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»mittwochs um vier«

Beim Vortrag über Menschenrechte

11. Juli 2018: Menschenrechte, »westliche Werte« und Geflüchtete

PD Dr. Eva Kalny (Institut für Didaktik der Demokratie)

»Menschenrechte waren den Siegermächten kein zentrales Anliegen«

Am 11.07.2018 beschloss ein LeibnizWerkstatt-Urgestein die Vortragsreihe für das Sommersemester: PD Dr. Eva Kalny vom Institut für Didaktik der Demokratie beschäftigte sich in ihrem Vortrag mit den Fragen, ob wirklich die viel proklamierten »westlichen Werte« die Grundlage der Menschenrechte sind, und was diese Thematik für Auswirkungen auf Geflüchtete hat.

Aufmerksames Publikum bei PD Dr. Eva Kalnys Vortrag

Eingangs wurde die Basis des Diskurses vorgestellt: Die Menschenrechte von Geflüchteten. Die Debatte geht zurück auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948, die allen Menschen gleiche Rechte zuschreibt, zu denen auch das Recht auf Asyl gehört. Im Jahr 1951 folgte die Genfer Flüchtlingskonvention, die genauer definierte, was man unter Flüchtlingen versteht und welche Rechtsstellung diese haben. Hinzu kamen im Laufe der Zeit weitere wichtige Abkommen, wie etwa die Anti-Folter-Konvention oder die Kinderrechtskonvention.

PD Dr. Eva Kalny vom Institut für Didaktik der Demokratie

Anschließend diskutierte Frau Dr. Kalny die Zusammenhänge zwischen »westlichen Werten« und Menschenrechten auf drei Ebenen: Neben der juristischen Ebene innerhalb der Vereinten Nationen sind hier die europäische Rechtsentwicklung und grundlegende philosophische Diskurse maßgeblich. Auffällig ist, dass die Ausformulierung von Menschenrechten speziell Abgeordneten aus Mittelamerika, der arabischen Welt und China wichtig war – und gerade nicht den »klassischen« westlichen Ländern wie den USA. Und auch in der europäischen Rechtsentwicklung finden sich keine wirklich allgemeinen Rechte, sondern im Grunde stand immer der wohlhabende weiße Mann im Zentrum des Interesses – wie auch in den philosophischen Diskursen. Zudem findet auch immer nur eine selektive Lektüre der Diskurse statt, wenn man versucht, Menschenrechte als westliche Erfindung zu verkaufen. Gegenläufige Tendenzen, etwa rassistischer Natur, werden bewusst ausgeblendet.

Bei PD Dr. Eva Kalnys Vortrag über Menschenrechte, »westliche Werte« und Geflüchtete

Auf diesen Überlegungen aufbauend stellt sich die Frage: Wie werden Menschenrechte und (vermeintlich) westliche Werte und Traditionen an Geflüchtete vermittelt? Welche Werte erfahren sie etwa in persönlicher Interaktion, aber auch auf Behörden oder aus den Medien? Generell lässt sich hier ein hohes Maß an Ablehnung und Gewalt feststellen. Außerdem finden wir oft einen Überlegenheitsgestus in der westlichen Welt vor.

PD Dr. Eva Kalny vom Institut für Didaktik der Demokratie

Als Fazit lässt sich festhalten, dass die These von Menschenrechte als »westlichen Werten« zu kurz greift und viele wichtige Aspekte ausblendet oder gezielt verschleiert. Und der häufig anklingende Überlegenheitsgestus ist per se ein Widerspruch zum Grundgedanken der Menschenrechte, dass alle Menschen gleich sind.

Die Zeit nach dem Vortrag wurde wieder einmal für ausführliches Nachfragen und Diskutieren genutzt. So ging es um Themen wie die Zusammenhänge von Rassismus und Sexismus, den Rechtstatus der verschiedenen Abkommen und um die mangelnde Thematisierung von Menschenrechtsverletzungen in Ländern wie den USA.

(tk)