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Vortragsreihe zu Sprache, Migration und Vielfalt

Symbolbild für die Vortragsreihe »mittwochs um vier« im Wintersemester 2017/2018

Kritische, historische und pädagogische Annäherungen

Als semesterübergreifendes Begleitprogramm bietet die LeibnizWerkstatt eine Veranstaltungsreihe zur Sprache, Migration und Vielfalt an. »mittwochs um vier« richtet sich an Teilnehmende der Blockveranstaltungen des Projekts sowie an alle weiteren Interessierten innerhalb und außerhalb der Leibniz Universität Hannover.

Gewünscht ist eine Vernetzung und ein Austausch unter Erfahrenen und Einsatzwilligen, die sich für Geflüchtete engagieren, sich zur Schnittstelle Migration und Sprachen informieren wollen und einen mehrperspektivischen Zugang anstreben. 

Im Wintersemester 2017/18 sind Referent_innen aus universitären Institutionen der Leibniz Universität Hannover, aus anderen Universitäten der Bundesrepublik sowie von internationalen Universitäten eingeladen. Die Vortragsreihe freut sich auf mehrere Forschende im Bereich Erwerb, Erhalt und Vermittlung von Sprachen, auf Vortragende, die Dolmetschen, Schrifterwerb wie literarischen Ausdruck in der Zweitsprache Deutsch thematisieren, und auf Polito- wie Soziolog_innen mit den Schwerpunkten Demokratiebildung, Migration, sozialen Gedächtnissen bzw. Sozialpsychologie.

Auf dieser Seite finden Sie die Liste der Beitragenden, die Resümees sowie die Abstracts von allen Vorträgen. Die Abstracts sind zudem diesem Booklet und Informationen zu den einzelnen Vortragenden den Angaben zu Beitragenden zu entnehmen.

Ort: Raum 103 im Conti-Hochhaus (Gebäude 1502) am Königsworther Platz 1.

Alle sind herzlich eingeladen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Termine Wintersemester 2017/18

Ausklappen

22.11.2017 Die Bedeutung sprachsensiblen Unterrichts - Dr. Christine Bickes

Sprachliche Hürden im deutschen Schulsystem - die Bedeutung sprachsensiblen Unterrichts
Dr. Christine Bickes (Deutsches Seminar)

Ergebnisse aus internationalen Schulleistungsstudien wie PISA deuten darauf hin, dass Schüler_innen mit Zuwanderungsgeschichte und/oder aus bildungsfernen Familien im deutschen Schulsystem be­nach­teiligt sind. Ein wichtiger Grund dafür scheint zu sein, dass sie in geringerem Maß über das in der Schule geforderte Register der Fach- und Bildungssprache verfügen. Dieses Register im Unterricht durch ›leichte‹ Sprache zu ersetzen, ist keine Option, denn es ist untrennbar mit Begriffsbildung und der Konstruktion von Wissen verbunden. Darüber hinaus ermöglicht es den Austausch komplexer In­formationen und dient der interdisziplinären Kommunikation zwischen Wissenschaftler_innen. Will man Schüler_innen beim Erwerb von Fach- und Bildungssprache unterstützen, empfiehlt es sich, das Thema Sprachförderung nicht allein Sache des Sprachunterrichts sein zu lassen. Vielmehr sollten in allen Fächern grundsätzlich sowohl die fachlichen als auch die sprachlichen Anforderungen berück­sichtigt werden.

Zur Person

Dr. Christine Bickes ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Seminar der Leibniz Universität Han­nover. Ihre Hauptarbeitsgebiete sind: Sprachwissenschaft, Sprachvergleich, fe­mi­nistische Sprach­kritik, Deutsch als Fremd-, Zweit- und Bil­dungssprache, sprachsensibler Un­terricht. Seit 2014 hat sie im Rahmen des Projekts Umbrüche gestalten (einem Projekt von neun lehramts­ausbildenden niedersäch­sischen Hochschulen) an der Konzeption eines Qualifizierungsan­ge­bots im Bereich Sprach­förderung und Deutsch als Zweitsprache mitgewirkt. Ziel war es, Grundlagen für einen sprachsensiblen Unterricht in heterogenen Klassen für alle Fächerverbindungen zu erarbeiten.

29.11.2017 Migration und Gedächtnis - PD Dr. Gerd Sebald

Migration und Gedächtnis. Überlegungen auf der Basis von Alfred Schütz’ »Der Fremde. Ein sozialpsychologischer Versuch«
PD Dr. Gerd Sebald (Universität Erlangen-Nürnberg)

Einer der klassischen Texte der Migrationssoziologie ist »Der Fremde« von Alfred Schütz. Schütz ist selbst 1938/39 mit seiner Familie in die USA emigriert und analysiert in dem Text die Erfahrung eines Neuankömmlings. In dem Vortrag wird Herr Dr. Gerd Sebald anhand dieses Textes Gedächtnisleistungen und -formen im Migrationsprozess herausarbeiten und auf einige Lücken in Schütz' Analyse hinweisen, die anhand aktueller Studien gefüllt werden sollen.

Zur Person

PD Dr. Gerd Sebald arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der Universität Erlangen. Seine Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Wissenssoziologie, Mediensoziologie und soziale Gedächtnisse. Er ist Redakteur und Herausgeber in der Edition der Alfred Schütz Werkausgabe.

05.12.2017 Literatur und die Erfindung der Menschenrechte - Prof. Dr. Peter Schneck

Das Recht der Entrechteten: Literatur und die Erfindung der Menschenrechte
Prof. Dr. Peter Schneck (Universität Osnabrück)

Die Vorstellung, dass alle Menschen die gleichen grundlegenden und natürlichen Rechte haben, ist weit verbreitet, doch selbstverständlich ist sie deshalb keineswegs. Woher aber kommt dann diese Vorstellung und, noch mehr, das Wissen um tatsächlich existierende rechtliche Bedingungen und Möglichkeiten, diese Rechte einzufordern und wahrzunehmen? Die Geschichte und die Gegenwart der Menschenrechte ist ohne die Herausbildung eines individuellen und kollektiven Rechtsbewusstseins nicht vorstellbar - und an dieser Form Menschenrechtsbildung kann Literatur ein besonderer Anteil zugesprochen werden. Dabei lässt sich die mögliche Wirkung literarischer Werke nicht allein auf die Erzeugung von Mitleid und Einfühlung in den Anderen beschränken; Literatur hat nicht nur affektive und emotionale Funktionen in der Menschenrechtsbildung, sondern eröffnet auch Möglichkeiten der Kritik, der Verhandlung und der Reflexion.

Zur Person

Prof. Dr. Peter Schneck ist Professor für Amerikanistik an der Universität Osnabrück. Seine Forschungsschwerpunkte sind Recht und Literatur, das Verhältnis von Eigentum und Kultur sowie die Untersuchung von Erzählformen als Wissensformen. Seit 2009 leitet er das Osnabrück Summer Institute for the Cultural Study of the Law (OSI).

Achtung: Der Vortrag findet am Dienstag im Raum 415 statt!

13.12.2017 Gastarbeiter_innenmigration - Dr. Marta Estévez Grossi

Community Interpreting in Deutschland: eine Lehre aus der Gastarbeiter_innenmigration
Dr. (des.) Marta Estévez Grossi (Romanisches Seminar)

Mit der Unterzeichnung von verschiedenen Anwerbeabkommen mit unterschiedlichen Mittelmeerländern ab dem Jahr 1955 konstituierte sich die BRD de facto als ein Einwanderungsland. Trotz der großen Anzahl von Arbeitsmigrant_innen, die in den nächsten Jahrzehnten nach der BRD kamen, bekannte sich die BRD erst 2000 offiziell als solche. Das erste Zuwanderungsgesetz mit Maßnahmen für die (sprachliche) Integration der Migrant_innen wurde 2005 eingeführt. Diese Maßnahmen sind allerdings stark auf den Spracherwerb der deutschen Sprache fokussiert. Die Tatsache, dass es Personen geben kann, die der deutschen Sprache (noch) nicht mächtig und (vielleicht auf Dauer) auf Sprachmittlung angewiesen sind, wird ausgeblendet. Die Nichtbeteiligung des Aufnahmestaates an der Organisation von Dolmetschdienstleistungen im sozialen Bereich kann allerdings verschiedene Risiken mit sich bringen.

In diesem Vortrag möchte Frau Grossi auf die sprachliche Situation der Gastarbeiter_innen in der BRD, mit besonderer Berücksichtigung ihres Sprachmittlungsbedarfs, eingehen. Dafür wird exemplarisch die galicische Arbeitsmigration in der Stadt Hannover aus sprachwissenschaftlicher Sicht vorgestellt und ihre sprachmittlerischen Praktiken anhand eines dolmetschwissenschaftlichen Ansatzes erläutert. Die Migrationslinguistik, als Teildisziplin der angewandten Sprachwissenschaft, und das Community Interpreting, als Teildisziplin der Dolmetschwissenschaft und Translatologie, bilden die theoretischen Grundlagen der Analyse.

Obwohl die BRD sich bekanntlich nicht an der Organisation von Sprachmittlungsdiensten beteiligte, wurde dieser sprachmittlerische Bedarf sowohl von den Migrant_innen selbst als auch von einer Reihe von spanischen Institutionen gedeckt. Diese Institutionen, die mit der expliziten Unterstützung des spanischen Regimes Francos agierten, sollten allerdings nicht nur die Migrant_innen in der Migration unterstützen, sondern sie auch ideologisch beeinflussen und überwachen.

Zur Person

Marta Estévez Grossi war nach ihrem übersetzungswissenschaftlichen Studium an der Universität Vigo, Spanien, zunächst als Lektorin für Galicisch an der Freien Universität Berlin tätig. Anschließend war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Stiftung Universität Hildesheim, wo sie 2017 zum Thema »Die galicische Arbeitsmigration in Hannover: Akkulturationsstrategien und Community Interpreting« promovierte. Aktuell ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Romanischen Seminar der Leibniz Universität Hannover und zudem Dozentin bei der jährlichen Schulung für Interkulturelle Dolmetscher_innen der Stadt Braunschweig.

20.12.2017 Überlegungen zur sog. Migrationsliteratur - Prof. Dr. Eva-Maria Thüne

Sprachwandelnde: Überlegungen zur sogenannten Migrationsliteratur
Prof. Dr. Eva-Maria Thüne (Universität Bologna, Italien)

Die stete Zunahme von Texten mehrsprachiger Autor_innen gehört zu den innovativen Tendenzen der deutschen Gegenwartsliteratur. Hierfür hat sich der Begriff Migrationsliteratur eingebürgert. Zur Problematik des Begriffs gehört, dass er sich vor allem auf die erste Generation von Migrant_innen bezieht und ein Ankommen von außen meint. Das trifft für spätere Generationen nicht mehr zu. Autor_innen verschiedener Generationen machen sprachlich-kulturelle Divergenzen und Kontraste produktiv, wobei das Dynamische und Prozesshafte von Sprachgebrauch und -reflexion an verschiedenen Texten mit unterschiedlichen sprachlichen Verfahren gezeigt wird. Thematisch geht es u.a. um translokale Biographien, Mehrsprachigkeit und neue Perspektivierungen.

Zur Person

Prof. Dr. Eva-Maria Thüne ist Professorin für Deutsche Sprache und Sprachwissenschaft an der Universität Bologna, Italien. Ihre Forschungsinteressen sind Deutsch als Fremdsprache, Soziolinguistik, Gesprächsanalyse und Literatursprache. In ihrem kürzlich gemeinsam mit Simona Leonardi und Anne Betten herausgegebenen Band »Emotionsausdruck und Erzählstrategien in narrativen Interviews. Analysen zu Gesprächsaufnahmen mit jüdischen Migranten.« setzt sie sich mit dem Tod der Eltern im Israel-Korpus auseinander.

10.01.2018 Mythen der Mehrsprachigkeit - Prof. Dr. John Peterson

Mehrsprachigkeit als Hindernis? Mehrsprachigkeit als Ressource!
Mythen vs. Fakten zum Thema »Sprache und Migration«

Prof. Dr. John Peterson (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)

Um kaum ein anderes Thema ranken sich so viele Mythen wie um die Mehrsprachigkeit, d.h. um das Beherrschen zweier oder mehrerer Sprachen. Da aber das Thema Sprache und Migration – und damit auch Mehrsprachigkeit – inzwischen eine zentrale Rolle in der Diskussion um die Integration hier lebender Menschen mit Migrationshintergrund spielt, ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihm zwingend notwendig geworden: Unser Verständnis der Mehrsprachigkeit bildet die Basis für alle bildungspolitischen Entscheidungen zu diesem Thema, Entscheidungen, die oft weitreichende Folgen haben.

In seinem Vortrag setzt sich Herr Peterson mit einigen dieser Mythen auseinander wie etwa »doppelter Halbsprachigkeit« oder angeblichen »Sprachen ohne Grammatik« und zeigt, warum uns »der gesunde Menschenverstand« oft zu Schlussfolgerungen führt, die aus wissenschaftlicher Sicht unhaltbar und mitunter sogar schädlich sind. Schließlich zeigt er ein Beispiel dafür, wie man Mehrsprachigkeit auch im Klassenzimmer nicht als Hindernis, sondern als Ressource einsetzen kann, um Schülerinnen und Schüler – sowohl mehrsprachige als auch einsprachige – zu motivieren und sprachliche Strukturen zu erläutern.

Zur Person

Prof. Dr. John Peterson ist Professor für Allgemeine Sprachwissenschaft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Seine Hauptforschungsgebiete sind vor allem Mehrsprachigkeit, Sprachkontaktphänomene sowie die Erforschung der Sprachen Indiens aus verschiedenen Sprachfamilien, die seit Jahrtausenden miteinander in engem Kontakt stehen.

11.01.2018 Solidarische Bildung weitergedacht - Prof. Dr. Paul Mecheril

Solidarische Bildung weitergedacht. Migrationspädagogische Überlegungen
Prof. Dr. Paul Mecheril (Center for Migration, Education and Cultural Studies, Universität Oldenburg) 

»Migration« ist ein grundlegendes Kennzeichen der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Die mit Migrationsphänomenen einhergehenden Wandlungsprozesse betreffen hierbei nicht allein spezifische gesellschaftliche Bereiche, sondern vielmehr Strukturen und Prozesse der Gesellschaft im Ganzen. Problembeschreibungen sind hierbei charakteristisch für das Verhältnis von Pädagogik und Migration. In seinem Vortrag möchte Herr Prof. Mecheril zunächst diese Herausforderung genauer skizzieren und anschließend den Ansatz der Migrationspädagogik vorstellen. Migrationspädagogik kann als Einladung zu einer Praxis des Denkens, Sprechens und Handelns verstanden werden, die versucht, Dominanzverhältnisse der Migrationsgesellschaft zu erkennen und Bedingungen zu erkennen, die es möglich machen, dass weniger Dominanz erforderlich ist. Die Frage, was es wohl hieße in der Migrationsgesellschaft gebildet zu sein, steht im Mittelpunkt seines Vortrags. 

Zur Person

Prof. Dr. Paul Mecheril lehrt am Institut für Pädagogik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und ist Direktor des Center for Migration, Education and Cultural Studies. An der Universität Münster promovierte er in Psychologie, an der Universität Bielefeld habilitierte er sich im Fach Erziehungswissenschaft. Er beschäftigt sich unter anderem mit dem Verhältnis von Zugehörigkeitsordnungen und Bildung. 

Achtung: Der Vortrag findet am Donnerstag statt!

17.01.2018 Ethnizität als reale Fiktion - PD Dr. Nina Clara Tiesler

Ethnizität als reale Fiktion – Diskursive Konstruktionen mit gesellschaftlicher Wirkungsmacht
PD Dr. Nina Clara Tiesler (Institut für Soziologie)

Die Wortschöpfung »ethnische Konflikte« kolportiert, dass Ethnizität Gewalt produzieren würde. Spätestens seit der fundierten Analyse des Bosnienkonflikts wissen wir, dass es sich andersherum verhält: Hier produzierte die Erfahrung von Gewalt Ethnizität. Was also ist Ethnizität? In der diskursiven Konstruktion gesellschaftlicher Gruppierungen und Großgruppen werden  Herrschaftsverhältnisse und Etablierten-Außenseiter-Konfigurationen sichtbar. Gerade die prominenteste Form von Identitätspolitik, nämlich Ethnizität, organisiert dabei - wie auch immer definierte - »kulturelle« Unterschiede in Mustern sozialer Ungleichheit. Während die Entstehung und wechselnde Formen von Ethnizität gesellschaftlich konstruiert, situativ und historischen Zufällen unterworfen sind, haben ethnisierende Identitätspolitiken doch eine objektive Wirkungsmacht - und können im Alltagsbewusstsein in Zeiten von Traditionsverlust die Funktion einer Sinnplombe erfüllen.

Zur Person

PD Dr. Nina Clara Tiesler promovierte in Religionswissenschaft über Muslim_innen in Europa und Identitätspolitik (Hannover 2004) und war im Anschluss daran zehn Jahre am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Lissabon in der empirischen (Feld-)Forschung tätig. Seit 2013 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsbereich Soziologische Theorie an der Leibniz Universität Hannover und habilitierte sich 2015 in der Soziologie und Kulturanthropologie mit einer Arbeit über die Entstehung von Ethnizität.

24.01.2018 Metaphern in der Migration - Prof. Dr. Simona Leonardi

Metaphern in der Migration: Analyse narrativer Interviews mit deutschsprachigen Emigrant_innen aus Nazi-Deutschland
Prof. Dr. Simona Leonardi (Universität Neapel)

Die Grundlage des Vortrags bilden narrative Interviews mit jüdischen Emigrant_innen aus deutschsprachigen Gebieten Europas, die meistens in den 1930er Jahren nach Palästina auswanderten. Es wird der Frage nachgegangen, wie die mit der Erfahrung der Migration zusammenhängenden Erlebnisse der Bindungen bzw. der Brüche in der eigenen Lebensgeschichte und die damit verbundene Frage nach der Identität häufig durch metaphorische Formulierungen zum Ausdruck gebracht werden. Eine Metaphernanalyse soll dabei helfen, auf verschiedene Facetten der narrativen Identitätskonstruktion zu fokussieren, Facetten, die in den Interviews nicht immer bewusst gesteuert werden. Darüber hinaus soll untersucht werden, inwieweit Metaphern für die Kodierung emotional beladener Äußerungen verwendet werden, d.h. wie sie zum Emotionspotential der Texte beitragen.

Zur Person

Prof. Dr. Simona Leonardi studierte Germanistik und Anglistik in Pisa, Saarbrücken und Marburg; Promotion in Germanischer Philologie, Florenz 2000. Seit 2002 ist sie Professorin für Germanische Philologie an der Universität Federico II, Neapel. Neben Historischer Semantik und Pragmatik sind ihre Forschungsschwerpunkte Metaphernanalyse und Gesprächsanalyse, v.a. in den mündlichen Erzählungen aus Bettens Interviewkorpus »Emigrantendeutsch in Israel«. 2016 ist der von Anne Betten, Eva-Maria Thüne und ihr herausgegebene Sammelband  »Emotionsausdruck und Erzählstrategien in narrativen Interviews« erschienen, dessen Beiträge sich auf dieses Korpus beziehen.

31.01.2018 Inclusive Citizenship Education - Prof. Dr. Dirk Lange

Inclusive Citizenship Education. Politische Bildung in der Migrationsgesellschaft
Prof. Dr. Dirk Lange (Institut für Didaktik der Demokratie)

Aktuelle gesellschaftliche Veränderungen stellen die politische Bildung vor große Herausforderungen. Neben der Frage des Umgangs mit dem Thema Flucht und Migration gibt es auch Veränderungen in anderen Bereichen, wie etwa die Frage der gesellschaftlichen Teilhabe von behinderten Menschen oder des Umgangs mit sozialer Ungleichheit. Die »Inclusive Citizenship Education« stellt einen Versuch dar, eine Perspektive für Forschung und Praxis der politischen Bildung zu entwickeln, in der diesen Herausforderungen begegnet werden kann.

Zur Person

Prof. Dr. Dirk Lange lehrt Didaktik der Politischen Bildung an den Universitäten Wien und Hannover. Er ist Direktor des Instituts für Didaktik der Demokratie (IDD). Neben den Forschungskonzepten »Bürgerbewusstsein« und »Inclusive Citizenship« liegen aktuelle Arbeitsschwerpunkte im Feld der Demokratiebildung, Historisch-politischen Didaktik und Migrationspolitischen Bildung.

22.11.2017 Die Bedeutung sprachsensiblen Unterrichts - Dr. Christine Bickes

Sprachliche Hürden im deutschen Schulsystem - die Bedeutung sprachsensiblen Unterrichts
Dr. Christine Bickes (Deutsches Seminar)

Ergebnisse aus internationalen Schulleistungsstudien wie PISA deuten darauf hin, dass Schüler_innen mit Zuwanderungsgeschichte und/oder aus bildungsfernen Familien im deutschen Schulsystem be­nach­teiligt sind. Ein wichtiger Grund dafür scheint zu sein, dass sie in geringerem Maß über das in der Schule geforderte Register der Fach- und Bildungssprache verfügen. Dieses Register im Unterricht durch ›leichte‹ Sprache zu ersetzen, ist keine Option, denn es ist untrennbar mit Begriffsbildung und der Konstruktion von Wissen verbunden. Darüber hinaus ermöglicht es den Austausch komplexer In­formationen und dient der interdisziplinären Kommunikation zwischen Wissenschaftler_innen. Will man Schüler_innen beim Erwerb von Fach- und Bildungssprache unterstützen, empfiehlt es sich, das Thema Sprachförderung nicht allein Sache des Sprachunterrichts sein zu lassen. Vielmehr sollten in allen Fächern grundsätzlich sowohl die fachlichen als auch die sprachlichen Anforderungen berück­sichtigt werden.

Zur Person

Dr. Christine Bickes ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Seminar der Leibniz Universität Han­nover. Ihre Hauptarbeitsgebiete sind: Sprachwissenschaft, Sprachvergleich, fe­mi­nistische Sprach­kritik, Deutsch als Fremd-, Zweit- und Bil­dungssprache, sprachsensibler Un­terricht. Seit 2014 hat sie im Rahmen des Projekts Umbrüche gestalten (einem Projekt von neun lehramts­ausbildenden niedersäch­sischen Hochschulen) an der Konzeption eines Qualifizierungsan­ge­bots im Bereich Sprach­förderung und Deutsch als Zweitsprache mitgewirkt. Ziel war es, Grundlagen für einen sprachsensiblen Unterricht in heterogenen Klassen für alle Fächerverbindungen zu erarbeiten.

29.11.2017 Migration und Gedächtnis - PD Dr. Gerd Sebald

Migration und Gedächtnis. Überlegungen auf der Basis von Alfred Schütz’ »Der Fremde. Ein sozialpsychologischer Versuch«
PD Dr. Gerd Sebald (Universität Erlangen-Nürnberg)

Einer der klassischen Texte der Migrationssoziologie ist »Der Fremde« von Alfred Schütz. Schütz ist selbst 1938/39 mit seiner Familie in die USA emigriert und analysiert in dem Text die Erfahrung eines Neuankömmlings. In dem Vortrag wird Herr Dr. Gerd Sebald anhand dieses Textes Gedächtnisleistungen und -formen im Migrationsprozess herausarbeiten und auf einige Lücken in Schütz' Analyse hinweisen, die anhand aktueller Studien gefüllt werden sollen.

Zur Person

PD Dr. Gerd Sebald arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der Universität Erlangen. Seine Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Wissenssoziologie, Mediensoziologie und soziale Gedächtnisse. Er ist Redakteur und Herausgeber in der Edition der Alfred Schütz Werkausgabe.

05.12.2017 Literatur und die Erfindung der Menschenrechte - Prof. Dr. Peter Schneck

Das Recht der Entrechteten: Literatur und die Erfindung der Menschenrechte
Prof. Dr. Peter Schneck (Universität Osnabrück)

Die Vorstellung, dass alle Menschen die gleichen grundlegenden und natürlichen Rechte haben, ist weit verbreitet, doch selbstverständlich ist sie deshalb keineswegs. Woher aber kommt dann diese Vorstellung und, noch mehr, das Wissen um tatsächlich existierende rechtliche Bedingungen und Möglichkeiten, diese Rechte einzufordern und wahrzunehmen? Die Geschichte und die Gegenwart der Menschenrechte ist ohne die Herausbildung eines individuellen und kollektiven Rechtsbewusstseins nicht vorstellbar - und an dieser Form Menschenrechtsbildung kann Literatur ein besonderer Anteil zugesprochen werden. Dabei lässt sich die mögliche Wirkung literarischer Werke nicht allein auf die Erzeugung von Mitleid und Einfühlung in den Anderen beschränken; Literatur hat nicht nur affektive und emotionale Funktionen in der Menschenrechtsbildung, sondern eröffnet auch Möglichkeiten der Kritik, der Verhandlung und der Reflexion.

Zur Person

Prof. Dr. Peter Schneck ist Professor für Amerikanistik an der Universität Osnabrück. Seine Forschungsschwerpunkte sind Recht und Literatur, das Verhältnis von Eigentum und Kultur sowie die Untersuchung von Erzählformen als Wissensformen. Seit 2009 leitet er das Osnabrück Summer Institute for the Cultural Study of the Law (OSI).

Achtung: Der Vortrag findet am Dienstag im Raum 415 statt!

13.12.2017 Gastarbeiter_innenmigration - Dr. Marta Estévez Grossi

Community Interpreting in Deutschland: eine Lehre aus der Gastarbeiter_innenmigration
Dr. (des.) Marta Estévez Grossi (Romanisches Seminar)

Mit der Unterzeichnung von verschiedenen Anwerbeabkommen mit unterschiedlichen Mittelmeerländern ab dem Jahr 1955 konstituierte sich die BRD de facto als ein Einwanderungsland. Trotz der großen Anzahl von Arbeitsmigrant_innen, die in den nächsten Jahrzehnten nach der BRD kamen, bekannte sich die BRD erst 2000 offiziell als solche. Das erste Zuwanderungsgesetz mit Maßnahmen für die (sprachliche) Integration der Migrant_innen wurde 2005 eingeführt. Diese Maßnahmen sind allerdings stark auf den Spracherwerb der deutschen Sprache fokussiert. Die Tatsache, dass es Personen geben kann, die der deutschen Sprache (noch) nicht mächtig und (vielleicht auf Dauer) auf Sprachmittlung angewiesen sind, wird ausgeblendet. Die Nichtbeteiligung des Aufnahmestaates an der Organisation von Dolmetschdienstleistungen im sozialen Bereich kann allerdings verschiedene Risiken mit sich bringen.

In diesem Vortrag möchte Frau Grossi auf die sprachliche Situation der Gastarbeiter_innen in der BRD, mit besonderer Berücksichtigung ihres Sprachmittlungsbedarfs, eingehen. Dafür wird exemplarisch die galicische Arbeitsmigration in der Stadt Hannover aus sprachwissenschaftlicher Sicht vorgestellt und ihre sprachmittlerischen Praktiken anhand eines dolmetschwissenschaftlichen Ansatzes erläutert. Die Migrationslinguistik, als Teildisziplin der angewandten Sprachwissenschaft, und das Community Interpreting, als Teildisziplin der Dolmetschwissenschaft und Translatologie, bilden die theoretischen Grundlagen der Analyse.

Obwohl die BRD sich bekanntlich nicht an der Organisation von Sprachmittlungsdiensten beteiligte, wurde dieser sprachmittlerische Bedarf sowohl von den Migrant_innen selbst als auch von einer Reihe von spanischen Institutionen gedeckt. Diese Institutionen, die mit der expliziten Unterstützung des spanischen Regimes Francos agierten, sollten allerdings nicht nur die Migrant_innen in der Migration unterstützen, sondern sie auch ideologisch beeinflussen und überwachen.

Zur Person

Marta Estévez Grossi war nach ihrem übersetzungswissenschaftlichen Studium an der Universität Vigo, Spanien, zunächst als Lektorin für Galicisch an der Freien Universität Berlin tätig. Anschließend war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Stiftung Universität Hildesheim, wo sie 2017 zum Thema »Die galicische Arbeitsmigration in Hannover: Akkulturationsstrategien und Community Interpreting« promovierte. Aktuell ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Romanischen Seminar der Leibniz Universität Hannover und zudem Dozentin bei der jährlichen Schulung für Interkulturelle Dolmetscher_innen der Stadt Braunschweig.

20.12.2017 Überlegungen zur sog. Migrationsliteratur - Prof. Dr. Eva-Maria Thüne

Sprachwandelnde: Überlegungen zur sogenannten Migrationsliteratur
Prof. Dr. Eva-Maria Thüne (Universität Bologna, Italien)

Die stete Zunahme von Texten mehrsprachiger Autor_innen gehört zu den innovativen Tendenzen der deutschen Gegenwartsliteratur. Hierfür hat sich der Begriff Migrationsliteratur eingebürgert. Zur Problematik des Begriffs gehört, dass er sich vor allem auf die erste Generation von Migrant_innen bezieht und ein Ankommen von außen meint. Das trifft für spätere Generationen nicht mehr zu. Autor_innen verschiedener Generationen machen sprachlich-kulturelle Divergenzen und Kontraste produktiv, wobei das Dynamische und Prozesshafte von Sprachgebrauch und -reflexion an verschiedenen Texten mit unterschiedlichen sprachlichen Verfahren gezeigt wird. Thematisch geht es u.a. um translokale Biographien, Mehrsprachigkeit und neue Perspektivierungen.

Zur Person

Prof. Dr. Eva-Maria Thüne ist Professorin für Deutsche Sprache und Sprachwissenschaft an der Universität Bologna, Italien. Ihre Forschungsinteressen sind Deutsch als Fremdsprache, Soziolinguistik, Gesprächsanalyse und Literatursprache. In ihrem kürzlich gemeinsam mit Simona Leonardi und Anne Betten herausgegebenen Band »Emotionsausdruck und Erzählstrategien in narrativen Interviews. Analysen zu Gesprächsaufnahmen mit jüdischen Migranten.« setzt sie sich mit dem Tod der Eltern im Israel-Korpus auseinander.

10.01.2018 Mythen der Mehrsprachigkeit - Prof. Dr. John Peterson

Mehrsprachigkeit als Hindernis? Mehrsprachigkeit als Ressource!
Mythen vs. Fakten zum Thema »Sprache und Migration«

Prof. Dr. John Peterson (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)

Um kaum ein anderes Thema ranken sich so viele Mythen wie um die Mehrsprachigkeit, d.h. um das Beherrschen zweier oder mehrerer Sprachen. Da aber das Thema Sprache und Migration – und damit auch Mehrsprachigkeit – inzwischen eine zentrale Rolle in der Diskussion um die Integration hier lebender Menschen mit Migrationshintergrund spielt, ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihm zwingend notwendig geworden: Unser Verständnis der Mehrsprachigkeit bildet die Basis für alle bildungspolitischen Entscheidungen zu diesem Thema, Entscheidungen, die oft weitreichende Folgen haben.

In seinem Vortrag setzt sich Herr Peterson mit einigen dieser Mythen auseinander wie etwa »doppelter Halbsprachigkeit« oder angeblichen »Sprachen ohne Grammatik« und zeigt, warum uns »der gesunde Menschenverstand« oft zu Schlussfolgerungen führt, die aus wissenschaftlicher Sicht unhaltbar und mitunter sogar schädlich sind. Schließlich zeigt er ein Beispiel dafür, wie man Mehrsprachigkeit auch im Klassenzimmer nicht als Hindernis, sondern als Ressource einsetzen kann, um Schülerinnen und Schüler – sowohl mehrsprachige als auch einsprachige – zu motivieren und sprachliche Strukturen zu erläutern.

Zur Person

Prof. Dr. John Peterson ist Professor für Allgemeine Sprachwissenschaft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Seine Hauptforschungsgebiete sind vor allem Mehrsprachigkeit, Sprachkontaktphänomene sowie die Erforschung der Sprachen Indiens aus verschiedenen Sprachfamilien, die seit Jahrtausenden miteinander in engem Kontakt stehen.

11.01.2018 Solidarische Bildung weitergedacht - Prof. Dr. Paul Mecheril

Solidarische Bildung weitergedacht. Migrationspädagogische Überlegungen
Prof. Dr. Paul Mecheril (Center for Migration, Education and Cultural Studies, Universität Oldenburg) 

»Migration« ist ein grundlegendes Kennzeichen der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Die mit Migrationsphänomenen einhergehenden Wandlungsprozesse betreffen hierbei nicht allein spezifische gesellschaftliche Bereiche, sondern vielmehr Strukturen und Prozesse der Gesellschaft im Ganzen. Problembeschreibungen sind hierbei charakteristisch für das Verhältnis von Pädagogik und Migration. In seinem Vortrag möchte Herr Prof. Mecheril zunächst diese Herausforderung genauer skizzieren und anschließend den Ansatz der Migrationspädagogik vorstellen. Migrationspädagogik kann als Einladung zu einer Praxis des Denkens, Sprechens und Handelns verstanden werden, die versucht, Dominanzverhältnisse der Migrationsgesellschaft zu erkennen und Bedingungen zu erkennen, die es möglich machen, dass weniger Dominanz erforderlich ist. Die Frage, was es wohl hieße in der Migrationsgesellschaft gebildet zu sein, steht im Mittelpunkt seines Vortrags. 

Zur Person

Prof. Dr. Paul Mecheril lehrt am Institut für Pädagogik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und ist Direktor des Center for Migration, Education and Cultural Studies. An der Universität Münster promovierte er in Psychologie, an der Universität Bielefeld habilitierte er sich im Fach Erziehungswissenschaft. Er beschäftigt sich unter anderem mit dem Verhältnis von Zugehörigkeitsordnungen und Bildung. 

Achtung: Der Vortrag findet am Donnerstag statt!

17.01.2018 Ethnizität als reale Fiktion - PD Dr. Nina Clara Tiesler

Ethnizität als reale Fiktion – Diskursive Konstruktionen mit gesellschaftlicher Wirkungsmacht
PD Dr. Nina Clara Tiesler (Institut für Soziologie)

Die Wortschöpfung »ethnische Konflikte« kolportiert, dass Ethnizität Gewalt produzieren würde. Spätestens seit der fundierten Analyse des Bosnienkonflikts wissen wir, dass es sich andersherum verhält: Hier produzierte die Erfahrung von Gewalt Ethnizität. Was also ist Ethnizität? In der diskursiven Konstruktion gesellschaftlicher Gruppierungen und Großgruppen werden  Herrschaftsverhältnisse und Etablierten-Außenseiter-Konfigurationen sichtbar. Gerade die prominenteste Form von Identitätspolitik, nämlich Ethnizität, organisiert dabei - wie auch immer definierte - »kulturelle« Unterschiede in Mustern sozialer Ungleichheit. Während die Entstehung und wechselnde Formen von Ethnizität gesellschaftlich konstruiert, situativ und historischen Zufällen unterworfen sind, haben ethnisierende Identitätspolitiken doch eine objektive Wirkungsmacht - und können im Alltagsbewusstsein in Zeiten von Traditionsverlust die Funktion einer Sinnplombe erfüllen.

Zur Person

PD Dr. Nina Clara Tiesler promovierte in Religionswissenschaft über Muslim_innen in Europa und Identitätspolitik (Hannover 2004) und war im Anschluss daran zehn Jahre am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Lissabon in der empirischen (Feld-)Forschung tätig. Seit 2013 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsbereich Soziologische Theorie an der Leibniz Universität Hannover und habilitierte sich 2015 in der Soziologie und Kulturanthropologie mit einer Arbeit über die Entstehung von Ethnizität.

24.01.2018 Metaphern in der Migration - Prof. Dr. Simona Leonardi

Metaphern in der Migration: Analyse narrativer Interviews mit deutschsprachigen Emigrant_innen aus Nazi-Deutschland
Prof. Dr. Simona Leonardi (Universität Neapel)

Die Grundlage des Vortrags bilden narrative Interviews mit jüdischen Emigrant_innen aus deutschsprachigen Gebieten Europas, die meistens in den 1930er Jahren nach Palästina auswanderten. Es wird der Frage nachgegangen, wie die mit der Erfahrung der Migration zusammenhängenden Erlebnisse der Bindungen bzw. der Brüche in der eigenen Lebensgeschichte und die damit verbundene Frage nach der Identität häufig durch metaphorische Formulierungen zum Ausdruck gebracht werden. Eine Metaphernanalyse soll dabei helfen, auf verschiedene Facetten der narrativen Identitätskonstruktion zu fokussieren, Facetten, die in den Interviews nicht immer bewusst gesteuert werden. Darüber hinaus soll untersucht werden, inwieweit Metaphern für die Kodierung emotional beladener Äußerungen verwendet werden, d.h. wie sie zum Emotionspotential der Texte beitragen.

Zur Person

Prof. Dr. Simona Leonardi studierte Germanistik und Anglistik in Pisa, Saarbrücken und Marburg; Promotion in Germanischer Philologie, Florenz 2000. Seit 2002 ist sie Professorin für Germanische Philologie an der Universität Federico II, Neapel. Neben Historischer Semantik und Pragmatik sind ihre Forschungsschwerpunkte Metaphernanalyse und Gesprächsanalyse, v.a. in den mündlichen Erzählungen aus Bettens Interviewkorpus »Emigrantendeutsch in Israel«. 2016 ist der von Anne Betten, Eva-Maria Thüne und ihr herausgegebene Sammelband  »Emotionsausdruck und Erzählstrategien in narrativen Interviews« erschienen, dessen Beiträge sich auf dieses Korpus beziehen.

31.01.2018 Inclusive Citizenship Education - Prof. Dr. Dirk Lange

Inclusive Citizenship Education. Politische Bildung in der Migrationsgesellschaft
Prof. Dr. Dirk Lange (Institut für Didaktik der Demokratie)

Aktuelle gesellschaftliche Veränderungen stellen die politische Bildung vor große Herausforderungen. Neben der Frage des Umgangs mit dem Thema Flucht und Migration gibt es auch Veränderungen in anderen Bereichen, wie etwa die Frage der gesellschaftlichen Teilhabe von behinderten Menschen oder des Umgangs mit sozialer Ungleichheit. Die »Inclusive Citizenship Education« stellt einen Versuch dar, eine Perspektive für Forschung und Praxis der politischen Bildung zu entwickeln, in der diesen Herausforderungen begegnet werden kann.

Zur Person

Prof. Dr. Dirk Lange lehrt Didaktik der Politischen Bildung an den Universitäten Wien und Hannover. Er ist Direktor des Instituts für Didaktik der Demokratie (IDD). Neben den Forschungskonzepten »Bürgerbewusstsein« und »Inclusive Citizenship« liegen aktuelle Arbeitsschwerpunkte im Feld der Demokratiebildung, Historisch-politischen Didaktik und Migrationspolitischen Bildung.

  • Werbematerialien der LeibnizWerkstatt im Wintersemester 2017/2018

    Werbematerialien der LeibnizWerkstatt im Wintersemester 2017/2018

  • Prof. Dr. Rolf Pohl referiert über den aktuellen Rechtspopulismus

    Prof. Dr. Rolf Pohl referiert über den aktuellen Rechtspopulismus

  • Prof. Dr. Rolf Pohl

    Prof. Dr. Rolf Pohl

  • Teilnehmende der Vortragsreihe »mittwochs um vier«

    Teilnehmende der Vortragsreihe »mittwochs um vier«

  • Dr. Rafael Ugarte Chacóns Vortrag ist gut besucht

    Dr. Rafael Ugarte Chacóns Vortrag ist gut besucht

  • Teilnehmerinnen verfolgen Dr. Rafael Ugarte Chacóns Ausführungen

    Teilnehmerinnen verfolgen Dr. Rafael Ugarte Chacóns Ausführungen

  • Vor dem Hauptbeitrag stellt Marie Hoch die Blockveranstaltungen der LeibnizWerkstatt vor

    Vor dem Hauptbeitrag stellt Marie Hoch die Blockveranstaltungen der LeibnizWerkstatt vor

  • Dr. Rafael Ugarte Chacón und Radhika Natarajan bei der Vortragsreihe »mittwochs um vier«

    Dr. Rafael Ugarte Chacón und Radhika Natarajan bei der Vortragsreihe »mittwochs um vier«

  • Dr. Alexis Feldmeier García von der Universität Münster begrüßt die Anwesenden zu seinem Vortrag über Alphabetisierung

    Dr. Alexis Feldmeier García von der Universität Münster begrüßt die Anwesenden zu seinem Vortrag über Alphabetisierung

  • Ein Teilnehmer informiert sich über die Angebote der LeibnizWerkstatt

    Ein Teilnehmer informiert sich über die Angebote der LeibnizWerkstatt

  • Dr. Alexis Feldmeier García erläutert funktionalen Analphabetismus

    Dr. Alexis Feldmeier García erläutert funktionalen Analphabetismus

  • Teilnehmende der Vortragsreihe »mittwochs um vier«

    Teilnehmende der Vortragsreihe »mittwochs um vier«

  • Siham Schotemeier stellt den Teilnehmenden der Vortragsreihe »mittwochs um vier« das Projekt LeibnizWerkstatt vor

    Siham Schotemeier stellt den Teilnehmenden der Vortragsreihe »mittwochs um vier« das Projekt LeibnizWerkstatt vor

  • Ketevan Zhorzholiani stellt im Rahmen der Vortragsreihe »mittwochs um vier« ihr Angebot Werkstatt Plus vor

    Ketevan Zhorzholiani stellt im Rahmen der Vortragsreihe »mittwochs um vier« ihr Angebot Werkstatt Plus vor

  • Tina Krohn fasst für die Anwesenden den Vortrag der vergangenen Woche zusammen

    Tina Krohn fasst für die Anwesenden den Vortrag der vergangenen Woche zusammen

Vergangene Termine Wintersemester 2017/18

Ausklappen

15.11.2017 Zur Sozialpsychologie des aktuellen Rechtspopulismus - Prof. Dr. Rolf Pohl

Was heißt »postfaktisches Zeitalter«? Zur Sozialpsychologie des aktuellen Rechtspopulismus
Prof. Dr. Rolf Pohl (AG Politische Psychologie)

Populismus entsteht nicht aus dem Nichts, sondern immer im Gefolge ökonomischer Krisen, gesellschaftlicher Umbrüche und von Krisen der repräsentativen Demokratie. Er ist als Massenbewegung von der denunziatorischen Ablehnung von Eliten und Institutionen, einem Anti-Intellektualismus, von verschwörungstheoretischem Denken sowie einer aggressiven Polarisierung und Personalisierung geprägt, die sich vor allem auf den »gesunden Menschenverstand« (common sense) beruft. Damit geht eine starre Betonung des Gegensatzes von einfachem, »reinem« Volk und »korrupter« Elite einher. Wie entstehen solche ressentimentgeleiteten Massenbewegungen, was macht Menschen immer wieder anfällig für populistische Rhetorik und welche Rolle spielt dabei eine gezielte Propaganda, die beispielsweise von der AfD zunehmend selbst als »völkisch« ausgegeben wird? Diesen Fragen wird der Vortrag vor allem aus einer massenpsychologischen Sicht nachgehen.

Zur Person

Prof. Dr. Rolf Pohl war Professor für Sozialpsychologie am Institut für Soziologie an der Leibniz Universität Hannover und befindet sich jetzt im Ruhestand. Er ist außerdem einer der Gründer und Koordinator_innen der Arbeitsgemeinschaft Politische Psychologie. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören im Bereich der Politischen Psychologie die Themen NS-Täter, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit sowie im Bereich der Geschlechterforschung die Themen Männlichkeit, sexuelle Gewalt und männliche Adoleszenz.

08.11.2017 Theater für Gehörlose und Hörende - Dr. Rafael Ugarte Chacón

Ästhetiken des Zugangs - Theater für Gehörlose und Hörende
Dr. Rafael Ugarte Chacón (Institut für Philosophie)

Wie gestaltet man ein Theater, das die körperlichen und kulturellen Unterschiede zwischen Gehörlosen und Hörenden berücksichtigt? Wie wird dabei mit Verständigungsschwierigkeiten umgegangen? Und welche Machtgefälle und Diskriminierungsstrukturen bestehen? Anhand mehrerer Beispiele werden Grenzen und Potentiale interkultureller Aufführungen für Gehörlose und Hörende mit und ohne Migrationshintergrund diskutiert.

Zur Person
Dr. Rafael Ugarte Chacón ist Koordinator des philosophischen Graduiertenkollegs "Integrating Ethics and Epistemology of Scientific Research" (Leibniz Universität Hannover/Universität Bielefeld). Er promovierte am Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin über Theateraufführungen, die sich gleichermaßen an Gehörlose und Hörende richten. Daneben arbeitete er als Regieassistent und Dramaturg in Theaterprojekten mit gehörlosen, schwerhörigen, hörenden und mehrfachbehinderten Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit und ohne Migrationshintergrund.

01.11.2017 Alphabetisierung in Deutsch als Zweitsprache - Dr. Alexis Feldmeier García

Alphabetisierung in Deutsch als Zweitsprache
Dr. Alexis Feldmeier García (Westfälische Wilhelms-Universität Münster)

Im Vortrag werden grundlegende Überlegungen zur Förderung schriftsprachlicher Kompetenzen neu zugewanderter Lernenden besprochen. Es wird auf die Arbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen eingegangen. Ein kurzer Einblick in methodische Zugänge zur Schrift wird gegeben und anhand Lehrwerksbeispiele veranschaulicht.

Zur Person

Dr. Alexis Feldmeier García studierte und promovierte im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache an der Universität Bielefeld. Seit 2011 ist er an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in der Deutschlehrerausbildung (Sprachdidaktik) tätig. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Didaktik zur Alphabetisierung von Menschen mit Migrationshintergrund und in der Förderung von Lernendenautonomie.

25.10.2017 Vererbtes Engagement - Radhika Natarajan

Vererbtes Engagement: Facettenreiche, gesellschaftliche Teilhabe von Zwangsmigrierten
Radhika Natarajan (LeibnizWerkstatt)

Menschen, deren wichtigste und unumkehrbare Lebensentscheidung darin liegt, Flucht in ein sicheres Land zu ergreifen, entkommen zwar der unmittelbaren Gewaltdrohung. Sie gelangen jedoch zu einer Jahr(zehnt)e anhaltenden, provisorischen Alltagsgestaltung im neuen Land sowie oft vereitelten Rückkehrhoffnung. Der Gewalt knapp entronnen können sie meist nicht umhin, sich um die Zukunftsgestaltung ihres als eigen angesehenen Landes zu sorgen. Im fortwährenden Interesse an den politischen und gesellschaftlichen Geschehnissen des einstigen Herkunftslandes zeigt sich u.a. diese Sorge auf. Die Auseinandersetzung beschränkt sich nicht nur auf die unmittelbar Entflohenen, sondern bildet einen Teil der Familiengeschichte, sei es der ausgesprochene oder verschwiegene Teil. Im Laufe dieses doch zur quasi Dauerhaftigkeit mutierenden Flüchtlingsdaseins bzw. Exils wird diese Beschäftigung auch intergenerational tradiert und weitergegeben.

Der Vortrag geht zum einen auf die Teilhabe an Bildung ein, die antizipatorisch auf sozialen Aufstieg zielt. Zum zweiten wird eine Teilhabe an der körperlichen wie seelischen Unversehrtheit beschrieben, die in der hiesigen Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit und für Entflohene jedoch ein besonders hohes Gut darstellt. Zum letzten wird eine mehrfache Teilhabe aufgezeigt, die sich ausdrücklich politisch gestaltet, Grenzen übergreifend geschieht und sich dabei der medialen wie mehrsprachigen Ressourcen bedient. Bei allen drei hier kurz angerissenen Varianten wird eine Verbindung zwischen der (un-)mittelbaren Erfahrung der Zwangsmigration sowie den daraus entstehenden Verpflichtungen gegenüber der eigenen Community hergestellt, die zu einer Reihe von Unternehmungen und Unterlassungen führt.

Zur Person

Radhika Natarajan ist für die Konzeption und Umsetzung des Projekts LeibnizWerkstatt zuständig. Ihre Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind lebensweltliche wie migrationsbedingte Mehrsprachigkeit, sprachbezogene Alltagsbewältigung und im Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache.

15.11.2017 Zur Sozialpsychologie des aktuellen Rechtspopulismus - Prof. Dr. Rolf Pohl

Was heißt »postfaktisches Zeitalter«? Zur Sozialpsychologie des aktuellen Rechtspopulismus
Prof. Dr. Rolf Pohl (AG Politische Psychologie)

Populismus entsteht nicht aus dem Nichts, sondern immer im Gefolge ökonomischer Krisen, gesellschaftlicher Umbrüche und von Krisen der repräsentativen Demokratie. Er ist als Massenbewegung von der denunziatorischen Ablehnung von Eliten und Institutionen, einem Anti-Intellektualismus, von verschwörungstheoretischem Denken sowie einer aggressiven Polarisierung und Personalisierung geprägt, die sich vor allem auf den »gesunden Menschenverstand« (common sense) beruft. Damit geht eine starre Betonung des Gegensatzes von einfachem, »reinem« Volk und »korrupter« Elite einher. Wie entstehen solche ressentimentgeleiteten Massenbewegungen, was macht Menschen immer wieder anfällig für populistische Rhetorik und welche Rolle spielt dabei eine gezielte Propaganda, die beispielsweise von der AfD zunehmend selbst als »völkisch« ausgegeben wird? Diesen Fragen wird der Vortrag vor allem aus einer massenpsychologischen Sicht nachgehen.

Zur Person

Prof. Dr. Rolf Pohl war Professor für Sozialpsychologie am Institut für Soziologie an der Leibniz Universität Hannover und befindet sich jetzt im Ruhestand. Er ist außerdem einer der Gründer und Koordinator_innen der Arbeitsgemeinschaft Politische Psychologie. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören im Bereich der Politischen Psychologie die Themen NS-Täter, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit sowie im Bereich der Geschlechterforschung die Themen Männlichkeit, sexuelle Gewalt und männliche Adoleszenz.

08.11.2017 Theater für Gehörlose und Hörende - Dr. Rafael Ugarte Chacón

Ästhetiken des Zugangs - Theater für Gehörlose und Hörende
Dr. Rafael Ugarte Chacón (Institut für Philosophie)

Wie gestaltet man ein Theater, das die körperlichen und kulturellen Unterschiede zwischen Gehörlosen und Hörenden berücksichtigt? Wie wird dabei mit Verständigungsschwierigkeiten umgegangen? Und welche Machtgefälle und Diskriminierungsstrukturen bestehen? Anhand mehrerer Beispiele werden Grenzen und Potentiale interkultureller Aufführungen für Gehörlose und Hörende mit und ohne Migrationshintergrund diskutiert.

Zur Person
Dr. Rafael Ugarte Chacón ist Koordinator des philosophischen Graduiertenkollegs "Integrating Ethics and Epistemology of Scientific Research" (Leibniz Universität Hannover/Universität Bielefeld). Er promovierte am Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin über Theateraufführungen, die sich gleichermaßen an Gehörlose und Hörende richten. Daneben arbeitete er als Regieassistent und Dramaturg in Theaterprojekten mit gehörlosen, schwerhörigen, hörenden und mehrfachbehinderten Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit und ohne Migrationshintergrund.

01.11.2017 Alphabetisierung in Deutsch als Zweitsprache - Dr. Alexis Feldmeier García

Alphabetisierung in Deutsch als Zweitsprache
Dr. Alexis Feldmeier García (Westfälische Wilhelms-Universität Münster)

Im Vortrag werden grundlegende Überlegungen zur Förderung schriftsprachlicher Kompetenzen neu zugewanderter Lernenden besprochen. Es wird auf die Arbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen eingegangen. Ein kurzer Einblick in methodische Zugänge zur Schrift wird gegeben und anhand Lehrwerksbeispiele veranschaulicht.

Zur Person

Dr. Alexis Feldmeier García studierte und promovierte im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache an der Universität Bielefeld. Seit 2011 ist er an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in der Deutschlehrerausbildung (Sprachdidaktik) tätig. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Didaktik zur Alphabetisierung von Menschen mit Migrationshintergrund und in der Förderung von Lernendenautonomie.

25.10.2017 Vererbtes Engagement - Radhika Natarajan

Vererbtes Engagement: Facettenreiche, gesellschaftliche Teilhabe von Zwangsmigrierten
Radhika Natarajan (LeibnizWerkstatt)

Menschen, deren wichtigste und unumkehrbare Lebensentscheidung darin liegt, Flucht in ein sicheres Land zu ergreifen, entkommen zwar der unmittelbaren Gewaltdrohung. Sie gelangen jedoch zu einer Jahr(zehnt)e anhaltenden, provisorischen Alltagsgestaltung im neuen Land sowie oft vereitelten Rückkehrhoffnung. Der Gewalt knapp entronnen können sie meist nicht umhin, sich um die Zukunftsgestaltung ihres als eigen angesehenen Landes zu sorgen. Im fortwährenden Interesse an den politischen und gesellschaftlichen Geschehnissen des einstigen Herkunftslandes zeigt sich u.a. diese Sorge auf. Die Auseinandersetzung beschränkt sich nicht nur auf die unmittelbar Entflohenen, sondern bildet einen Teil der Familiengeschichte, sei es der ausgesprochene oder verschwiegene Teil. Im Laufe dieses doch zur quasi Dauerhaftigkeit mutierenden Flüchtlingsdaseins bzw. Exils wird diese Beschäftigung auch intergenerational tradiert und weitergegeben.

Der Vortrag geht zum einen auf die Teilhabe an Bildung ein, die antizipatorisch auf sozialen Aufstieg zielt. Zum zweiten wird eine Teilhabe an der körperlichen wie seelischen Unversehrtheit beschrieben, die in der hiesigen Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit und für Entflohene jedoch ein besonders hohes Gut darstellt. Zum letzten wird eine mehrfache Teilhabe aufgezeigt, die sich ausdrücklich politisch gestaltet, Grenzen übergreifend geschieht und sich dabei der medialen wie mehrsprachigen Ressourcen bedient. Bei allen drei hier kurz angerissenen Varianten wird eine Verbindung zwischen der (un-)mittelbaren Erfahrung der Zwangsmigration sowie den daraus entstehenden Verpflichtungen gegenüber der eigenen Community hergestellt, die zu einer Reihe von Unternehmungen und Unterlassungen führt.

Zur Person

Radhika Natarajan ist für die Konzeption und Umsetzung des Projekts LeibnizWerkstatt zuständig. Ihre Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind lebensweltliche wie migrationsbedingte Mehrsprachigkeit, sprachbezogene Alltagsbewältigung und im Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache.