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Vortragsreihe: Berufliche Aus- und Weiterbildung

Prof. Dr. Julia Gillen, Professorin für Berufspädagogik und Direktorin der Leibniz School of Education, befasste sich im vorletzten Vortrag des Sommersemesters 2017, am 05.07., mit beruflicher Aus- und Weiterbildung, wobei sie eine betriebliche Perspektive auf Bildung in den Blick nahm. Diese ist marktorientiert, was sich auch in ihren Strukturen und spezifischen Problematiken niederschlägt.

»Wenn man die Menschen wirklich ins Arbeitsleben integrieren will, muss man die Interessen des Einzelnen berücksichtigen.«

  • Einleitend gab Frau Prof. Gillen den Anwesenden einen Überblick über das deutsche Bildungssystem, wobei sie sich auf die berufliche Aus- und Weiterbildung konzentrierte. Diese teilt sich ihrerseits noch einmal auf in Fortbildung, Umschulung sowie Lernen am Arbeitsplatz und weist einige spezielle Probleme auf: Das System ist stark ausdifferenziert und soziale Ungleichheiten schreiben sich in ihm fort. Zudem kann man ihm einen »Paternostereffekt« unterstellen, d.h. für jede aufsteigende Person steigt eine andere ab.
  • Anschließend wurden Ungleichheitsstrukturen in der Weiterbildung thematisiert. Auf einen Überblick über allgemeine Merkmale von Diversität folgte eine nähere Betrachtung der zentralen Differenzlinien Alter, Geschlecht, Migrationshintergrund, schulischer Hintergrund sowie Erwerbstätigkeit bzw. -losigkeit. Bezogen auf Geflüchtete kommt zusätzlich den Kategorien Sprachkenntnisse, Ausbildungsvoraussetzungen und Lebenssituation besondere Relevanz zu.
  • Schließlich wurde noch die Frage gestellt, wie Aus- und Weiterbildung zur zweiten Chance wird. Wichtig ist hierbei, Bildung immer mit Begleitung zu koppeln und interessengeleitete Angebote zu schaffen. Berufsorientierung und Sprachförderung müssen miteinander verbunden, Potenziale und Kompetenzen herausgefunden und auch informelle und im Ausland erworbene Kompetenzen und Qualifikationen anerkannt werden. Neben zeitlicher Flexibilität und einer durchgängigen Begleitung der Geflüchteten ist auch eine Unterstützung der Betriebe notwendig. So benötigen diese externe Anlaufstellen bei schwierigen Situationen und das Ausbildungspersonal muss auf die Arbeit mit Geflüchteten vorbereitet werden. Grundprobleme in diesem Kontext sind die starke Steuerung durch den Markt sowie der eher konservativ ausgerichtete Bereich des deutschen Handwerks.

Im Laufe des Vortrags und auch danach entstand ein lebhafter Austausch unter den Teilnehmenden und der Vortragenden, der sich u.a. um »informelles Lernen«, die Messung von Kompetenzen, die Komplexität des Bildungssystems im Allgemeinen, die großen Unterschiede zwischen den Systemen Beruf und Hochschule sowie die spezielle Problematik des Alphabetisierungsbedarfs drehte.