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Vortragsreihe zu Sprache, Migration und Vielfalt

Symbolbild für die Vortragsreihe »mittwochs um vier« im Wintersemester 2017/2018

Kritische, historische und pädagogische Annäherungen

Als semesterübergreifendes Begleitprogramm bietet die LeibnizWerkstatt eine Veranstaltungsreihe zur Sprache, Migration und Vielfalt an. »mittwochs um vier« richtet sich an Teilnehmende der Blockveranstaltungen des Projekts sowie an alle weiteren Interessierten innerhalb und außerhalb der Leibniz Universität Hannover.

Gewünscht ist eine Vernetzung und ein Austausch unter Erfahrenen und Einsatzwilligen, die sich für Geflüchtete engagieren, sich zur Schnittstelle Migration und Sprachen informieren wollen und einen mehrperspektivischen Zugang anstreben. 

Im Wintersemester 2017/18 sind Referent_innen aus universitären Institutionen der Leibniz Universität Hannover, aus anderen Universitäten der Bundesrepublik sowie von internationalen Universitäten eingeladen. Die Vortragsreihe freut sich auf mehrere Forschende im Bereich Erwerb, Erhalt und Vermittlung von Sprachen, auf Vortragende, die Dolmetschen, Schrifterwerb wie literarischen Ausdruck in der Zweitsprache Deutsch thematisieren, und auf Polito- wie Soziolog_innen mit den Schwerpunkten Demokratiebildung, Migration, sozialen Gedächtnissen bzw. Sozialpsychologie.

Ort: Raum 103 im Conti-Hochhaus (Gebäude 1502) am Königsworther Platz 1.

Alle sind herzlich eingeladen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

  • Flyer und Postkarten der LeibnizWerkstatt

    Flyer und Postkarten der LeibnizWerkstatt

  • Prof. Dr. Paul Mecheril referiert über solidarische Bildung in der globalen Gesellschaft

    Prof. Dr. Paul Mecheril referiert über solidarische Bildung in der globalen Gesellschaft

  • Radhika Natarajan stellt den Anwesenden Bücher von Prof. Dr. Paul Mecheril vor

    Radhika Natarajan stellt den Anwesenden Bücher von Prof. Dr. Paul Mecheril vor

  • Prof. Dr. Paul Mecheril bringt den Anwesenden das Thema Migrationspädagogik nahe

    Prof. Dr. Paul Mecheril bringt den Anwesenden das Thema Migrationspädagogik nahe

  • Radhika Natarajan und Prof. Dr. Paul Mecheril

    Radhika Natarajan und Prof. Dr. Paul Mecheril

  • Das Publikum verfolgt gespannt Prof. Dr. Paul Mecherils Ausführungen

    Das Publikum verfolgt gespannt Prof. Dr. Paul Mecherils Ausführungen

  • Prof. Dr. Julia Gillen referiert über berufliche Aus- und Weiterbildung

    Prof. Dr. Julia Gillen referiert über berufliche Aus- und Weiterbildung

  • Das Publikum verfolgt Prof. Dr. Julia Gillens Beitrag

    Das Publikum verfolgt Prof. Dr. Julia Gillens Beitrag

  • Prof. Dr. Julia Gillen erläutert das deutsche Bildungssystem

    Prof. Dr. Julia Gillen erläutert das deutsche Bildungssystem

  • Interessiertes Publikum beim Beitrag zu Traumafolgestörungen

    Interessiertes Publikum beim Beitrag zu Traumafolgestörungen

  • Christiane Maurer von der Psychologisch-Therapeutischen Beratung für Studierende beim Vortrag über Traumafolgestörungen

    Christiane Maurer von der Psychologisch-Therapeutischen Beratung für Studierende beim Vortrag über Traumafolgestörungen

  • Die Zuhörenden verfolgen aufmerksam Christiane Maurers Beitrag zu Traumafolgestörungen

    Die Zuhörenden verfolgen aufmerksam Christiane Maurers Beitrag zu Traumafolgestörungen

  • Das Publikum verfolgt konzentriert Prof. Dr. Joachim Grabowskis Vortrag zu Sprechen und Schreiben aus psychologischer Sicht

    Das Publikum verfolgt konzentriert Prof. Dr. Joachim Grabowskis Vortrag zu Sprechen und Schreiben aus psychologischer Sicht

  • Vernetzung vor Prof. Dr. Grabowskis Vortrag

    Vernetzung vor Prof. Dr. Grabowskis Vortrag

  • Prof. Dr. Joachim Grabowski erläutert Prozesse der Sprachproduktion

    Prof. Dr. Joachim Grabowski erläutert Prozesse der Sprachproduktion

  • Aufmerksame Teilnehmerinnen bei Prof. Dr. Joachim Grabowskis Vortrag zu Sprechen und Schreiben aus psychologischer Sicht

    Aufmerksame Teilnehmerinnen bei Prof. Dr. Joachim Grabowskis Vortrag zu Sprechen und Schreiben aus psychologischer Sicht

  • Vor Florian Grawans Vortrag zu Integration

    Vor Florian Grawans Vortrag zu Integration

  •  

  • Florian Grawan beim Vortrag über Integration

    Florian Grawan beim Vortrag über Integration

  • Radhika Natarajan zeigt den Anwesenden das in den Deutschkursen des Fachsprachenzentrums verwendete Lehrwerk

    Radhika Natarajan zeigt den Anwesenden das in den Deutschkursen des Fachsprachenzentrums verwendete Lehrwerk

  • Vernetzung vor dem Vortrag des Fachsprachenzentrums

    Vernetzung vor dem Vortrag des Fachsprachenzentrums

  • Das Publikum verfolgt den Vortrag von Mitarbeitenden des Fachsprachenzentrums zu studienvorbereitenden Deutschkursen

    Das Publikum verfolgt den Vortrag von Mitarbeitenden des Fachsprachenzentrums zu studienvorbereitenden Deutschkursen

  • Teilnehmende bei Dr. Ina Rusts Vortrag zu ehrenamtlicher Flüchtlingsarbeit

    Teilnehmende bei Dr. Ina Rusts Vortrag zu ehrenamtlicher Flüchtlingsarbeit

  • Ein Teilnehmer hält Dr. Ina Rusts Präsentation im Bild fest

    Ein Teilnehmer hält Dr. Ina Rusts Präsentation im Bild fest

  • Teilnehmerinnen betrachten die Präsentation von Dr. Ina Rust

    Teilnehmerinnen betrachten die Präsentation von Dr. Ina Rust

  • Teilnehmende bei Radhika Natarajans Vortrag

    Teilnehmende bei Radhika Natarajans Vortrag

  • Das Publikum verfolgt Radhika Natarajans Vortrag zu Flüchtlingsfrauen im Ehrenamt

    Das Publikum verfolgt Radhika Natarajans Vortrag zu Flüchtlingsfrauen im Ehrenamt

  • Radhika Natarajan referiert über Flüchtlingsfrauen

    Radhika Natarajan referiert über Flüchtlingsfrauen

  • Vor dem Vortrag zu religiöser Vielfalt im Unterricht

    Vor dem Vortrag zu religiöser Vielfalt im Unterricht

  • Teilnehmende vor dem Vortrag zu religiöser Diversität im Unterricht

    Teilnehmende vor dem Vortrag zu religiöser Diversität im Unterricht

  • Prof. Dr. Wanda Alberts informiert die Anwesenden zu religiöser Diversität in der Schule

    Prof. Dr. Wanda Alberts informiert die Anwesenden zu religiöser Diversität in der Schule

  • Teilnehmende beim Vortrag zur Sozialpsychologie des Rassismus

    Teilnehmende beim Vortrag zur Sozialpsychologie des Rassismus

  • Prof. Dr. Rolf Pohl über die Sozialpsychologie des Rassismus

    Prof. Dr. Rolf Pohl über die Sozialpsychologie des Rassismus

  • Diskussion nach dem Vortrag zu Diskriminierung

    Diskussion nach dem Vortrag zu Diskriminierung

  • Das Publikum verfolgt Peggy Zanders Vortrag über Diskriminierung

    Das Publikum verfolgt Peggy Zanders Vortrag über Diskriminierung

  • Radhika Natarajan stellt Peggy Zander von der Antidiskriminierungsstelle vor

    Radhika Natarajan stellt Peggy Zander von der Antidiskriminierungsstelle vor

  • Vernetzung vor dem Vortrag

    Vernetzung vor dem Vortrag

  • Das Publikum verfolgt gespannt Prof. Dr. Eva-Maria Thünes Vortrag zu Erinnerungsgegenständen

    Das Publikum verfolgt gespannt Prof. Dr. Eva-Maria Thünes Vortrag zu Erinnerungsgegenständen

  • Teilnehmende beim Vortrag von Prof. Dr. Eva-Maria Thüne

    Teilnehmende beim Vortrag von Prof. Dr. Eva-Maria Thüne

  • Prof. Dr. Eva-Maria Thüne referiert über Erinnerungsgegenstände

    Prof. Dr. Eva-Maria Thüne referiert über Erinnerungsgegenstände

  • Beim Vortrag über Intersektionalität wird ein Video vorgeführt

    Beim Vortrag über Intersektionalität wird ein Video vorgeführt

  • Dr. Catharina Peeck definiert Intersektionalität

    Dr. Catharina Peeck definiert Intersektionalität

  • Vernetzung vor dem Vortrag über Intersektionalität

    Vernetzung vor dem Vortrag über Intersektionalität

  • Zuhörende des Vortrags zu Migration und Sprachkontakt

    Zuhörende des Auftaktvortrags

  • Radhika Natarajan begrüßt die Anwesenden zur Vortragsreihe

    Radhika Natarajan begrüßt die Anwesenden zur Vortragsreihe

  • Prof. Dr. Hans Bickes stellt die Vortragende vor

    Prof. Dr. Hans Bickes stellt Prof. Dr. Marijana Kresić vor

  • Prof. Dr. Marijana Kresić referiert über Migration und Sprachkontakt

    Prof. Dr. Marijana Kresić referiert über Migration und Sprachkontakt

  • Vor dem Vortrag zu Kommunikation und Sprachkontakt kommen die Anwesenden miteinander in Kontakt

    Vor dem Vortrag zu Kommunikation und Sprachkontakt kommen die Anwesenden miteinander in Kontakt

  • »mittwochs um vier«-Poster

    »mittwochs um vier«-Poster

  • Dr. Isabel Sievers hält einen Vortrag über Diversität in der Schule

    16.11.2016: Diversitätssensible Bildungsarbeit - Dr. Isabel Sievers

  • Dr. Isabel Sievers hält einen Vortrag über Diversität in der Schule

    16.11.2016: Diversitätssensible Bildungsarbeit - Dr. Isabel Sievers

  • Prof. Dr. Rolf Pohl hält einen Vortrag über die Sozialpsychologie der Fremdenfeindlichkeit

    23.11.2016: Das ›Eigene‹ und das ›Andere‹ - Prof. Dr. Rolf Pohl

  • »mittwochs um vier«-Flyer

    »mittwochs um vier«-Flyer

  • Prof. Dr. Rolf Pohl hält einen Vortrag über die Sozialpsychologie der Fremdenfeindlichkeit

    23.11.2016: Das ›Eigene‹ und das ›Andere‹ - Prof. Dr. Rolf Pohl

  • Projektmitarbeiterin Radhika Natarajan und Sonderpädagoge Christoph Müller

    Radhika Natarajan und Christoph Müller

  • Teilnehmende bei Christoph Müllers Vortrag zur Traumapädagogik

    30.11.2016: Traumapädagogik - Beitrag aus der Werkstatt

  • Sonderpädagoge Christoph Müller hält einen Vortrag über Psychosoziale Aspekte im Kontext von Zwangsmigration

    30.11.2016: Traumapädagogik - Beitrag aus der Werkstatt

  • Menschenrechtsexpertin und Aktivistin PD Dr. Eva Kalny hält einen Vortrag über die Menschenrechte von Geflüchteten

    07.12.2016: 65 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention - PD Dr. Eva Kalny

  • Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte im Hosentaschenformat

    07.12.2016: 65 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention - PD Dr. Eva Kalny

  • Menschenrechtsexpertin und Aktivistin PD Dr. Eva Kalny hält einen Vortrag über die Menschenrechte von Geflüchteten

    07.12.2016: 65 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention - PD Dr. Eva Kalny

  • Projektmitarbeiterin Radhika Natarajan, Sonderpädagogin Hanna Ehlert und Teilnehmende

    14.12.2016: Kommunikationsstörungen - Beitrag aus der Werkstatt

  • Teilnehmende beim Vortrag von Hanna Ehlert zu Kommunikationsstörungen

    14.12.2016: Kommunikationsstörungen - Beitrag aus der Werkstatt

  • Flyer und Handout zu Kommunikationsstörungen

    Flyer und Handout zu Kommunikationsstörungen

  • Sonderpädagogin Hanna Ehlert hält einen Vortrag über Kommunikationsstörungen bei mehrsprachigen Kindern mit Fluchthintergrund

    14.12.2016: Kommunikationsstörungen - Beitrag aus der Werkstatt

  • Teilnehmende beim Vortrag von Hanna Ehlert zu Kommunikationsstörungen

    14.12.2016: Kommunikationsstörungen - Beitrag aus der Werkstatt

  • Prof. Dr. Eva-Maria Thüne und Teilnehmende bei Vortrag zu Sprachbiographien

    21.12.2016: Sprachbiographien - Prof. Dr. Eva-Maria Thüne

  • Teilnehmende bei Prof. Dr. Eva-Maria Thünes Vortrag zu Sprachbiographien

    21.12.2016: Sprachbiographien - Prof. Dr. Eva-Maria Thüne

  • Prof. Dr. Eva-Maria Thüne hält einen Vortrag über Flucht und Migration als Thema der angewandten Sprachwissenschaft

    21.12.2016: Sprachbiographien - Prof. Dr. Eva-Maria Thüne

  • Projektmitarbeiterin Radhika Natarajan im Gespräch mit Amerikanistin Prof. Dr. Ruth Mayer

    11.01.2017: ›Papieridentitäten‹ - Prof. Dr. Ruth Mayer

  • Veröffentlichungen von Prof. Dr. Ruth Mayer

    11.01.2017 ›Papieridentitäten‹ - Prof. Dr. Ruth Mayer

  • Prof. Dr. Ruth Mayer hält einen Vortrag zur chinesischen Immigrationsgeschichte in den USA

    11.01.2017: ›Papieridentitäten‹ - Prof. Dr. Ruth Mayer

  • Dr. Steffen Schiedek (Institut für Sportwissenschaft) hält einen Vortrag über Sportunterricht in Sprachlernklassen

    18.01.2017: Sprachlernklassen und Sport - Beitrag aus der Werkstatt

  • Teilnehmende bei Dr. Steffen Schiedeks Vortrag zum Sportunterricht in Sprachlernklassen

    18.01.2017: Sprachlernklassen und Sport - Beitrag aus der Werkstatt

  • Dr. Steffen Schiedek (Institut für Sportwissenschaft) hält einen Vortrag über Sportunterricht in Sprachlernklassen

    18.01.2017: Sprachlernklassen und Sport - Beitrag aus der Werkstatt

  • Teilnehmende bei Dr. Steffen Schiedeks Vortrag zum Sportunterricht in Sprachlernklassen

    18.01.2017: Sprachlernklassen und Sport - Beitrag aus der Werkstatt

  • Ariane Steuber stellt ihr Konzept einer tätigkeitsbezogenen Sprachförderung vor.

    25.01.2017: Tätigkeitsbezogene Sprachförderung - Ariane Steuber

  • Teilnehmende bei Ariane Steubers Vortrag zu tätigkeitsbezogener Sprachförderung

    25.01.2017: Tätigkeitsbezogene Sprachförderung - Ariane Steuber

  • Ariane Steuber stellt ihr Konzept einer tätigkeitsbezogenen Sprachförderung vor.

    25.01.2017: Tätigkeitsbezogene Sprachförderung - Ariane Steuber

  • Ketevan Zhorzholiani hält einen Vortrag über das Schreiben in der Fremdsprache bzw. Zweitsprache

    01.02.2017: Schreiben in der Fremdsprache - Beitrag aus der Werkstatt

  • Praxisbeispiel beim Vortrag zum Schreiben in der Fremdsprache bzw. Zweitsprache

    01.02.2017: Schreiben in der Fremdsprache - Beitrag aus der Werkstatt

  • Ketevan Zhorzholiani hält einen Vortrag über das Schreiben in der Fremdsprache bzw. Zweitsprache

    01.02.2017: Schreiben in der Fremdsprache - Beitrag aus der Werkstatt

  • Teilnehmende der Vortragsreihe »mittwochs um vier«

    Teilnehmende der Vortragsreihe »mittwochs um vier«

  • Jun. Prof. David Zimmermann referiert zum Thema Trauma

    Jun. Prof. David Zimmermann

  • Mirko Widdascheck (Refugee Law Clinic Hannover e.V.): Einführung in das Asylrecht

    Mirko Widdascheck (Refugee Law Clinic Hannover e.V.): Einführung in das Asylrecht

  • Vortrag zu kargah e.V.

    Vortrag zu kargah e.V.

  • Marianne Herzog: Der ›sichere Ort‹

    Marianne Herzog: Der ›sichere Ort‹

  • Marianne Herzog: Der ›sichere Ort‹

    Marianne Herzog: Der ›sichere Ort‹

  • Irmhild Schrader: Bilder und Stereotypen

    Irmhild Schrader: Bilder und Stereotypen

  • Teilnehmende der Vortragsreihe »mittwochs um vier«

    Teilnehmende der Vortragsreihe »mittwochs um vier«

  • Prof. Dr. Hans Bickes: Durchgängige Sprachbildung

    Prof. Dr. Hans Bickes: Durchgängige Sprachbildung

  • Prof. Dr. Hans Bickes: Durchgängige Sprachbildung

    Prof. Dr. Hans Bickes: Durchgängige Sprachbildung

Termine Wintersemester 2017/18

Ausklappen

25.10.2017 Mythen der Mehrsprachigkeit - Prof. Dr. John Peterson

Mehrsprachigkeit als Hindernis? Mehrsprachigkeit als Ressource!
Mythen vs. Fakten zum Thema »Sprache und Migration«

Prof. Dr. John Peterson (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)

Um kaum ein anderes Thema ranken sich so viele Mythen wie um die Mehrsprachigkeit, d.h. um das Beherrschen zweier oder mehrerer Sprachen. Da aber das Thema Sprache und Migration – und damit auch Mehrsprachigkeit – inzwischen eine zentrale Rolle in der Diskussion um die Integration hier lebender Menschen mit Migrationshintergrund spielt, ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihm zwingend notwendig geworden: Unser Verständnis der Mehrsprachigkeit bildet die Basis für alle bildungspolitischen Entscheidungen zu diesem Thema, Entscheidungen, die oft weitreichende Folgen haben.

In seinem Vortrag setzt sich Herr Peterson mit einigen dieser Mythen auseinander wie etwa »doppelter Halbsprachigkeit« oder angeblichen »Sprachen ohne Grammatik« und zeigt, warum uns »der gesunde Menschenverstand« oft zu Schlussfolgerungen führt, die aus wissenschaftlicher Sicht unhaltbar und mitunter sogar schädlich sind. Schließlich zeigt er ein Beispiel dafür, wie man Mehrsprachigkeit auch im Klassenzimmer nicht als Hindernis, sondern als Ressource einsetzen kann, um Schülerinnen und Schüler – sowohl mehrsprachige als auch einsprachige – zu motivieren und sprachliche Strukturen zu erläutern.

Zur Person

Prof. Dr. John Peterson ist Professor für Allgemeine Sprachwissenschaft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Seine Hauptforschungsgebiete sind vor allem Mehrsprachigkeit, Sprachkontaktphänomene sowie die Erforschung der Sprachen Indiens aus verschiedenen Sprachfamilien, die seit Jahrtausenden miteinander in engem Kontakt stehen.

01.11.2017 Alphabetisierung in Deutsch als Zweitsprache - Dr. Alexis Feldmeier García

Alphabetisierung in Deutsch als Zweitsprache
Dr. Alexis Feldmeier García (Westfälische Wilhelms-Universität Münster)

Im Vortrag werden grundlegende Überlegungen zur Förderung schriftsprachlicher Kompetenzen neu zugewanderter Lernender besprochen. Es wird auf die Arbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen eingegangen. Ein kurzer Einblick in methodische Zugänge zur Schrift wird gegeben und anhand Lehrwerksbeispiele veranschaulicht.

Zur Person

Dr. Alexis Feldmeier García studierte und promovierte im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache an der Universität Bielefeld. Seit 2011 ist er an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in der Deutschlehrerausbildung (Sprachdidaktik) tätig. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Didaktik zur Alphabetisierung von Menschen mit Migrationshintergrund und in der Förderung von Lernendenautonomie.

08.11.2017 Theater für Gehörlose und Hörende - Dr. Rafael Ugarte Chacón

Ästhetiken des Zugangs - Theater für Gehörlose und Hörende
Dr. Rafael Ugarte Chacón (Institut für Philosophie)

Wie gestaltet man ein Theater, das die körperlichen und kulturellen Unterschiede zwischen Gehörlosen und Hörenden berücksichtigt? Wie wird dabei mit Verständigungsschwierigkeiten umgegangen? Und welche Machtgefälle und Diskriminierungsstrukturen bestehen? Anhand mehrerer Beispiele werden Grenzen und Potentiale interkultureller Aufführungen für Gehörlose und Hörende mit und ohne Migrationshintergrund diskutiert.

Zur Person
Dr. Rafael Ugarte Chacón ist Koordinator des philosophischen Graduiertenkollegs "Integrating Ethics and Epistemology of Scientific Research" (Leibniz Universität Hannover/Universität Bielefeld). Er promovierte am Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin über Theateraufführungen, die sich gleichermaßen an Gehörlose und Hörende richten. Daneben arbeitete er als Regieassistent und Dramaturg in Theaterprojekten mit gehörlosen, schwerhörigen, hörenden und mehrfachbehinderten Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit und ohne Migrationshintergrund.

15.11.2017 Zur Sozialpsychologie des aktuellen Rechtspopulismus - Prof. Dr. Rolf Pohl

Was heißt »postfaktisches Zeitalter«? Zur Sozialpsychologie des aktuellen Rechtspopulismus
Prof. Dr. Rolf Pohl (AG Politische Psychologie)

Populismus entsteht nicht aus dem Nichts, sondern immer im Gefolge ökonomischer Krisen, gesellschaftlicher Umbrüche und von Krisen der repräsentativen Demokratie. Er ist als Massenbewegung von der denunziatorischen Ablehnung von Eliten und Institutionen, einem Anti-Intellektualismus, von verschwörungstheoretischem Denken sowie einer aggressiven Polarisierung und Personalisierung geprägt, die sich vor allem auf den »gesunden Menschenverstand« (common sense) beruft. Damit geht eine starre Betonung des Gegensatzes von einfachem, »reinem« Volk und »korrupter« Elite einher. Wie entstehen solche ressentimentgeleiteten Massenbewegungen, was macht Menschen immer wieder anfällig für populistische Rhetorik und welche Rolle spielt dabei eine gezielte Propaganda, die beispielsweise von der AfD zunehmend selbst als »völkisch« ausgegeben wird? Diesen Fragen wird der Vortrag vor allem aus einer massenpsychologischen Sicht nachgehen.

Zur Person

Prof. Dr. Rolf Pohl war Professor für Sozialpsychologie am Institut für Soziologie an der Leibniz Universität Hannover und befindet sich jetzt im Ruhestand. Er ist außerdem einer der Gründer und Koordinator_innen der Arbeitsgemeinschaft Politische Psychologie. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören im Bereich der Politischen Psychologie die Themen NS-Täter, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit sowie im Bereich der Geschlechterforschung die Themen Männlichkeit, sexuelle Gewalt und männliche Adoleszenz.

22.11.2017 Die Bedeutung sprachsensiblen Unterrichts - Dr. Christine Bickes

Sprachliche Hürden im deutschen Schulsystem - die Bedeutung sprachsensiblen Unterrichts
Dr. Christine Bickes (Deutsches Seminar)

Ergebnisse aus internationalen Schulleistungsstudien wie PISA deuten darauf hin, dass Schüler_innen mit Zuwanderungsgeschichte und/oder aus bildungsfernen Familien im deutschen Schulsystem be­nach­teiligt sind. Ein wichtiger Grund dafür scheint zu sein, dass sie in geringerem Maß über das in der Schule geforderte Register der Fach- und Bildungssprache verfügen. Dieses Register im Unterricht durch ›leichte‹ Sprache zu ersetzen, ist keine Option, denn es ist untrennbar mit Begriffsbildung und der Konstruktion von Wissen verbunden. Darüber hinaus ermöglicht es den Austausch komplexer In­formationen und dient der interdisziplinären Kommunikation zwischen Wissenschaftler_innen. Will man Schüler_innen beim Erwerb von Fach- und Bildungssprache unterstützen, empfiehlt es sich, das Thema Sprachförderung nicht allein Sache des Sprachunterrichts sein zu lassen. Vielmehr sollten in allen Fächern grundsätzlich sowohl die fachlichen als auch die sprachlichen Anforderungen berück­sichtigt werden.

Zur Person

Dr. Christine Bickes ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Seminar der Leibniz Universität Han­nover. Ihre Hauptarbeitsgebiete sind: Sprachwissenschaft, Sprachvergleich, fe­mi­nistische Sprach­kritik, Deutsch als Fremd-, Zweit- und Bil­dungssprache, sprachsensibler Un­terricht. Seit 2014 hat sie im Rahmen des Projekts Umbrüche gestalten (einem Projekt von neun lehramts­ausbildenden niedersäch­sischen Hochschulen) an der Konzeption eines Qualifizierungsan­ge­bots im Bereich Sprach­förderung und Deutsch als Zweitsprache mitgewirkt. Ziel war es, Grundlagen für einen sprachsensiblen Unterricht in heterogenen Klassen für alle Fächerverbindungen zu erarbeiten.

29.11.2017 Migration und Gedächtnis - PD Dr. Gerd Sebald

Migration und Gedächtnis. Überlegungen auf der Basis von Alfred Schütz’ »Der Fremde. Ein sozialpsychologischer Versuch«
PD Dr. Gerd Sebald (Universität Erlangen-Nürnberg)

Einer der klassischen Texte der Migrationssoziologie ist »Der Fremde« von Alfred Schütz. Schütz ist selbst 1938/39 mit seiner Familie in die USA emigriert und analysiert in dem Text die Erfahrung eines Neuankömmlings. In dem Vortrag wird Herr Dr. Gerd Sebald anhand dieses Textes Gedächtnisleistungen und -formen im Migrationsprozess herausarbeiten und auf einige Lücken in Schütz' Analyse hinweisen, die anhand aktueller Studien gefüllt werden sollen.

Zur Person

PD Dr. Gerd Sebald arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der Universität Erlangen. Seine Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Wissenssoziologie, Mediensoziologie und soziale Gedächtnisse. Er ist Redakteur und Herausgeber in der Edition der Alfred Schütz Werkausgabe.

06.12.2017 Literatur und die Erfindung der Menschenrechte - Prof. Dr. Peter Schneck

Das Recht der Entrechteten: Literatur und die Erfindung der Menschenrechte
Prof. Dr. Peter Schneck (Universität Osnabrück)

Die Vorstellung, dass alle Menschen die gleichen grundlegenden und natürlichen Rechte haben, ist weit verbreitet, doch selbstverständlich ist sie deshalb keineswegs. Woher aber kommt dann diese Vorstellung und, noch mehr, das Wissen um tatsächlich existierende rechtliche Bedingungen und Möglichkeiten, diese Rechte einzufordern und wahrzunehmen? Die Geschichte und die Gegenwart der Menschenrechte ist ohne die Herausbildung eines individuellen und kollektiven Rechtsbewusstseins nicht vorstellbar - und an dieser Form Menschenrechtsbildung kann Literatur ein besonderer Anteil zugesprochen werden. Dabei lässt sich die mögliche Wirkung literarischer Werke nicht allein auf die Erzeugung von Mitleid und Einfühlung in den Anderen beschränken; Literatur hat nicht nur affektive und emotionale Funktionen in der Menschenrechtsbildung, sondern eröffnet auch Möglichkeiten der Kritik, der Verhandlung und der Reflexion.

Zur Person
Prof. Dr. Peter Schneck ist Professor für Amerikanistik an der Universität Osnabrück. Seine Forschungsschwerpunkte sind Recht und Literatur, das Verhältnis von Eigentum und Kultur sowie die Untersuchung von Erzählformen als Wissensformen. Seit 2009 leitet er das Osnabrück Summer Institute for the Cultural Study of the Law (OSI).

13.12.2017 Gastarbeiter_innenmigration - Dr. Marta Estévez Grossi

Community Interpreting in Deutschland: eine Lehre aus der Gastarbeiter_innenmigration
Dr. (des.) Marta Estévez Grossi (Romanisches Seminar)

Mit der Unterzeichnung von verschiedenen Anwerbeabkommen mit unterschiedlichen Mittelmeerländern ab dem Jahr 1955 konstituierte sich die BRD de facto als ein Einwanderungsland. Trotz der großen Anzahl von Arbeitsmigrant_innen, die in den nächsten Jahrzehnten nach der BRD kamen, bekannte sich die BRD erst 2000 offiziell als solche. Das erste Zuwanderungsgesetz mit Maßnahmen für die (sprachliche) Integration der Migrant_innen wurde 2005 eingeführt. Diese Maßnahmen sind allerdings stark auf den Spracherwerb der deutschen Sprache fokussiert. Die Tatsache, dass es Personen geben kann, die der deutschen Sprache (noch) nicht mächtig und (vielleicht auf Dauer) auf Sprachmittlung angewiesen sind, wird ausgeblendet. Die Nichtbeteiligung des Aufnahmestaates an der Organisation von Dolmetschdienstleistungen im sozialen Bereich kann allerdings verschiedenen Risiken mit sich bringen.

In diesem Vortrag möchte Frau Grossi auf die sprachliche Situation der Gastarbeiter_innen in der BRD, mit besonderer Berücksichtigung ihres Sprachmittlungsbedarfs, eingehen. Dafür wird exemplarisch die galicische Arbeitsmigration in der Stadt Hannover aus sprachwissenschaftlicher Sicht vorgestellt und ihre sprachmittlerischen Praktiken anhand eines dolmetschwissenschaftlichen Ansatzes erläutert. Die Migrationslinguistik, als Teildisziplin der angewandten Sprachwissenschaft, und das Community Interpreting, als Teildisziplin der Dolmetschwissenschaft und Translatologie, bilden die theoretischen Grundlagen der Analyse.

Obwohl die BRD sich bekanntlich nicht an der Organisation von Sprachmittlungsdiensten beteiligte, wurde dieser sprachmittlerische Bedarf sowohl von den Migrant_innen selbst als auch von einer Reihe von spanischen Institutionen gedeckt. Diese Institutionen, die mit der expliziten Unterstützung des spanischen Regimes Francos agierten, sollten allerdings nicht nur die Migrant_innen in der Migration unterstützen, sondern sie auch ideologisch beeinflussen und überwachen.

Zur Person

Marta Estévez Grossi war nach ihrem übersetzungswissenschaftlichen Studium an der Universität Vigo, Spanien, zunächst als Lektorin für Galicisch an der Freien Universität Berlin tätig. Anschließend war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Stiftung Universität Hildesheim, wo sie 2017 zum Thema »Die galicische Arbeitsmigration in Hannover: Akkulturationsstrategien und Community Interpreting« promovierte. Aktuell ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Romanischen Seminar der Leibniz Universität Hannover und zudem Dozentin bei der jährlichen Schulung für Interkulturelle Dolmetscher_innen der Stadt Braunschweig.

20.12.2017 Überlegungen zur sog. Migrationsliteratur - Prof. Dr. Eva-Maria Thüne

Sprachwandelnde: Überlegungen zur sogenannten Migrationsliteratur
Prof. Dr. Eva-Maria Thüne (Universität Bologna, Italien)

Die stete Zunahme von Texten mehrsprachiger Autor_innen gehört zu den innovativen Tendenzen der deutschen Gegenwartsliteratur. Hierfür hat sich der Begriff Migrationsliteratur eingebürgert. Zur Problematik des Begriffs gehört, dass er sich vor allem auf die erste Generation von Migrant_innen bezieht und ein Ankommen von außen meint. Das trifft für spätere Generationen nicht mehr zu. Autor_innen verschiedener Generationen machen sprachlich-kulturelle Divergenzen und Kontraste produktiv, wobei das Dynamische und Prozesshafte von Sprachgebrauch und -reflexion an verschiedenen Texten mit verschiedenen sprachlichen Verfahren gezeigt wird. Thematisch geht es u.a. um translokale Biographien, Mehrsprachigkeit und neue Perspektivierungen.

Zur Person

Prof. Dr. Eva-Maria Thüne ist Professorin für Deutsche Sprache und Sprachwissenschaft an der Universität Bologna, Italien. Ihre Forschungsinteressen sind Deutsch als Fremdsprache, Soziolinguistik, Gesprächsanalyse und Literatursprache. In ihrem kürzlich gemeinsam mit Simona Leonardi und Anne Betten herausgegebenen Band »Emotionsausdruck und Erzählstrategien in narrativen Interviews. Analysen zu Gesprächsaufnahmen mit jüdischen Migranten.« setzt sie sich mit dem Tod der Eltern im Israel-Korpus auseinander.

11.01.2018 Solidarische Bildung weitergedacht - Prof. Dr. Paul Mecheril

Solidarische Bildung weitergedacht. Migrationspädagogische Überlegungen
Prof. Dr. Paul Mecheril (Center for Migration, Education and Cultural Studies, Universität Oldenburg) 

»Migration« ist ein grundlegendes Kennzeichen der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Die mit Migrationsphänomenen einhergehenden Wandlungsprozesse betreffen hierbei nicht allein spezifische gesellschaftliche Bereiche, sondern vielmehr Strukturen und Prozesse der Gesellschaft im Ganzen. Problembeschreibungen sind hierbei charakteristisch für das Verhältnis von Pädagogik und Migration. In seinem Vortrag möchte Herr Prof. Mecheril zunächst diese Herausforderung genauer skizzieren und anschließend den Ansatz der Migrationspädagogik vorstellen. Migrationspädagogik kann als Einladung zu einer Praxis des Denkens, Sprechens und Handelns verstanden werden, die versucht, Dominanzverhältnisse der Migrationsgesellschaft zu erkennen und Bedingungen zu erkennen, die es möglich machen, dass weniger Dominanz erforderlich ist. Die Frage, was es wohl hieße in der Migrationsgesellschaft gebildet zu sein, steht im Mittelpunkt seines Vortrags. 

Zur Person

Prof. Dr. Paul Mecheril lehrt am Institut für Pädagogik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und ist Direktor des Center for Migration, Education and Cultural Studies. An der Universität Münster promovierte er in Psychologie, an der Universität Bielefeld habilitierte er sich im Fach Erziehungswissenschaft. Er beschäftigt sich unter anderem mit dem Verhältnis von Zugehörigkeitsordnungen und Bildung. 

Achtung: Der Vortrag findet am Donnerstag statt!

17.01.2018 Ethnizität als reale Fiktion - PD Dr. Nina Clara Tiesler

Ethnizität als reale Fiktion – Diskursive Konstruktionen mit gesellschaftlicher Wirkungsmacht
PD Dr. Nina Clara Tiesler (Institut für Soziologie)

Die Wortschöpfung »ethnische Konflikte« kolportiert, dass Ethnizität Gewalt produzieren würde. Spätestens seit der fundierten Analyse des Bosnien Konflikts wissen wir, dass es sich andersherum verhält: Hier produzierte die Erfahrung von Gewalt Ethnizität. Was also ist Ethnizität? In der diskursiven Konstruktion gesellschaftlicher Gruppierungen und Großgruppen werden  Herrschaftsverhältnisse und Etablierten-Außenseiter-Konfigurationen sichtbar. Gerade die prominenteste Form von Identitätspolitik, nämlich Ethnizität, organisiert dabei - wie auch immer definierte - »kulturelle« Unterschiede in Mustern sozialer Ungleichheit. Während die Entstehung und wechselnde Formen von Ethnizität gesellschaftlich konstruiert, situativ und historischen Zufällen unterworfen sind, haben ethnisierende Identitätspolitiken doch eine objektive Wirkungsmacht - und können im Alltagsbewusstsein in Zeiten von Traditionsverlust die Funktion einer Sinnplombe erfüllen.

Zur Person

PD Dr. Nina Clara Tiesler promovierte in Religionswissenschaft über Muslim_innen in Europa und Identitätspolitik (Hannover 2004) und war im Anschluss daran zehn Jahre am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Lissabon in der empirischen (Feld-)Forschung tätig. Seit 2013 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsbereich Soziologische Theorie an der Leibniz Universität Hannover und habilitierte sich 2015 in der Soziologie und Kulturanthropologie mit einer Arbeit über die Entstehung von Ethnizität.

24.01.2018 Metaphern in der Migration - Prof. Dr. Simona Leonardi

Metaphern in der Migration: Analyse narrativer Interviews mit deutschsprachigen Emigrant_innen aus Nazi-Deutschland
Prof. Dr. Simona Leonardi (Universität Neapel)

Die Grundlage des Vortrags bilden narrative Interviews mit jüdischen Emigrant_innen aus deutschsprachigen Gebieten Europas, die meistens in den 1930er Jahren nach Palästina auswanderten. Es wird der Frage nachgegangen, wie die mit der Erfahrung der Migration zusammenhängenden Erlebnisse der Bindungen bzw. der Brüche in der eigenen Lebensgeschichte und die damit verbundene Frage nach der Identität häufig durch metaphorische Formulierungen zum Ausdruck gebracht werden. Eine Metaphernanalyse soll dabei helfen, auf verschiedene Facetten der narrativen Identitätskonstruktion zu fokussieren, Facetten, die in den Interviews nicht immer bewusst gesteuert werden. Darüber hinaus soll untersucht werden, inwieweit Metaphern für die Kodierung emotional beladener Äußerungen verwendet werden, d.h. wie sie zum Emotionspotential der Texte beitragen.

Zur Person

Prof. Dr. Simona Leonardi studierte Germanistik und Anglistik in Pisa, Saarbrücken und Marburg; Promotion in Germanischer Philologie, Florenz 2000. Seit 2002 ist sie Professorin für Germanische Philologie an der Universität Federico II, Neapel. Neben Historischer Semantik und Pragmatik sind ihre Forschungsschwerpunkte Metaphernanalyse und Gesprächsanalyse, v.a. in den mündlichen Erzählungen aus Bettens Interviewkorpus »Emigrantendeutsch in Israel«. 2016 ist der von Anne Betten, Eva-Maria Thüne und ihr herausgegebene Sammelband  »Emotionsausdruck und Erzählstrategien in narrativen Interviews« erschienen, dessen Beiträge sich auf dieses Korpus beziehen.

31.01.2018 Inclusive Citizenship Education - Prof. Dr. Dirk Lange

Inclusive Citizenship Education. Politische Bildung in der Migrationsgesellschaft
Prof. Dr. Dirk Lange (Institut für Didaktik der Demokratie)

Aktuelle gesellschaftliche Veränderungen stellen die politische Bildung vor große Herausforderungen. Neben der Frage des Umgangs mit dem Thema Flucht und Migration gibt es auch Veränderungen in anderen Bereichen, wie etwa die Frage der gesellschaftlichen Teilhabe von behinderten Menschen oder des Umgangs mit sozialer Ungleichheit. Die »Inclusive Citizenship Education« stellt einen Versuch dar, eine Perspektive für Forschung und Praxis der politischen Bildung zu entwickeln, in der diesen Herausforderungen begegnet werden kann.

Zur Person

Prof. Dr. Dirk Lange lehrt Didaktik der Politischen Bildung an den Universitäten Wien und Hannover. Er ist Direktor des Instituts für Didaktik der Demokratie (IDD). Neben den Forschungskonzepten »Bürgerbewusstsein« und »Inclusive Citizenship« liegen aktuelle Arbeitsschwerpunkte im Feld der Demokratiebildung, Historisch-politischen Didaktik und Migrationspolitischen Bildung.

25.10.2017 Mythen der Mehrsprachigkeit - Prof. Dr. John Peterson

Mehrsprachigkeit als Hindernis? Mehrsprachigkeit als Ressource!
Mythen vs. Fakten zum Thema »Sprache und Migration«

Prof. Dr. John Peterson (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)

Um kaum ein anderes Thema ranken sich so viele Mythen wie um die Mehrsprachigkeit, d.h. um das Beherrschen zweier oder mehrerer Sprachen. Da aber das Thema Sprache und Migration – und damit auch Mehrsprachigkeit – inzwischen eine zentrale Rolle in der Diskussion um die Integration hier lebender Menschen mit Migrationshintergrund spielt, ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihm zwingend notwendig geworden: Unser Verständnis der Mehrsprachigkeit bildet die Basis für alle bildungspolitischen Entscheidungen zu diesem Thema, Entscheidungen, die oft weitreichende Folgen haben.

In seinem Vortrag setzt sich Herr Peterson mit einigen dieser Mythen auseinander wie etwa »doppelter Halbsprachigkeit« oder angeblichen »Sprachen ohne Grammatik« und zeigt, warum uns »der gesunde Menschenverstand« oft zu Schlussfolgerungen führt, die aus wissenschaftlicher Sicht unhaltbar und mitunter sogar schädlich sind. Schließlich zeigt er ein Beispiel dafür, wie man Mehrsprachigkeit auch im Klassenzimmer nicht als Hindernis, sondern als Ressource einsetzen kann, um Schülerinnen und Schüler – sowohl mehrsprachige als auch einsprachige – zu motivieren und sprachliche Strukturen zu erläutern.

Zur Person

Prof. Dr. John Peterson ist Professor für Allgemeine Sprachwissenschaft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Seine Hauptforschungsgebiete sind vor allem Mehrsprachigkeit, Sprachkontaktphänomene sowie die Erforschung der Sprachen Indiens aus verschiedenen Sprachfamilien, die seit Jahrtausenden miteinander in engem Kontakt stehen.

01.11.2017 Alphabetisierung in Deutsch als Zweitsprache - Dr. Alexis Feldmeier García

Alphabetisierung in Deutsch als Zweitsprache
Dr. Alexis Feldmeier García (Westfälische Wilhelms-Universität Münster)

Im Vortrag werden grundlegende Überlegungen zur Förderung schriftsprachlicher Kompetenzen neu zugewanderter Lernender besprochen. Es wird auf die Arbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen eingegangen. Ein kurzer Einblick in methodische Zugänge zur Schrift wird gegeben und anhand Lehrwerksbeispiele veranschaulicht.

Zur Person

Dr. Alexis Feldmeier García studierte und promovierte im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache an der Universität Bielefeld. Seit 2011 ist er an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in der Deutschlehrerausbildung (Sprachdidaktik) tätig. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Didaktik zur Alphabetisierung von Menschen mit Migrationshintergrund und in der Förderung von Lernendenautonomie.

08.11.2017 Theater für Gehörlose und Hörende - Dr. Rafael Ugarte Chacón

Ästhetiken des Zugangs - Theater für Gehörlose und Hörende
Dr. Rafael Ugarte Chacón (Institut für Philosophie)

Wie gestaltet man ein Theater, das die körperlichen und kulturellen Unterschiede zwischen Gehörlosen und Hörenden berücksichtigt? Wie wird dabei mit Verständigungsschwierigkeiten umgegangen? Und welche Machtgefälle und Diskriminierungsstrukturen bestehen? Anhand mehrerer Beispiele werden Grenzen und Potentiale interkultureller Aufführungen für Gehörlose und Hörende mit und ohne Migrationshintergrund diskutiert.

Zur Person
Dr. Rafael Ugarte Chacón ist Koordinator des philosophischen Graduiertenkollegs "Integrating Ethics and Epistemology of Scientific Research" (Leibniz Universität Hannover/Universität Bielefeld). Er promovierte am Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin über Theateraufführungen, die sich gleichermaßen an Gehörlose und Hörende richten. Daneben arbeitete er als Regieassistent und Dramaturg in Theaterprojekten mit gehörlosen, schwerhörigen, hörenden und mehrfachbehinderten Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit und ohne Migrationshintergrund.

15.11.2017 Zur Sozialpsychologie des aktuellen Rechtspopulismus - Prof. Dr. Rolf Pohl

Was heißt »postfaktisches Zeitalter«? Zur Sozialpsychologie des aktuellen Rechtspopulismus
Prof. Dr. Rolf Pohl (AG Politische Psychologie)

Populismus entsteht nicht aus dem Nichts, sondern immer im Gefolge ökonomischer Krisen, gesellschaftlicher Umbrüche und von Krisen der repräsentativen Demokratie. Er ist als Massenbewegung von der denunziatorischen Ablehnung von Eliten und Institutionen, einem Anti-Intellektualismus, von verschwörungstheoretischem Denken sowie einer aggressiven Polarisierung und Personalisierung geprägt, die sich vor allem auf den »gesunden Menschenverstand« (common sense) beruft. Damit geht eine starre Betonung des Gegensatzes von einfachem, »reinem« Volk und »korrupter« Elite einher. Wie entstehen solche ressentimentgeleiteten Massenbewegungen, was macht Menschen immer wieder anfällig für populistische Rhetorik und welche Rolle spielt dabei eine gezielte Propaganda, die beispielsweise von der AfD zunehmend selbst als »völkisch« ausgegeben wird? Diesen Fragen wird der Vortrag vor allem aus einer massenpsychologischen Sicht nachgehen.

Zur Person

Prof. Dr. Rolf Pohl war Professor für Sozialpsychologie am Institut für Soziologie an der Leibniz Universität Hannover und befindet sich jetzt im Ruhestand. Er ist außerdem einer der Gründer und Koordinator_innen der Arbeitsgemeinschaft Politische Psychologie. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören im Bereich der Politischen Psychologie die Themen NS-Täter, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit sowie im Bereich der Geschlechterforschung die Themen Männlichkeit, sexuelle Gewalt und männliche Adoleszenz.

22.11.2017 Die Bedeutung sprachsensiblen Unterrichts - Dr. Christine Bickes

Sprachliche Hürden im deutschen Schulsystem - die Bedeutung sprachsensiblen Unterrichts
Dr. Christine Bickes (Deutsches Seminar)

Ergebnisse aus internationalen Schulleistungsstudien wie PISA deuten darauf hin, dass Schüler_innen mit Zuwanderungsgeschichte und/oder aus bildungsfernen Familien im deutschen Schulsystem be­nach­teiligt sind. Ein wichtiger Grund dafür scheint zu sein, dass sie in geringerem Maß über das in der Schule geforderte Register der Fach- und Bildungssprache verfügen. Dieses Register im Unterricht durch ›leichte‹ Sprache zu ersetzen, ist keine Option, denn es ist untrennbar mit Begriffsbildung und der Konstruktion von Wissen verbunden. Darüber hinaus ermöglicht es den Austausch komplexer In­formationen und dient der interdisziplinären Kommunikation zwischen Wissenschaftler_innen. Will man Schüler_innen beim Erwerb von Fach- und Bildungssprache unterstützen, empfiehlt es sich, das Thema Sprachförderung nicht allein Sache des Sprachunterrichts sein zu lassen. Vielmehr sollten in allen Fächern grundsätzlich sowohl die fachlichen als auch die sprachlichen Anforderungen berück­sichtigt werden.

Zur Person

Dr. Christine Bickes ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Seminar der Leibniz Universität Han­nover. Ihre Hauptarbeitsgebiete sind: Sprachwissenschaft, Sprachvergleich, fe­mi­nistische Sprach­kritik, Deutsch als Fremd-, Zweit- und Bil­dungssprache, sprachsensibler Un­terricht. Seit 2014 hat sie im Rahmen des Projekts Umbrüche gestalten (einem Projekt von neun lehramts­ausbildenden niedersäch­sischen Hochschulen) an der Konzeption eines Qualifizierungsan­ge­bots im Bereich Sprach­förderung und Deutsch als Zweitsprache mitgewirkt. Ziel war es, Grundlagen für einen sprachsensiblen Unterricht in heterogenen Klassen für alle Fächerverbindungen zu erarbeiten.

29.11.2017 Migration und Gedächtnis - PD Dr. Gerd Sebald

Migration und Gedächtnis. Überlegungen auf der Basis von Alfred Schütz’ »Der Fremde. Ein sozialpsychologischer Versuch«
PD Dr. Gerd Sebald (Universität Erlangen-Nürnberg)

Einer der klassischen Texte der Migrationssoziologie ist »Der Fremde« von Alfred Schütz. Schütz ist selbst 1938/39 mit seiner Familie in die USA emigriert und analysiert in dem Text die Erfahrung eines Neuankömmlings. In dem Vortrag wird Herr Dr. Gerd Sebald anhand dieses Textes Gedächtnisleistungen und -formen im Migrationsprozess herausarbeiten und auf einige Lücken in Schütz' Analyse hinweisen, die anhand aktueller Studien gefüllt werden sollen.

Zur Person

PD Dr. Gerd Sebald arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der Universität Erlangen. Seine Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Wissenssoziologie, Mediensoziologie und soziale Gedächtnisse. Er ist Redakteur und Herausgeber in der Edition der Alfred Schütz Werkausgabe.

06.12.2017 Literatur und die Erfindung der Menschenrechte - Prof. Dr. Peter Schneck

Das Recht der Entrechteten: Literatur und die Erfindung der Menschenrechte
Prof. Dr. Peter Schneck (Universität Osnabrück)

Die Vorstellung, dass alle Menschen die gleichen grundlegenden und natürlichen Rechte haben, ist weit verbreitet, doch selbstverständlich ist sie deshalb keineswegs. Woher aber kommt dann diese Vorstellung und, noch mehr, das Wissen um tatsächlich existierende rechtliche Bedingungen und Möglichkeiten, diese Rechte einzufordern und wahrzunehmen? Die Geschichte und die Gegenwart der Menschenrechte ist ohne die Herausbildung eines individuellen und kollektiven Rechtsbewusstseins nicht vorstellbar - und an dieser Form Menschenrechtsbildung kann Literatur ein besonderer Anteil zugesprochen werden. Dabei lässt sich die mögliche Wirkung literarischer Werke nicht allein auf die Erzeugung von Mitleid und Einfühlung in den Anderen beschränken; Literatur hat nicht nur affektive und emotionale Funktionen in der Menschenrechtsbildung, sondern eröffnet auch Möglichkeiten der Kritik, der Verhandlung und der Reflexion.

Zur Person
Prof. Dr. Peter Schneck ist Professor für Amerikanistik an der Universität Osnabrück. Seine Forschungsschwerpunkte sind Recht und Literatur, das Verhältnis von Eigentum und Kultur sowie die Untersuchung von Erzählformen als Wissensformen. Seit 2009 leitet er das Osnabrück Summer Institute for the Cultural Study of the Law (OSI).

13.12.2017 Gastarbeiter_innenmigration - Dr. Marta Estévez Grossi

Community Interpreting in Deutschland: eine Lehre aus der Gastarbeiter_innenmigration
Dr. (des.) Marta Estévez Grossi (Romanisches Seminar)

Mit der Unterzeichnung von verschiedenen Anwerbeabkommen mit unterschiedlichen Mittelmeerländern ab dem Jahr 1955 konstituierte sich die BRD de facto als ein Einwanderungsland. Trotz der großen Anzahl von Arbeitsmigrant_innen, die in den nächsten Jahrzehnten nach der BRD kamen, bekannte sich die BRD erst 2000 offiziell als solche. Das erste Zuwanderungsgesetz mit Maßnahmen für die (sprachliche) Integration der Migrant_innen wurde 2005 eingeführt. Diese Maßnahmen sind allerdings stark auf den Spracherwerb der deutschen Sprache fokussiert. Die Tatsache, dass es Personen geben kann, die der deutschen Sprache (noch) nicht mächtig und (vielleicht auf Dauer) auf Sprachmittlung angewiesen sind, wird ausgeblendet. Die Nichtbeteiligung des Aufnahmestaates an der Organisation von Dolmetschdienstleistungen im sozialen Bereich kann allerdings verschiedenen Risiken mit sich bringen.

In diesem Vortrag möchte Frau Grossi auf die sprachliche Situation der Gastarbeiter_innen in der BRD, mit besonderer Berücksichtigung ihres Sprachmittlungsbedarfs, eingehen. Dafür wird exemplarisch die galicische Arbeitsmigration in der Stadt Hannover aus sprachwissenschaftlicher Sicht vorgestellt und ihre sprachmittlerischen Praktiken anhand eines dolmetschwissenschaftlichen Ansatzes erläutert. Die Migrationslinguistik, als Teildisziplin der angewandten Sprachwissenschaft, und das Community Interpreting, als Teildisziplin der Dolmetschwissenschaft und Translatologie, bilden die theoretischen Grundlagen der Analyse.

Obwohl die BRD sich bekanntlich nicht an der Organisation von Sprachmittlungsdiensten beteiligte, wurde dieser sprachmittlerische Bedarf sowohl von den Migrant_innen selbst als auch von einer Reihe von spanischen Institutionen gedeckt. Diese Institutionen, die mit der expliziten Unterstützung des spanischen Regimes Francos agierten, sollten allerdings nicht nur die Migrant_innen in der Migration unterstützen, sondern sie auch ideologisch beeinflussen und überwachen.

Zur Person

Marta Estévez Grossi war nach ihrem übersetzungswissenschaftlichen Studium an der Universität Vigo, Spanien, zunächst als Lektorin für Galicisch an der Freien Universität Berlin tätig. Anschließend war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Stiftung Universität Hildesheim, wo sie 2017 zum Thema »Die galicische Arbeitsmigration in Hannover: Akkulturationsstrategien und Community Interpreting« promovierte. Aktuell ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Romanischen Seminar der Leibniz Universität Hannover und zudem Dozentin bei der jährlichen Schulung für Interkulturelle Dolmetscher_innen der Stadt Braunschweig.

20.12.2017 Überlegungen zur sog. Migrationsliteratur - Prof. Dr. Eva-Maria Thüne

Sprachwandelnde: Überlegungen zur sogenannten Migrationsliteratur
Prof. Dr. Eva-Maria Thüne (Universität Bologna, Italien)

Die stete Zunahme von Texten mehrsprachiger Autor_innen gehört zu den innovativen Tendenzen der deutschen Gegenwartsliteratur. Hierfür hat sich der Begriff Migrationsliteratur eingebürgert. Zur Problematik des Begriffs gehört, dass er sich vor allem auf die erste Generation von Migrant_innen bezieht und ein Ankommen von außen meint. Das trifft für spätere Generationen nicht mehr zu. Autor_innen verschiedener Generationen machen sprachlich-kulturelle Divergenzen und Kontraste produktiv, wobei das Dynamische und Prozesshafte von Sprachgebrauch und -reflexion an verschiedenen Texten mit verschiedenen sprachlichen Verfahren gezeigt wird. Thematisch geht es u.a. um translokale Biographien, Mehrsprachigkeit und neue Perspektivierungen.

Zur Person

Prof. Dr. Eva-Maria Thüne ist Professorin für Deutsche Sprache und Sprachwissenschaft an der Universität Bologna, Italien. Ihre Forschungsinteressen sind Deutsch als Fremdsprache, Soziolinguistik, Gesprächsanalyse und Literatursprache. In ihrem kürzlich gemeinsam mit Simona Leonardi und Anne Betten herausgegebenen Band »Emotionsausdruck und Erzählstrategien in narrativen Interviews. Analysen zu Gesprächsaufnahmen mit jüdischen Migranten.« setzt sie sich mit dem Tod der Eltern im Israel-Korpus auseinander.

11.01.2018 Solidarische Bildung weitergedacht - Prof. Dr. Paul Mecheril

Solidarische Bildung weitergedacht. Migrationspädagogische Überlegungen
Prof. Dr. Paul Mecheril (Center for Migration, Education and Cultural Studies, Universität Oldenburg) 

»Migration« ist ein grundlegendes Kennzeichen der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Die mit Migrationsphänomenen einhergehenden Wandlungsprozesse betreffen hierbei nicht allein spezifische gesellschaftliche Bereiche, sondern vielmehr Strukturen und Prozesse der Gesellschaft im Ganzen. Problembeschreibungen sind hierbei charakteristisch für das Verhältnis von Pädagogik und Migration. In seinem Vortrag möchte Herr Prof. Mecheril zunächst diese Herausforderung genauer skizzieren und anschließend den Ansatz der Migrationspädagogik vorstellen. Migrationspädagogik kann als Einladung zu einer Praxis des Denkens, Sprechens und Handelns verstanden werden, die versucht, Dominanzverhältnisse der Migrationsgesellschaft zu erkennen und Bedingungen zu erkennen, die es möglich machen, dass weniger Dominanz erforderlich ist. Die Frage, was es wohl hieße in der Migrationsgesellschaft gebildet zu sein, steht im Mittelpunkt seines Vortrags. 

Zur Person

Prof. Dr. Paul Mecheril lehrt am Institut für Pädagogik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und ist Direktor des Center for Migration, Education and Cultural Studies. An der Universität Münster promovierte er in Psychologie, an der Universität Bielefeld habilitierte er sich im Fach Erziehungswissenschaft. Er beschäftigt sich unter anderem mit dem Verhältnis von Zugehörigkeitsordnungen und Bildung. 

Achtung: Der Vortrag findet am Donnerstag statt!

17.01.2018 Ethnizität als reale Fiktion - PD Dr. Nina Clara Tiesler

Ethnizität als reale Fiktion – Diskursive Konstruktionen mit gesellschaftlicher Wirkungsmacht
PD Dr. Nina Clara Tiesler (Institut für Soziologie)

Die Wortschöpfung »ethnische Konflikte« kolportiert, dass Ethnizität Gewalt produzieren würde. Spätestens seit der fundierten Analyse des Bosnien Konflikts wissen wir, dass es sich andersherum verhält: Hier produzierte die Erfahrung von Gewalt Ethnizität. Was also ist Ethnizität? In der diskursiven Konstruktion gesellschaftlicher Gruppierungen und Großgruppen werden  Herrschaftsverhältnisse und Etablierten-Außenseiter-Konfigurationen sichtbar. Gerade die prominenteste Form von Identitätspolitik, nämlich Ethnizität, organisiert dabei - wie auch immer definierte - »kulturelle« Unterschiede in Mustern sozialer Ungleichheit. Während die Entstehung und wechselnde Formen von Ethnizität gesellschaftlich konstruiert, situativ und historischen Zufällen unterworfen sind, haben ethnisierende Identitätspolitiken doch eine objektive Wirkungsmacht - und können im Alltagsbewusstsein in Zeiten von Traditionsverlust die Funktion einer Sinnplombe erfüllen.

Zur Person

PD Dr. Nina Clara Tiesler promovierte in Religionswissenschaft über Muslim_innen in Europa und Identitätspolitik (Hannover 2004) und war im Anschluss daran zehn Jahre am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Lissabon in der empirischen (Feld-)Forschung tätig. Seit 2013 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsbereich Soziologische Theorie an der Leibniz Universität Hannover und habilitierte sich 2015 in der Soziologie und Kulturanthropologie mit einer Arbeit über die Entstehung von Ethnizität.

24.01.2018 Metaphern in der Migration - Prof. Dr. Simona Leonardi

Metaphern in der Migration: Analyse narrativer Interviews mit deutschsprachigen Emigrant_innen aus Nazi-Deutschland
Prof. Dr. Simona Leonardi (Universität Neapel)

Die Grundlage des Vortrags bilden narrative Interviews mit jüdischen Emigrant_innen aus deutschsprachigen Gebieten Europas, die meistens in den 1930er Jahren nach Palästina auswanderten. Es wird der Frage nachgegangen, wie die mit der Erfahrung der Migration zusammenhängenden Erlebnisse der Bindungen bzw. der Brüche in der eigenen Lebensgeschichte und die damit verbundene Frage nach der Identität häufig durch metaphorische Formulierungen zum Ausdruck gebracht werden. Eine Metaphernanalyse soll dabei helfen, auf verschiedene Facetten der narrativen Identitätskonstruktion zu fokussieren, Facetten, die in den Interviews nicht immer bewusst gesteuert werden. Darüber hinaus soll untersucht werden, inwieweit Metaphern für die Kodierung emotional beladener Äußerungen verwendet werden, d.h. wie sie zum Emotionspotential der Texte beitragen.

Zur Person

Prof. Dr. Simona Leonardi studierte Germanistik und Anglistik in Pisa, Saarbrücken und Marburg; Promotion in Germanischer Philologie, Florenz 2000. Seit 2002 ist sie Professorin für Germanische Philologie an der Universität Federico II, Neapel. Neben Historischer Semantik und Pragmatik sind ihre Forschungsschwerpunkte Metaphernanalyse und Gesprächsanalyse, v.a. in den mündlichen Erzählungen aus Bettens Interviewkorpus »Emigrantendeutsch in Israel«. 2016 ist der von Anne Betten, Eva-Maria Thüne und ihr herausgegebene Sammelband  »Emotionsausdruck und Erzählstrategien in narrativen Interviews« erschienen, dessen Beiträge sich auf dieses Korpus beziehen.

31.01.2018 Inclusive Citizenship Education - Prof. Dr. Dirk Lange

Inclusive Citizenship Education. Politische Bildung in der Migrationsgesellschaft
Prof. Dr. Dirk Lange (Institut für Didaktik der Demokratie)

Aktuelle gesellschaftliche Veränderungen stellen die politische Bildung vor große Herausforderungen. Neben der Frage des Umgangs mit dem Thema Flucht und Migration gibt es auch Veränderungen in anderen Bereichen, wie etwa die Frage der gesellschaftlichen Teilhabe von behinderten Menschen oder des Umgangs mit sozialer Ungleichheit. Die »Inclusive Citizenship Education« stellt einen Versuch dar, eine Perspektive für Forschung und Praxis der politischen Bildung zu entwickeln, in der diesen Herausforderungen begegnet werden kann.

Zur Person

Prof. Dr. Dirk Lange lehrt Didaktik der Politischen Bildung an den Universitäten Wien und Hannover. Er ist Direktor des Instituts für Didaktik der Demokratie (IDD). Neben den Forschungskonzepten »Bürgerbewusstsein« und »Inclusive Citizenship« liegen aktuelle Arbeitsschwerpunkte im Feld der Demokratiebildung, Historisch-politischen Didaktik und Migrationspolitischen Bildung.