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Vortragsreihe: Traumafolgestörungen

Christiane Maurer von der Psychologisch-Therapeutischen Beratung für Studierende informierte die Zuhörenden am 28.06.2017 über Traumata und daraus möglicherweise resultierende psychische Erkrankungen. Ziel ihres Vortrags war, den Anwesenden eine Vorstellung vom Erleben und Verhalten von Personen mit Traumafolgestörungen zu verschaffen und ihnen auf dieser Grundlage angemessene Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

»Manche Flüchtlinge haben nicht die Vorstellung davon, dass es so etwas gibt wie psychische Erkrankungen.«

  • Zunächst befasste sich Frau Maurer mit der Frage, worunter traumatisierte Menschen eigentlich genau leiden. Unter einem Trauma versteht man ein besonders belastendes oder bedrohliches Ereignis, das durch die existenzielle Bedrohung eine tiefe Verstörung hervorruft. Ein solches Trauma kann eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) oder andere psychische Erkrankungen wie z.B. Depressionen, Angsterkrankungen oder Süchte nach sich ziehen.  Schätzungen zufolge leidet etwa die Hälfte der in Deutschland lebenden erwachsenen Geflüchteten unter derartigen Traumafolgestörungen.
  • Im Anschluss an eine Übersicht über die häufigsten Traumafolgestörungen und deren Symptomatik besprach Frau Maurer weitere Faktoren, die sich positiv oder auch negativ auf die psychische Gesundheit auswirken können. So erhöhen etwa vorhergehende psychische Erkrankungen das Risiko, an einer Traumafolgestörung zu erkranken, während sich Religiosität als Schutzfaktor erwiesen hat. Auch spielt es eine große Rolle, ob das traumatische Ereignis vorhersehbar war und ob man währenddessen Einflussmöglichkeiten auf das Geschehen erlebt hat. Für Geflüchtete sind insbesondere auch Postmigrationsfaktoren wie ein unsicherer Aufenthaltsstatus, Sprachbarrieren und Diskriminierungserfahrungen von Bedeutung. Wichtige gesundheitsfördernde Faktoren sind die Fähigkeit, das Erlebte einzuordnen und ihm einen Sinn geben zu können, sowie soziale Unterstützung und die Anerkennung als Opfer.
  • Wichtig im Umgang mit potenziell traumatisierten Geflüchteten ist eine gewisse Sensibilität für interkulturelle Aspekte, denn die Erscheinungsformen von und Haltungen zu psychischen Krankheiten können sich sehr unterschiedlich gestalten. So kann es etwa sein, dass Menschen gar kein Verständnis davon haben, dass sie krank sind und Hilfe brauchen, oder die Erkrankung als Schande angesehen und überspielt wird. Generell muss man sich immer vor Augen halten, dass man Menschen nicht ansehen kann, ob sie krank sind. Daher müssen wir uns generell aufmerksam und innerlich darauf eingestellt verhalten.
  • Abschließend ging Frau Maurer näher auf günstige Rahmenbedingungen und Gesprächsverhalten im Umgang mit Traumatisierten ein. So sind neben genügend Zeit und einer ruhigen Situation etwa eine umfassende Klärung des Verständnisses, Empathie, Authentizität und ganz viel Geduld wichtig. Vermeiden sollte man hingegen Nachfragen zu den traumatischen Erlebnissen, um keine Flashbacks hervorzurufen. Zudem sollte man nach Möglichkeit die Hilfe von Unterstützungssystemen suchen: Das können Freunde, Familie und Partner sein, aber auch professionelle Stellen wie der Psychiatrische Notfalldienst oder das Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachen. Über diese Netzwerke sollte man sich auch zur eigenen Entlastung einen Überblick verschaffen.

Während und nach dem Vortrag entstanden angeregte Diskussionen, unter anderem über die Zusammenhänge von PTBS und Depressionen, den Umgang mit Menschen, in deren sozialer Umgebung psychische Erkrankungen ein Tabu sind, über die Vererbbarkeit von Depressionen, das Geschlecht als Risikofaktor, die Möglichkeit einer vollständigen »Heilung« von einer psychischen Erkrankung und vieles mehr.