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Vortragsreihe: ›Integration‹

Am 14.06.2017 führte Florian Grawan von der Arbeitsstelle DiversitAS die Anwesenden in einem sehr interaktiven, werkstattartigen Beitrag in die Perspektive der Migrationspädagogik auf den Begriff ›Integration‹ ein. Von besonderer Wichtigkeit für diese Perspektive ist die Bewusstheit über und die Frage nach der Konstruktion von Begriffen und Kategorien und welche Wirkung diese besitzen.

»Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen.« (Max Frisch, 1965)

  • Zunächst stellte Herr Grawan kurz Geschichte und Arbeit von DiversitAS vor, um anschließend in einem Brainstorming gemeinsam mit dem Publikum Ideen zum Thema  ›Integration‹ zu sammeln. Hierbei fielen Begriffe wie Toleranz und wechselseitige Interaktion, aber auch gesellschaftliche Normen und Anpassung an den Status Quo, was bereits deutlich macht, mit was für einem unklaren und kritischen Begriff wir es hier zu tun haben.
  • Nach dem Brainstorming ging der Vortragende näher auf den Komplex Migration, Migrationsgesellschaft und Migrationspädagogik ein. Hierbei befasste er sich zuerst mit der Migrationsgeschichte der Bundesrepublik und mit Statistiken zu ausländischer Bevölkerung in und Formen der Zuwanderung nach Deutschland, um dann zu einem eigenen Verständnis von »Migration(sgesellschaft)« zu gelangen. Zentral ist hierbei die Aushandlung von Grenzen der Zugehörigkeit, gleichzeitig spielt auch der Mediendiskurs eine wichtige Rolle. Im Mittelpunkt stehen demnach die Fragen: »Wer sind ‚wir‘ und wer sind die ‚Anderen‘?« sowie »Wer wird wie dargestellt und repräsentiert?«
  • Abschließend wurden weitere Perspektiven auf ›Integration‹ angesprochen, wie etwa die Theorie von Integration als Systemintegration der »frühen« Soziologie, wonach sich Systemintegration über gleichgewichtige Markt- und Tauschbeziehungen zwischen Akteuren vollzieht, oder auch die soziologische Theorie der vierdimensionalen Integration, die sich strukturell, sozial, »kulturell« und identifikativ vollziehen kann. Weitere Sichtweisen sind die Akkulturationsstrategien nach Berry (1997), nach denen Integration unterschiedlich verläuft, je nachdem, ob die »Kultur der Aufnahmegesellschaft« angenommen und/oder die »eigene Kultur« erhalten wird, sowie die Einsicht der ‚Chicago School‘, nach der aus dem Aufeinandertreffen der »Kulturen« auch ein Typus des Grenzgängers zwischen den Welten entstehen kann, der nirgends mehr wirklich dazugehört, nichtsdestotrotz aber eine wichtige Rolle als Vermittler einnehmen kann.

Im Anschluss an den Vortrag, während dessen Verlauf bereits ausgiebig diskutiert wurde, war Zeit für Anmerkungen. Es wurde gelobt, dass der Vortrag zum Nachdenken anregte und zum Öffnen und In-Frage-Stellen von Schubladen motivierte. Weiterhin wurde über Bilder von »Normalität« diskutiert und als des Merkens würdig festgehalten, dass das Beibehalten und Wertschätzen der eigenen Traditionen einer positiven, für beide Seiten fruchtbaren Integration nicht im Wege steht.