. Kirsten Twelbecks Vortrag

Im Rahmen ihrer Arbeit beschäftigte sich Frau Prof. Twelbeck mit »Formeln, wie man Migration erzählt«. Literatur ist in diesem Kontext ein vielstimmiger Entwurf vor dem Hintergrund von Stereotypen, mit spezifischen literarischen Mitteln und ästhetischer Wirkung. Der im Vortrag im Mittelpunkt stehende Bezugspunkt Korea veränderte sich über die Zeit massiv, verbindende Elemente blieben aber erhalten. So entstanden Anknüpfungspunkte für ein sehr vielfältiges Publikum.

Textbeispiel zu koreanisch-amerikanischer Literatur

Lesen kann also zu einem interkulturellen Erlebnis werden. Die von der Vortragenden untersuchte Literatur stellt Grenzen infrage und inszeniert deren Überwindung, wobei stets ein »kognitiv nicht erfassbarer Restbestand« bleibt. Vieles entfaltet sich erst im Dialog mit den Lesenden, die Literatur hat also eine starke individuelle Komponente. Ambivalenz und Vielstimmigkeit sollten in diesem Zusammenhang als Bereicherung verstanden werden.

Der »Nutzen« der Literatur ist dann also die Offenheit, das Zulassen von Neuem, das Sicheinlassen auf den Text, ein Hinnehmen der Fremdheit auf aktive Weise, aktive Praxen des Lesens. Indem wir an der Vielzahl neuer Verstehensmöglichkeiten scheitern und die durch »interkulturelle Flutung« verursachte Entgrenzung kultureller Normen zulassen, begeben wir uns auf eine »emotionale Erlebnisreise zum eigenen Ich«. So erweitert das Spiel (mit Texten) unsere Facetten, mit Differenzen umzugehen.

(tk)